Netflix-Serie

"Haus des Geldes": So geht es in Staffel drei weiter

von Julian Weinberger

Mit der spanischen Serie "Haus des Geldes" landete Netflix einen Mega-Hit. Obwohl die Geschichte um die Bankräuber eigentlich auserzählt schien, folgt nun eine dritte Staffel. Darin wird es für den Professor und sein Team persönlich.

Vorsicht Spoiler: Wer die ersten beiden Staffeln von "Haus des Geldes" noch nicht gesehen hat, sollte jetzt nicht weiterlesen.

Eine Serie zum richtigen Zeitpunkt enden zu lassen, ist die Königsdisziplin. Wie schwer es fällt, ein zufriedenstellendes Finale hinzubekommen, mussten nicht zuletzt auch die Macher von "Game of Thrones" feststellen – formierte sich doch sogar ein Fanprotest samt Petition gegen den Abschluss des Fantasy-Epos. Eine willkommene Abwechslung war da der spanische Netflix-Überraschungshit "Das Haus des Geldes". Die zweite Staffel der, laut Netflix meistkonsumierten nicht englischsprachigen Produktion, endete mit einem gelungenen Coup und einem schmalzigen Wiedersehen des Professors (Álvaro Morte) und seiner Angebeteten Raquel (Itziar Ituño). Eigentlich alles perfekt, würde man meinen. Netflix spinnt die Geschichte ab 19. Juli aber trotzdem für acht neue Folgen weiter. Ob das gutgehen kann?

Eine abgelegene Karibikinsel, kristallblaues Wasser, wohin das Auge reicht, und mittendrin Tokio (Úrsula Corberó) und Rio (Miguel Herrán). Nach der geglückten Flucht haben sich die beiden im Paradies eingerichtet. Doch nach drei Jahren Faulenzen hat Tokio die Schnauze voll vom Postkartenidyll und stürzt sich ins panamaische Nachtleben – mit schlimmen Konsequenzen. Weil Rio Sehnsucht nach der wilden Amazone hat, ruft er sie über ein vermeintlich sicheres Satellitentelefon an. Und man ahnt es schon: Die Aktion geht schief, das Telefon wird von Europol geortet, Rio wird verhaftet und an einen unbekannten Ort gebracht.

Mehr Glück hat Tokio, die sich in Sicherheit bringen kann und den Professor (Álvaro Morte) mit einem verzweifelten Hilferuf kontaktiert. Das charismatische Superhirn, das mittlerweile mit Ex-Polizistin Raquel (Itziar Ituño) in Thailand lebt, pfeift sogleich die altbewährte Truppe zusammen, um einen Plan für die Rettung ihres verschollenen Kameraden auszuhecken. Das Wiedersehen mit Nairobi (Alba Flores), Helsinki (Darko Peric), Denver (Jaime Lorente) und dessen Frau Monica aka Stockholm (Esther Acebo) verläuft herzlich, wenn auch nicht ohne Vorwürfe. Dennoch kann der Professor mit einer mitreißenden Moralpredigt seine Gefolgsleute zum Mitmachen überreden. Als Vergeltungsschlag für die Festsetzung Rios soll dieses Mal die nationale Reserve der Bank von Spanien dran glauben.

Inwiefern der tollkühne Plan des Professors die Verhandlungsposition gegenüber den Peinigern Rios verbessern soll, wird allerdings nicht wirklich deutlich – zumindest nicht in den beiden Folgen, die der Presse vorab zur Verfügung standen. Überhaupt braucht die Fortsetzung von "Haus des Geldes" gehörig Zeit zur Entfaltung. Produzent Álex Pina, der auch in den neuen Episoden mit an Bord ist, räumt den persönlichen Geschichten der Hauptfiguren zunächst sehr viel Raum ein. Während besonders das Wiedersehen mit Berlin (Pedro Alonso) die Herzen der Serienfans höher schlagen lassen dürfte, driften andere Handlungsstränge ins Schmonzettenhafte ab.

Fahrt nimmt die Geschichte erst dann auf, wenn sich das Team auf seine Qualitäten konzentriert, nämlich die Planung und Durchführung eines Mega-Raubs. Wenn man den Professor gemeinsam mit Raquel in der Kommandozentrale sitzen und Tokio und Co. mit schwerem Geschütz Richtung Einsatzort fahren sieht, stellt sich das spannungsgeladene Kribbeln ein, dass die ersten beiden Staffeln so sehenswert machte. Anstelle der gefallenen Kameraden aus Staffel eins und zwei stoßen übrigens drei neue Gesichter zur Truppe. Palermo (Rodrigo De la Serna), Marseille (Luka Peros) und Bogota (Hovik Keuchkerian) bleiben aber blass oder werden zunächst gar nicht eingeführt. So gesehen lassen die beiden ersten Folgen von "Haus des Geldes" zwiegespalten zurück. Letztlich aber wird wohl auch die dritte Staffel mit einer Mischung aus Heist-Movie und einem verstärkten Fokus auf die Beziehungen der Räuber untereinander seine Anhänger finden.


Quelle: teleschau – der Mediendienst
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