Drei Entwicklungshelfer aus Europa machen in der Demokratischen Republik Kongo sehr unterschiedliche Erfahrungen innerhalb des Krisengebiets im Osten des Landes. Ein Dokumentarfilmer hat sie begleitet.

Goma im Osten der Demokratischen Republik Kongo hat schon einige Krisen erlebt. Die Großstadt wurde während des Bürgerkrieges und Völkermords im nahe angrenzenden Ruanda 1994 beispielsweise eines der Hauptziele für Flüchtlinge. Goma ertrug Cholera-Epidemien und Bürgerkrieg. Erst 2002 wurde die Stadt von einem Lavastrom zu großen Teilen zerstört. Manchmal wird sie auch als die "Hauptstadt der Vergewaltigungen" bezeichnet.

Im packenden Dokumentarfilm "Congo Calling", der nun im Rahmen von "Das kleine Fernsehspiel" im Zweiten zu sehen ist, erwähnt Anne-Laure diesen unrühmlichen Titel. Gerade als Frau sollte sie Goma doch schnellstens verlassen, oder? Doch die junge Belgierin will bleiben. Unbedingt! Wegen ihres Freundes Fred, und weil sie an Frieden, die Menschen und die Kraft eines Musikfestivals für den Zusammenhalt glaubt. Und Anne-Laure ist eine von drei Entwicklungshelfern aus Europa, die der Filmemacher Stephan Hilpert lange und sehr intensiv begleitet hat.

Unter ihnen ist auch der Deutsche Peter Merten. Gerade erst wurde er in den Ruhestand versetzt, nach 30 Jahren, in denen er vor allem in Afrika immer wieder als Entwicklungshelfer gearbeitet hat. "Ab 65 Jahren bekommt man keinen Anschlussvertrag", sagt er. Seine Aussichten sind trüb. "Jetzt muss ich nach Deutschland, weil ich hier kein Geld mehr kriege." Doch wie die Belgierin Anne-Laure will auch Merten das krisengeschüttelte Gebiet nicht verlassen.

In drei sehr persönlichen Geschichten hinterfragt Autor Hilpert mit seiner Dokumentation, die größtenteils mit deutschen Untertiteln unterlegt ist, die scheinbar eindeutig verteilten Abhängigkeitsverhältnisse zwischen den einheimischen Hilfsempfängern und den ausländischen Helfern. Vieles dreht sich nur um Gelder und eine kaum gerechte Verteilung. "Der Druck, der auf den Entwicklungshelfern lastet, verhindert ein gesundes Verhältnis zum Land und zu den Kongolesen", urteilt Anne-Laure. Zudem weckt die Wirksamkeit ausländischer Hilfsprojekte kaum bekannte Begehrlichkeiten. Die Ärmsten der Armen, darunter viele Kinder, stellen sich ihre Zukunft so vor: "Ich will, dass ihr uns ein Haus baut. Mit Wasser und Fahrrädern. Und viel zu essen. Und mit einem Sportplatz, einem Basketballplatz." Oder ein anderer Junge sagt: "Wir wollen einen Pool und alles, um wie die Weißen zu sein."


Quelle: teleschau – der Mediendienst