Zweite Staffel bei Amazon

So geht es mit "Killing Eve" weiter

von Annekatrin Liebisch

"Grey's Anatomy"-Star Sandra Oh macht in der zweiten Staffel "Killing Eve" erneut Jagd auf Jodie Comers grandiose Killerin Villanelle. Oder ist es anders herum?

VORSICHT: Spoiler

Was für beeindruckende Charaktere, was für herrliche Dialoge, was für eine spannende Handlung – kurzum: Was für eine fantastische erste Staffel! Mit "Killing Eve" konnte sich Amazon für seinen Channel Starzplay ein echtes Serienjuwel sichern. Umso erfreulicher, dass die Zuschauer auf die Fortsetzung der fesselnden Geschichte von Agentin Eve und Mörderin Villanelle nicht lange warten mussten. Am 26. Juli legt Starzplay acht neue Folgen der etwas anderen Thriller-Serie nach – und löst erst einmal den fiesen Cliffhanger auf, mit dem die erste Staffel endete.

Genau 30 Sekunden, nachdem MI6-Agentin Eve (Golden-Globe-prämiert: Sandra Oh) Villanelles (Jodie Comer) Verschwinden bemerkte, setzt die Handlung ein. Während die Zuschauer die verwundete Auftragskillerin entkommen sehen, tappt Eve völlig im Dunkeln: Hat sie Villanelle tatsächlich umgebracht? Die Frau, die sie zwar stellen wollte, aber von der sie auf so unbeschreibliche Weise fasziniert ist? Vor lauter Schreck kauft sich Eve erst einmal zwei Kilogramm Bonbons, bevor sie nach London zurückfliegt und dort ihre Standpauke von Ex-Chefin Carolyn (herrlich trocken: Fiona Shaw) erwartet.

Doch statt einer Predigt erhält Eve wider Erwarten ihren Job zurück: In einem neuen, mysteriösen Todesfall wird ihre Expertise benötigt, denn das Opfer könnte auf Villanelles Konto gehen. Tatsächlich weist die Vorgehensweise auf eine andere, bislang unbekannte Auftragsmörderin hin. Eine neue Herausforderung für Eve – und auch für Villanelle. Einmal zurück auf die Beine gekommen findet die es nämlich gar nicht schmeichelhaft, sich die Aufmerksamkeit ihrer Lieblingsverfolgerin plötzlich mit einer anderen teilen zu müssen.

In die komplizierte, ungewöhnliche Beziehung zwischen Jägerin und Gejagter spielt nun also eine neue Komponente hinein: Eifersucht. Dadurch erhält das ausgeklügelte Katz-und-Maus-Spiel der beiden eine interessante neue Note, die es dem Publikum ermöglicht, neue Seiten an den beiden Hauptfiguren zu entdecken – und auch neue Emotionen für sie.

Dadurch ist es leicht zu verschmerzen, dass die zweite Staffel – zumindest in den vorab zur Verfügung gestellten Episoden – etwas langsamer in Fahrt kommt als die erste, in der noch alles neu und unglaublich frisch war. Doch die neue Showrunnerin Emerald Fennell führt das, was ihre Vorgängerin Phoebe Waller-Bridge so erfolgreich vorgelegt hat, mit ähnlich düsterem Humor und ähnlich scharfer Beobachtungsgabe weiter.

Dass für die dritte Staffel bereits eine neue Verantwortliche angekündigt wurde, namentlich Suzanne Heathcote ("Fear the Walking Dead"), hat übrigens Methode: Dadurch bekommt eine neue Autorin die Chance zu beweisen, dass sie eine Serie schaukeln kann. Eine bewusste Entscheidung, die dazu betragen könnte, dass Frauen in der Fernsehbranche irgendwann einmal genauso selbstverständlich in Chefposten sitzen wie in dieser zu recht selbstbewussten Agentenserie.


Quelle: teleschau – der Mediendienst
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