"Daheim in den Bergen"-Schauspielerin

Catherine Bode: "Diese Entschleunigung tut uns gut"

von Sarah Kohlberger

Mit vier Kindern die Coronakrise zu meistern, klingt zunächst anstrengend. Doch die Schauspielerin Schauspielerin Catherine Bode hat viele positive Schlüsse aus der Krise gezogen, wie sie im Interview versichert.

Die Schulen und Kitas geschlossen, der Job im Stillstand und keine Ahnung, wie es künftig weitergeht: Im ersten Moment war die Coronakrise ein Schock für Schauspielerin Catherine Bode. Wie sollte sich die Mutter von vier eigenen Kindern und einer Stieftochter mit dieser Situation arrangieren? Doch tatsächlich hatte der neue Alltag für sie durchaus auch positive Seiten. Im Interview berichtet die 45-Jährige, wie sie ihr Leben in Coronazeiten meistert, was sie aus der Pandemie gelernt hat und warum eine große Familie für sie so wichtig ist. Nun ist sie gemeinsam mit ihrer Filmschwester Lisa (Theresa Scholze) in zwei neuen Folgen der ARD-Heimatfilmreihe "Daheim in den Bergen" zu sehen (freitags, 12. und 19. Juni, 20.15 Uhr).

prisma: Marie ist "daheim in den Bergen". Was bedeutet Heimat für Sie?

HALLO WOCHENENDE!
Noch mehr TV- und Streaming-Tipps, Promi-Interviews und attraktive Gewinnspiele: Zum Start ins Wochenende schicken wir Ihnen jeden Freitag unseren Newsletter aus der Redaktion.

Catherine Bode: Heimat bedeutet für mich etwas ganz anderes als für Marie. Für sie ist Heimat in den Bergen, der Ort, wo sie lebt und ihre Hütte steht. Sie ist dort verwurzelt. Bei mir ist es so: Heimat ist immer da, wo meine selbst gegründete Familie ist. Seit ich verheiratet bin und wir gemeinsam fünf Kinder haben, habe ich gemerkt: Der Ort, an dem ich mit diesen Menschen lebe, ist der Ort, an dem ich mich zu Hause fühle. Da gibt es ja diesen Spruch: "Wo mein Herz ist, ist meine Heimat." Der beschreibt es ganz gut.

prisma: Sie haben schon in vielen deutschen Großstädten gewohnt. Könnten Sie sich auch vorstellen, auf dem Land zu leben?

Bode: Ich finde, wir haben tatsächlich den Idealzustand gefunden. Wir leben nicht im Herzen von Hamburg, sondern haben ein Haus am Rand. Das hat den Vorteil, dass wir eine Viertelstunde fahren und schon in den Tiefen von Schleswig-Holstein sind. Wenn wir noch ein bisschen weiterfahren, kommt die Ostsee. Aber ich kann mich auch eine Viertelstunde in die Regionalbahn setzen und bin in der Innenstadt. Und das ist perfekt so. Mir ist wichtig, losradeln und Ausflüge in der Natur machen zu können, aber auch dass ich mit meinem Mann theoretisch jederzeit ins Restaurant oder ins Theater gehen kann.

prisma: Was macht den modernen Heimatfilm so beliebt?

Bode: Wir sind eine generationsübergreifende Familienreihe, die in den Bergen beheimatet ist und dazu Themen rund um die Bauernfamilien behandelt. Deswegen spricht das viele Menschen an: Es sind menschliche Themen, die man auch genauso in die Stadt übertragen kann. Familien- und Liebesgeschichten, Geschichten über Tod, Veränderungen und Lebensentscheidungen: Das sind universelle Themen, und das zeichnet so eine Reihe aus. Der Heimatfilm punktet dann noch damit, dass er in den Bergen spielt. Die Berge haben einfach eine Naturgewalt, die auf uns Menschen Eindruck macht. Dem kann sich kaum jemand entziehen, sie lassen einen nie kalt. Die Natur ist dort noch mal unberührter, und uns bewegt Natur.

prisma: Die Reihe "Daheim in den Bergen" handelt von den beiden Schwestern Marie und Lisa. Sie haben selbst auch eine Schwester. Was ist das Beste daran, Geschwister zu haben?

