Mit dem Slogan "Sie kennen mich!" hat Angela Merkel mehrere Wahlen gewonnen – doch kennt man die Kanzlerin wirklich? Anlässlich ihres 65. Geburtstages versucht sich eine "ZFDzeit"-Doku an einem Fazit.

Sie bewältigte die Bankenkrise und rettete den Euro, bewirkte den Ausstieg aus der Atomkraft nach Fukushima und begrüßte eher leichtfertig den Flüchtlingsstrom von 2015 mit der Devise "Wir schaffen das!" – Sie regiert seit November 2005, doch der Stern der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel ist auf bedenkliche Weise im Niedergang. Nicht wenige glauben, dass sie das Ende der Legislaturperiode bis 2021 nicht mehr im Amt erlebt. Anlässlich des 65. Geburtstags der Kanzlerin am 17. Juli versucht "ZDFzeit" zur besten Sendezeit unter dem Titel "Mensch Merkel! – Widersprüche einer Kanzlerin" eine Bilanz ihrer Kanzlerschaft zu ziehen: Was zeichnete die Ära Merkel aus, wie hat sie das Land geprägt?

In der internationalen Politik genoss Angela Merkel, die Physikerin, die aus dem Osten kam und die man wegen ihres Mentors als "Kohls Mädchen" titulierte, großes Ansehen. In einer Welt unberechenbarer, autoritärer Männer galt sie lange Zeit als "Fels in der Brandung". So erklärt etwa der britische Ex-Premier Tony Blair in der ZDF-Doku, dass es eine ihrer großen Fähigkeiten gewesen sei, sich in schwierigen Fragen immer mehrere Optionen offenzuhalten: "Schließlich entscheidet sie sich und steht auch dazu. Ich denke, das ist der Grund, warum sie sich so lange im Amt halten konnte, und warum sie so viel Einfluss hat."

Mit der Behauptung "Sie kennen mich!" hat Angela Merkel mehrere Wahlen gewonnen - doch kaum jemand kennt die Kanzlerin wirklich. Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende der Grünen, sagt im Interview: "Sie ist jemand, die wirklich weiß, was sie tut - aber selten weiß, was sie will." Selbst CDU-Mann Wolfgang Bosbach zeigt sich ratlos zur Strategie: "Ich weiß wirklich nicht: Wer hat Zugang? Wer hat Einfluss? Auf wen hört sie wirklich? Auf wessen Rat? Wer kann Meinungsbildung und Entscheidungsfindung beeinflussen? Ich weiß es nicht."

Die Einwände gegen den Regierungsstil der Kanzlerin sind größer geworden im Lauf der Jahre, spätestens seit dem dramatischen Rückgang der Wählerstimmen, den viele einem amgeblichen Linksruck der Kanzlerin hin zur Mitte anlasten wollen. Zudem scheint sie auch ein Machtvakuum in ihrer eigenen Partei hinterlassen zu haben.

Starke Nachfolger scheinen nicht in Sicht. Thomas de Maizière geht im Film von Bernd Reufels etwas freundlicher mit der Kanzlerin um. Angela Merkel habe immer davon gelebt, "dass sie unterschätzt wurde", so de Maizière, sie habe immer "ein gutes Gefühl dafür gehabt, was in der Politik überragend wichtig ist: Konstellationen". Und Linkspolitiker Gregor Gisy bringt es auf den Punkt: "In Vier-Augen-Gesprächen haben mir das ja auch Leute eingeräumt, dass sie gedacht haben, sie wählen die 'Mutti' für ein Jahr oder für zwei Jahre, und dann schicken sie sie wieder nach Hause. Sie hat die aber nach Hause geschickt. Das musst du erst mal können."


Quelle: teleschau – der Mediendienst