RTL hat uns Romantik versprochen, und stattdessen Schneewittchen und die sieben Zwerge geliefert. Die neue Bachelorette Nadine Klein hat die Wahl zwischen 20 Wichten, die bei der Anfahrt im Bus "Griechischer Wein" singen und Schnauzer, Hochwasserhosen und Blumenhemden tragen. Einer hat immerhin gleich in der ersten Folge oberkörperfrei einen großen Stein gestemmt. Das war schön.

Die Männer kommen aus seltsamen Orten, die Tönisvorst heißen, Ifezheim und Sauerlach. Einer hat beim Kennenlernen am ersten Abend ein schlechtes Lied auf der Gitarre gespielt und vorgesungen wie beim Weihnachtsessen mit den Großeltern und der Bachelorette eine Uhr von Nanu Nana als Geschenk mitgebracht. Sie hat ihm dafür direkt die erste Rose gegeben. Woran sie nicht gedacht hat: Er hätte das Lied in jedem Fall gesungen, egal welche Frau er beim Aussteigen aus dem Auto am Ende des roten Teppichs vorgefunden hätte. Die betuppen uns bei RTL.

Paul Janke ist auch wieder dabei

Der Sender hat mal wieder alte Kandidaten wiederverwertet: Die neue Bachelorette kennen wir schon aus der letzten "Bachelor"-Staffel mit Daniel Völz. Außerdem haben sie jemanden eingeschmuggelt, der aussieht wie Paul Janke. Wahrscheinlich in der Hoffnung, dass der jetzt Jankes Rolle als übergeordnete Moralinstanz und Kommentator einnimmt. Der Mann ist allerdings erst 24 und noch etwas grün hinter den Ohren, wie die meisten der Kandidaten.

Die wirken mit ihren bunten Fliegen und gegeelten Haaren und den Weingläsern zwischen den Fingerspitzen zwar wie etwas in die Jahre gekommene Pick up-Artists. Doch die Bachelorette Nadine Klein, die 32 Jahre alt ist, finden sie "sehr erwachsen". Fast alle Kandidaten sind jünger als die Berlinerin. Es ist großartig. In einer Show, die kaum tradiertere Rollenbilder vermitteln könnte, ist diesmal die Frau diejenige, die erfahrener und reifer ist. Im Übrigen ist Nadine erbarmungslos, wenn es darum geht, die Frische ihrer Kandidaten zu bewerten. Einem, der bald 30 wird, sagt sie: "Du hast dich aber gut gehalten."

Jemand wird Nadine im Laufe der ersten Folge wie zur Revanche eine ältere Dame nennen. Den Respekt vonseiten der Kandidaten hat sie schon einmal. Spätestens, als die alle mit gespreiztem Finger Wein schlürfen und sie ihr Bier herunterkippt. Nadine ist mein ganz persönliches neues Vorbild.

Drei hut- und Fensterglasbrillen-tragende Heinis sind in der ersten Folge schon rausgeflogen: Der Sascha, der Kai und der Vadim. Man muss aber auch zu ihrer Verteidigung dazu sagen, dass es echt schwer war, überhaupt mit der Nadine zu sprechen, so groß, wie der Ansturm war.

RTL verwirrt die Kandidaten bestimmt absichtlich

"Das ist ein Sturm gewesen wie auf die Bastion", klagte einer der Kandidaten. Ich glaube ja, dass RTL die Kandidaten vor den Interviews auf einen Stuhl setzt, und dann liest ein Praktikant ihnen so lange Sprichwörter vor, in denen ein oder zwei Wörter vertauscht sind, um sie zu verwirren. Bis sie selbst nur noch solche Sätze sagen: "Allein die Augen von der Nadine haben so rauspolarisiert heute."

Kommende Woche Mittwoch geht es mit 17 Kandidaten weiter. Ich tippe übrigens, dass Stefan gewinnt, der Steuerfachangestellte, der sich ab und zu den Bürohund ausleiht, um im Park Frauen kennenzulernen. Der hat einen guten Humor und hat fast als einziger keinen Kommentar zu Nadines Alter gemacht.