Bode: Ganz spontan denke ich: Nicht alleine zu sein und schwierige Situationen, zum Beispiel wenn die Eltern alt werden, zu teilen. Meine Schwester lebt in Köln, und das ist zu Hamburg doch eine Entfernung, die man nicht so oft zurücklegt, und wir telefonieren auch nicht jeden Abend. Meine Schwester und ich haben sehr unterschiedliche Wesen, fast komplementär, aber unsere Werte sind gleich. Es gibt kaum jemanden, der mich in dieser Hinsicht so gut versteht wie sie. Das ist schön zu wissen. Ich habe auch so viele Kinder, weil mir eine Schwester schon zu wenig war. Ich bin immer an meinen Eltern gehangen und habe gesagt: "Bitte, bitte, ich will noch mehr Geschwister!" Aber die haben sich nicht überreden lassen. Dann habe ich halt selber so viele Kinder gemacht.

prisma: Was auch anstrengend ist ...

Bode: Natürlich. Vier oder fünf Kinder sind sehr anstrengend, und es gibt Momente, wo man nur denkt: "Um Gottes Willen, warum haben wir nicht früher aufgehört?" Aber das stellt man irgendwann nicht mehr infrage. Ich sage immer: Ich stelle auch nicht infrage, ob mein linker Arm da sein soll oder nicht. Der ist einfach da. Und genauso sind die Kinder Teil meines Lebens, das kann ich mir nicht mehr ohne vorstellen.

prisma: Ihre Schauspielkarriere lief erst richtig an, als Sie Ihr erstes Kind bekamen. Wie haben Sie mit Kind den Sprung ins Filmgeschäft geschafft?

Bode: Das war Zufall. Ich habe mich nach der Schauspielschule dem Film erst mal entzogen und ein paar Jahre Filmproduktion gemacht. Ich hatte zwar ein paar Castings und Einladungen, aber das lief nicht so richtig. Ich war nach der Schauspielschule überhaupt nicht bei mir angekommen. Das hat die Geburt meines Kindes verändert: Ich habe dadurch einfach neue Seiten an mir kennengelernt und war dann bereit dafür, dass es wieder losging. Und ein Kind kann man gut organisieren.

prisma: Wie meinen Sie das?

Bode: Ich will jetzt nicht sagen, ein Kind ist kein Kind, aber ich finde, ein Kind kann man ganz gut händeln. Man muss nicht auf verschiedene Kitas und Schulen achten, oder wenn es mal krank wird, bricht nicht mein ganzes System zusammen. Wenn mich junge Kolleginnen fragen: "Du hast vier Kinder, ich habe Angst, schwanger zu werden, meinst du das geht?" Dann antworte ich: "Also ein Kind kannst du auf jeden Fall kriegen. Die Hauptsache ist, du hast einen Vater, der mithilft." Der Vater meines Sohnes ist ein anderer Vater als der von meinen drei Mädels, und der hat mir damals in den Drehzeiten ein bisschen den Rücken freigehalten.

prisma: Und heute, schaffen Sie ihr Schauspielerdasein mit vier Kindern?

Bode: Man muss es ja hinkriegen (lacht). Es sei denn, man sagt Projekte ab, und das wollen mein Mann und ich auf keinen Fall. Das war von Anfang an klar, dass mein Mann und ich so viele Kinder bekommen und dass wir das gemeinsam machen. Jeder hat seinen Beruf und kann den nach Möglichkeit auch weiter ausüben.

prisma: Sie sind also ein echtes Organisationstalent.

