Dieser Film soll "keine Geistergeschichte" und "keine Liebesgeschichte" sein, sondern ein "Gebet". Und die Angebetete, das ist eine Popsängerin, ein Megastar, verkörpert von Anne Hathaway. In der Vergangenheit bewies die US-Schauspielerin, die kürzlich erst mit "Der Teufel trägt Prada 2" wieder die Kino-Charts eroberte, schon mehrfach ihr musikalisches Talent. Mit dem Musical "Les Misérables" gewann sie 2013 einen Oscar als beste Nebendarstellerin. Eine bessere Besetzung hätte man für "Mother Mary" wohl kaum finden können.
Einfach nur eine gute Sängerin zu sein, hätte bei dieser Geschichte aber sicher nicht gereicht, denn in der ebenso anspruchsvollen wie abgründigen Mischung aus Pop-Drama und Psycho-Thriller muss Anne Hathaway ihr gesamtes schauspielerisches Repertoire abrufen. Ihre Figur im Film, Mother Mary, ist eine weltweit gefeierte Pop-Ikone, die Regisseur und Autor David Lowery ("Elliot, der Drache", "The Green Knight") teilweise nach dem Vorbild von Taylor Swift entwarf. Anders als die echte Taylor Swift hat Mother Mary ihren Zenit jedoch bereits überschritten. Die Sängerin ist seelisch ziemlich kaputt, arbeitet nach langer Pause aber trotzdem an einem Comeback.
"Sam, ich brauche ein Kleid": Mit dieser Bitte wendet Mother Mary sich zu Beginn des Films an die Modedesignerin Sam Anselm (Michaela Cole, "Black Panther: Wakanda Forever"). Sam hatte einst entscheidenden Anteil am Aufstieg und Erfolg von Mother Mary, die beiden verband eine innige Freundschaft. Dann aber kam es zum Bruch, und der Kontakt riss für über zehn Jahre komplett ab. Wenn die zwei Frauen sich nun also an eine erneute Zusammenarbeit machen, um ein spektakuläres neues Bühnen-Outfit zu kreieren, schwingt auch viel persönlicher Schmerz mit. Alte Wunden reißen wieder auf. Es wird intensiv, aufwühlend und manchmal auch ein bisschen gruselig.