Verlässt Sascha Hehn als Kapitän Victor Burger auf seiner letzten Fahrt am 1. Januar ein sinkendes Schiff? Noch ist kein Nachfolger für ihn in Sicht. Aber zunächst geht es auf die womöglich schönste Insel der Welt.

Was ist bloß mit dem Traumschiff los? Der Kapitän verlässt den sinkenden Dampfer. Die Zuschauerschaft ist entzweit: "Wann bekommt das Ding den Gnadentorpedo?" fragen die einen ohne Rücksicht auf die doch sympathische Besatzung und deren Klientel. Noch winken sie lächelnd zur James-Last-Fanfare bei der Ouvertüre – Sascha Hehn, der Käpt'n, die Hoteldirektorin und der Schiffsarzt. Doch hinter den Kulissen brodelt es. Angeblich wurde mit Nachdruck nach einem Nachfolger für Sascha Hehn als Kapitän gesucht. Hehn verlässt das Traumschiff wie angekündigt nach der Japan-Folge am 1. Januar 2019. Fündig wurde man bislang nicht, obwohl alles in Frage kommt: Laut ZDF darf der oder die Neue männlich oder weiblich sein, alt oder jung. "Stirbt das Fernsehen, wie wir es lieben?" fragte schon mal besorgt die Boulevardzeitung "Bild".

Einer, der dem TV-Dinosaurier (81 Folgen seit 1981) unverdrossen die Stange hält, ist diesmal gar nicht dabei: Der von Harald Schmidt gespielte Schifferle sei im Urlaub, lässt Barbara Wussow wissen, dabei hatte sich eine unverhofft eingetroffene Controllerin der Reederei gerade auf ihn doch "ganz besonders gefreut". Jedenfalls wird auf diese Weise ein letzter Humorrest fortgespült. In der Ausgabe am 1. Januar wird Schmidt dann wieder an Bord sein.

Mancher gibt Sascha Hehn und seiner im Mai dieses Jahres geübten öffentlichen Kritik größtenteils Recht – hatte er doch behauptet, die Serie habe in den letzten zwei Jahren "ihren Charme verloren". Vielleicht sei der mit dem verstorbenen Produzenten Wolfgang Rademann ("In meinem Reich geht die Sonne nicht unter") fortgegangen. Er selbst, Hehn, habe versucht, in den letzten sechs Jahren das Projekt "innovativ weiter nach vorn zu bringen", aber es sei ihm nicht gelungen.

Die vorletzte Folge mit Sascha Hehn sieht stark nach Vertragserfüllung aus. Allenfalls routiniert werden die alten Muster von maroden oder neu entstehenden Paarbeziehungen, die Schicksale an Land und die Sightseeingtouren – diesmal Waikiki-Strand und Jurassic Park – durchgezogen. Christoph M. Ohrt zitiert als ehemaliger Juwelendieb emsig aus dem Fremdenführer, was es über Hawaii zu wissen gibt, und entdeckt, vom Saulus zum Paulus gewandelt, den Halsketten-Versicherungsbetrug einer reichen Witwe. Die einstige "Jungfrau von Bamberg", Gila von Weitershausen, spielt selbstironisch das "wandelnde Klischee einer Kreuzfahrtwitwe". Als gewagtes Moment wurde der Erpressungsversuch eines Schiffskochs mittels angedrohtem Gift im Essen eingebaut. Dem bald Ertappten wird allerdings vom Kapitän generös verziehen. Feuerwerk und Tortenmarsch.

Es ist ja nicht so, dass das "Traumschiff" ausschließlich an seinen schlichten Episodensträngen leidet. Zu Zeiten, da die Kreuzfahrt-Hochhäuser durch Venedig fahren und die große Urlaubswelt auch für den gemeinen Mann zu erstehen ist, hat es eine Fernweh-Serie wie das "Traumschiff" zunehmend schwer. Selbst im Fernsehen hat ja die so genannte Reality den Träumen inzwischen den Rang abgelaufen. Die Amateure haben den Traumreise-Part übernommen. Die Konsequenz: Bei den Erstausstrahlungen zum letzten Jahreswechsel schalteten nur noch 5,4 und 6,7 Millionen Zuschauer ein.

Wie gewohnt folgt im Anschluss um 21.45 Uhr eine neue Folge der zweiten ZDF-Fernwehreihe "Kreuzfahrt ins Glück". Auch hier sind Sascha Hehn, Barbara Wussow und Nick Wilder als Schiffssarzt Dr. Sander mit an Bord. Im Mittelpunkt steht jedoch der Hochzeitsplaner Tom Cramer (Jan Hartmann).


Quelle: teleschau – der Mediendienst