Bode: Das klingt vielleicht ein bisschen eitel, aber ich würde sagen, ich organisiere sehr gerne, das geht mir leicht von der Hand. Mein Mann hilft mit, wir haben ein Au-Pair, außerdem gibt es Kitas und Schulen, wo die Kinder vormittags bis nachmittags betreut sind. Wenn ich mal längere Zeit weg bin, organisiere ich alles vorher oder vom Hotel aus. Dann schmeißt mein Mann den Laden, und ich sorge vorher für die Grundausstattung, dass etwas zum Anziehen da und die Speisekammer voll ist (lacht). Ich habe zwischendurch immer mal wieder einen Tag frei, dann kann ich mich um vieles kümmern. Den ganzen Umzug vor einem Jahr von Berlin nach Hamburg habe ich vom Allgäu aus organisiert.

prisma: Welche Bedeutung hat die Familie für die Gesellschaft?

Bode: Schwierige Frage. Es gibt auf der einen Seite leider viele kaputte Familien und auch Einsamkeit. Viele Menschen wünschen sich Kinder, können aber keine bekommen. Oder auch Menschen, die im Alter alleine sind. Ich wollte immer eine Familie haben, weil ich nicht alleine sein wollte. Es ist etwas wahnsinnig Schönes, wenn man aufgehoben ist. Ich glaube, dass in der Gesellschaft durch neue Arten zu leben und durch die Berufstätigkeit der Frau, die ich sehr unterstütze, viel ins Rutschen gekommen ist. Auf der anderen Seite sind aber auch tolle neue Sachen entstanden. Zum Beispiel entstehen neue Arten des Zusammenlebens: WGs, Alten-WGs oder auch Freunde, die die gleichen Interessen teilen und zusammenziehen. Ich hatte früher in Berlin eine Freundin, und wir haben mit unseren gleichaltrigen Söhnen Tür an Tür gelebt, als ich alleinerziehend war. Das war wie eine Familie und nicht weniger wertvoll als eine echte Familie.

prisma: Eine Großfamilie mit vier Kindern ist in Corona-Zeiten bestimmt eine XXL-Herausforderung. Wie erleben Sie die Situation?

Bode: Das hat verschiedene Phasen. Am Anfang brach das alles über uns herein. Wir kamen aus zwei Wochen Portugal-Urlaub zurück in ein komplett verändertes Land, wo es plötzlich kein Klopapier mehr gab. In Portugal war noch Sonnenschein. Und eigentlich ist man als Eltern nach den Ferien auch froh, wenn die Schulen und die Kitas wieder losgehen. Dann hieß es, es hat alles zu. Da sind wir erst mal hinten runtergefallen. Wir dachten: "Wie soll das überhaupt gehen? Nur einen Tag lang?"

prisma: Sie hatten noch Glück, dass Sie zurück ins Land gekommen sind ...

Bode: Ja, es ging gerade noch so. Ab 15. März wurde die Beweglichkeit immer mehr eingeschränkt. Das war am Anfang natürlich ein Schock. Mein Mann musste Vollzeit von zu Hause aus arbeiten, bei mir standen die Dreharbeiten still. Also sollte ich den ganzen Tag zu Hause bei den Kindern sein und sie zu Hause beschulen – das konnten wir uns nicht vorstellen. Dann kam aber irgendwann der Punkt, an dem ich merkte, dass die Schulen nicht wieder aufmachen und auch die Filmproduktion erst mal stillsteht. Dann habe ich mir gedacht: Es gibt Sachen, die kann ich ändern im Leben. Aber es gibt auch Sachen, die man nicht ändern kann, wie diese Coronakrise, da habe ich keinen Einfluss. Aber ich habe Einfluss auf meine Perspektive darauf. Das ist eine ganz einfache Weisheit.

prisma: Was ist dann passiert?

