Einst gab es 14 Nachmittags-Talkshows im deutschen Fernsehen – keine einzige hat überlebt. Aus guten Gründen, wie die meisten Kritiker sagen würden, wurden irgendwann alle der als "Krawallsendungen" veschrienen Formate eingestellt. Zuletzt hatte Detlef Soost mit einem Wiederbelebungsversuch auf RTL II wenig Erfolg ... Doch das muss nicht heißen, dass so eine Show nicht auch heute noch ihren Platz im Programm finden könnte, meint Britt Hagedorn.

Die Moderatorin, die selbst eine halbe Ewigkeit als Daily-Talkerin mitmischte, hat jedenfalls immer noch große Lust auf das Genre und findet: "Redebedarf gibt es immer!" Man "müsste so eine Sendung nur anders angehen als damals", erklärte die 45-Jährige jetzt im Interview mit der Agentur teleschau.

Sie hat durchaus schon konkrete Vorstellungen: "Wenn außenrum alles schnell und wild ist, darf's im Fernsehen vielleicht auch mal eine Stunde etwas ruhiger zugehen. So ein Format, wie es Jürgen Fliege früher gemacht hat, wäre vielleicht gerade richtig: eine Sendung für die nicht mehr ganz so junge Zielgruppe, in der man den Leuten Zeit gibt und ihnen bei ihren Alltagsproblemen zuhört und weiterhilft." So eine Show, so Hagedorn, "würde ich gerne machen. Nur eben nicht mehr an jedem Werktag", das höhle sich zu schnell aus. Wahrscheinlich, so die beliebte TV-Blondine, "sei das eben auch die Perspektive der in die Jahre gekommenen Britt". Sie sei "differenzierter, reflektierter, reifer, klüger geworden". Ein Boulevard-Talk, der sich als Gegenpol zu den politischen TV-Runden um die großen Debattenthemen kümmert – mit normalen Bürgern als Gästen: Das wäre genau ihr Ding, sagt Britt: "Was hätten wir beispielsweise für tolle 'Metoo'-Sendungen zur Sexismus-Debatte machen können!"

Eigene einschlägige Sexismus-Erfahrungen hat die TV-Lady, die sich 2006 für das "Playboy"-Magazin auszog, nach eigener Auskunft nicht gemacht. "Ich bin seit über 20 Jahren in der Branche, aber es gibt keinen einzigen Vorfall, den ich nennen könnte – vielleicht hatte ich nur Glück", so Britt Hagedorn. "Es liegt vielleicht auch an mir, vielleicht strahle ich das ja aus: 'Komm' mir nicht blöd, sonst gibt es Ärger!" Aber ihr "tun natürlich all die Frauen, die betroffen sind, sehr leid. Es ist absolut wichtig und zu befürworten, dass den Opfern endlich Gehör geschenkt wird." Andererseits findet sie, dass "die enorme Wucht der Diskussion" nicht zu "einem natürlichen Umgang der Geschlechter" miteinander beitrage. Britt: "Ich merke durchaus, wie manche Kerle plötzlich anfangen, rumzueiern, anstatt zu sagen, was sie denken. Wir sollten schon ein bisschen aufpassen, dass das jetzt nicht allzu verkrampft wird."

13 Jahre, über 2000 Sendungen

Kein Nachmittags-Talker war länger auf Sendung als sie: Britt Hagedorn hat sich in mehr als 13 Jahren und weit über 2000 Ausgaben ihrer SAT.1 Sendung "Britt – Der Talk um eins" mehrfach quer durch alle denkbaren (und undenkbaren) deutschen Alltagssorgen gequasselt – bis im März 2013 auch das Format der "letzten Mohikanerin" von der Bildfläche verschwand. Jetzt kommt die Frau, die zuletzt in "Schwer verliebt" (bis 2013), "Das große Backen" (2013), "Mein schönstes Ich" (SAT.1 Gold) und auf dem Home-Shopping-Kanal HSE nur noch sporadische TV-Präsenz zeigte, mit einem regelmäßigen Gesundheitsmagazin zu ihrem alten Arbeitgeber SAT.1 zurück: "Total Gesund! Mit Britt und Dr. Kurscheid" ist ab 20. November 2017, immer montags, um 10 Uhr, im Programm.


Quelle: teleschau – der Mediendienst