Am 13. August 1899 kam Alfred Hitchock zur Welt. Der britische Regisseur lehrte Generationen von Kinogängern ein ganz neues Gefühl des Unbehagens: Suspense.

Es war spät in der Karriere des Alfred Hitchcock, da bedauerte er, "dass die Personen in meinen Filmen unter dem Gewicht des Suspense zu dünn ausgefallen sind". Er soll das sogar ernst gemeint haben. Selten sprach er über seine Arbeit. Wenn doch, fasste er zusammen: "Ich will sicher sein, dass es den Leuten Spaß macht, wenn ich ihnen Furcht bereite." Ein Spieler war er, ein Manipulant der Ängste und Gefühle der Zuschauer. Wie kein anderer vor und nach ihm band er sie in das Geschehen ein, zog einfache und klare Darstellungen immer dem Komplexen vor. Es mordeten und starben die bürgerlichen Menschen – Typen, wie die im Kinosessel eben.

Am 13. August vor 120 Jahren wurde Hitchcock im Londoner West End geboren. Seine Eltern waren Gemüsehändler, doch schon früh entdeckte das jüngste von drei Geschwistern die Leidenschaft für Technik und Mathematik, die ihm später so oft helfen sollte. Er mochte das Theater und entschloss sich mit 20 Jahren, bei der britischen Filmindustrie zu arbeiten. Hitch, wie er sich selbst schon früh nannte, war Mädchen für alles, lernte Kino und Film von innen kennen. Es war eine Art Gründerzeit, die Mitte der 20er-Jahre folgte. Kino war kein Rummelplatz mehr, es war auf dem Weg zur Kunst. Hitchcock war einer jener Menschen, die das Potenzial des Films erkannten, und er nutzte die Chance, ihn auf die ureigensten Aufgaben zu reduzieren.

Dialoge waren in seinen Filmen eher die Nebensache. Auch weil er glaubte, dass die Synchronisation oder Untertitelung die Qualität immer leiden lassen. Hitchcock war ein Verfechter des Bildes und seiner Wirkung auf den Zuschauer. Im Laufe seiner Karriere rief das die Kritiker auf den Plan. Keinen einzigen Oscar hat er gewonnen, fünfmal war er nominiert. Erst spät, 1976, wurde ihm ein Ehren-Award verliehen. Der damals 76-Jährige sagte "Danke" und ging von der Bühne.

Mehr als 50 Spielfilme hat Hitchcock in seiner Karriere gedreht. Er begann mit schicksalhaften Melodramen. Romantischen Thrillern folgten später die Schocker, die ihn berühmt machten: "Vertigo" (1958), "Psycho" (1960), "Die Vögel" (1963), "Marnie" (1964). Nur zu Beginn seiner Arbeit verfasste er Drehbücher. Bald ließ er es: "Ich war zu faul, und meine Gedanken gingen immer in die verschiedensten Richtungen." Es kam ihm ohnehin vor allem darauf an, das Geschriebene visuell fesselnd umzusetzen. Ein Mord unter der Dusche kann eben so oder so aussehen. "Suspense" wurde das genannt.

Cameos als Markenzeichen

François Truffaut, der das grandiose Filmbuch "Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?" verfasste (ein einziges riesiges Interview), versuchte sich einmal an der Deutung des Begriffes. "Suspense" sei die Dramatisierung des Erzählmaterials, "die intensivste Darstellung von Spannung". Ein Mann fährt zum Bahnhof? Nein. Er glaubt, dass er den Zug verpassen wird, treibt den Fahrer des Taxis an und blickt immer wieder hektisch auf die Uhr. Es ist eigentlich so einfach. Dass Alfred Hitchcock die Fähigkeit hatte, Menschen zu ängstigen, führte Truffaut auf den Charakter zurück. Er habe hinter dem Filmemacher einen Mann gesehen, der selbst furchtsam war, verwundbar und sensibel.

Hitchcock galt als schwierig. Jeder, der mit ihm arbeitete, respektierte ihn, aber nicht jeder kam mit ihm aus. Nachdem er 1940 nach Amerika ging – 1955 nahm er die US-Staatsbürgerschaft an – avancierte er zu einem der mächtigsten Männer der Filmbranche. Dabei liebte er privat die Zurückhaltung. Hitchcock mochte keine Partys, aß lieber daheim und arbeitete. Sein Haus war bescheiden eingerichtet. Nur die Küche und der Weinkeller zeugten vom Genussmenschen, der er zweifellos war. Er lebte zusammen mit seiner Frau Alma Lucy Reville, die er im Dezember 1926 heiratete und die bis zu seinem Tod am 29. April 1980 an seiner Seite blieb. Die einzige Tochter Patricia wurde Schauspielerin und hatte unter anderem einen Auftritt in "Psycho".

Auch der Regisseur selbst übernahm in dem Klassiker eine kleine Rolle. Die Cameos wurden schließlich eines seiner Markenzeichen. Weil das Publikum darauf wartete, positionierte er seine Gastauftritte recht früh im Film, um den Betrachter sich danach auf das Wesentliche konzentrieren zu lassen. Nicht unbedingt den auffälligsten, wohl aber den schönsten Cameo hatte er in "Frenzy", seiner vorletzten Regiearbeit aus dem Jahr 1972. Nach vier Minuten ist da ein Redner und vor ihm eine Menschenmenge. Mittendrin: Alfred Hitchcock. Er ist leicht zu erkennen. Er ist der Einzige, der nicht applaudiert.


Quelle: teleschau – der Mediendienst