Bode: Ich habe mir gesagt: Es bringt nichts, sich jeden Tag darüber aufzuregen und den Kindern hinterherzurennen. Nimm die Situation jetzt an. Das hat geholfen, und dadurch habe ich gesehen: Es geht uns gut. Wir sind nicht existenziell bedroht, wir haben ein Haus mit Garten, das Wetter ist schön und wir sind alle gesund. Ab dem Moment wurde es besser. Die Zwillinge haben einen großen Sprung gemacht in der Zeit. Und als ich meiner Tochter in der ersten Klasse fünf neue Buchstaben beigebracht habe, war ich sehr stolz. Außerdem können alle Kinder jetzt besser sprechen. Früher musste ich ganz oft hören: "Kann ich noch Apfelsaft?" Nach zwei Monaten Corona sagen alle Kinder von vier bis 16 Jahren: "Kann ich bitte noch Apfelsaft haben?" (lacht) Und auch die Beziehungen wurden inniger. Ich kann der Situation also viel Positives abgewinnen.

prisma: Was können Sie aus der Coronazeit mitnehmen?

Bode: Es tut mir sehr gut, viel intensiver Zeit mit den Kindern zu verbringen. Man merkt, dass sie schon recht viel Zeit in der Kita und in der Schule verbringen. Dann holt man sie ab, der Nachmittag wird stressig, dann wird zu Abend gegessen und schon kann man sie wieder ins Bett bringen. Das ist eine Routine, in der wir alle stecken. Vor allem morgens ist es stressig, alle bis acht Uhr fertigzumachen. Es tut uns gut, morgens mehr Ruhe zu haben. Und das gibt mir zu denken. Ich hoffe, dass wir beibehalten können, dass wir mehr Ruhe in den Alltag bekommen und uns nicht von den Routinen auffressen lassen. Diese Entschleunigung tut uns in der schnellen Gesellschaft gut.

prisma: Was kann die Gesellschaft aus dieser Zeit lernen?

Bode: Man merkt gerade, wie gut es der Natur tut, dass wir alle nicht so mobil sind. Ich hoffe sehr, dass sich das positiv auf unser Verhalten auswirkt. Allerdings befürchte ich, dass das schwierig wird. Wahrscheinlich scharren alle schon mit den Füßen, dass sie, sobald es wieder erlaubt ist, wieder in die Flugzeuge steigen können. Da muss man sich selber an die eigene Nase fassen und hinterfragen, ob man wirklich in den Flieger steigen oder so viel mit dem Auto fahren muss. Es ist gerade göttlich, was hier für eine Ruhe herrscht, seitdem kaum noch Flugzeuge über Hamburg fliegen. Ich hoffe, was das Klima und die Umwelt angeht, Lehren gezogen werden. Die Coronazeit hat uns zumindest viele Beweise geliefert. Jetzt kann keiner mehr sagen, es geht nicht.

prisma: Marie durchlebt in den neuen Folgen von "Daheim in den Bergen" eine Achterbahnfahrt der Gefühle ... Wie war es für Sie, so zwischen Freude und Trauer zu wechseln?

Bode: Es ist generell schön, wenn man ein Drehbuch bekommt und richtig was zu spielen hat. Das freut mich, wenn ich merke, dass man mir das zutraut und dass ich herausgefordert werde. Außerdem lagen die Szenen beim Drehen auch nicht so nah beieinander. Die komplette Geburtsszene haben wir an einem Tag gedreht, da habe ich abends nicht gleich noch die Beerdigung gespielt. Nach den Geburtsszenen bin ich abends ins Hotel und dachte: "Wo ist jetzt das Baby?" (lacht) Ich fühlte mich fast so, als hätte ich wirklich eine Geburt gehabt.

prisma: Inwiefern hat Ihnen die eigene Erfahrung beim Spielen geholfen?

Bode: Ich kann mir nicht vorstellen, eine Geburt zu spielen, ohne bereits eine erlebt zu haben. Das ist wahnsinnig schwer. Meine letzte Geburt war zu dem Zeitpunkt schon fast vier Jahre her, aber das Verrückte ist, der Körper weiß alles noch. Man fängt an, sich das vorzustellen, und dann kommt alles wieder hoch, als ob es gestern gewesen wäre. Meine Geburten waren ähnlich schnell wie die von Marie. Also habe ich sehr viel aus meiner eigenen Erfahrung schöpfen können.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
Das könnte Sie auch interessieren