Darf und kann man als Journalist und Bürger heute noch alles sagen? "heute-journal"-Moderator Claus Kleber bezog nun Stellung zum Thema Meinungsfreiheit und übte Kritik an der Diskussionskultur.

Wie steht es um die Meinungsfreiheit in Deutschland? In Zeiten von Hasskommentaren im Internet, politischen Verleumdungen der freien Presse als "Lügenpresse" und Shitstorms bei kontroversen Aussagen ist dies eine heiß diskutierte Frage. Auch Claus Kleber bestätigte im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung", dass der Umgang hitziger als früher sei. "Insgesamt sind die Dialoge aggressiver und auch verletzender geworden", konstatierte der Journalist. Außerdem merkte er an: "Mich stört auch die Weinerlichkeit der Debatte, besonders bei denen, die selbst heftig austeilen. Und: Man darf nicht behaupten, dass die Meinungsfreiheit eingeschränkt sei, nur weil man keinen Widerspruch erträgt."

Die Meinungsfreiheit in Deutschland sei "vollkommen uneingeschränkt, zumindest erlebe ich das so", erklärte er weiter. Außerdem zog er einen Vergleich zu Journalisten in der Türkei: "Mit diesen Menschen sollte man sich vergleichen, bevor man sagt, meine Meinungsfreiheit wird eingeschränkt." In seiner Arbeit sehe sich Kleber nicht eingeschränkt, auch wenn er differenzierte: "Natürlich gibt es Journalisten, die sich selbst Einschränkungen auferlegen, das ist aber eher der Bequemlichkeit geschuldet: der Versuchung, Ärger zu vermeiden, statt sich auf Ärger einzulassen."

Gleichzeitig offenbarte der 64-Jährige, dass heutzutage "jedes einzelne Wort" entscheidend sei. "Die Bequemlichkeit, die sich früher vielleicht manchmal in unseren Reporteralltag eingeschlichen hat, ist verschwunden", versicherte Kleber.


Quelle: teleschau – der Mediendienst