Ein echtes Weihnachts-Highlight: Die anfangs eher unscheinbare Freitagskomödie der ARD ist brillant geschrieben, richtig gut gespielt – und wunderbar warmherzig.

Die 38-jährige Pauline (Anne Schäfer, "Der Barcelona-Krimi") steht mit der Zweisamkeit auf Kriegsfuß. Der langjährigen Single-Frau und Mitarbeiterin des Frankfurter Ordnungsamts ist es peinlich, ihrer drängelnden Familie jedes Jahr an Weihnachten zu sagen: Nein, ich habe immer noch keinen Freund! Als sie an einem Laternenmast den Wunschzettel des siebenjährigen Leo (Leander Menzel) findet, der sich nach dem Tod der Mutter und einem Leben in Armut endlich wieder ein richtiges Weihnachtsfest wünscht, wendet sich die verkappte Romantikerin an Leos Vater Daniel (Sebastian Ströbel) – um ihn samt seiner beiden Kinder als ihre neue Liebe vorzustellen. Die anfangs unscheinbare ARD-Komödie "Der Wunschzettel" wird nach etwa 15 Minuten zu einem brillant geschrieben, richtig gut gespielten und dazu wunderbar warmherzigen Weihnachts-Highlight.

Den Turnaround zum Besonderen schafft der von Martina Mouchot (Grimmepreis 2009 für den Aelrun-Goette-Film "Keine Angst") zu Papier gebrachte Film in jenem Moment, als Pauline, Daniel und dessen Kinder – die zwölfjährige Lotte wird von Mathilda Smidt gespielt – im Elternhaus der schwer Vermittelbaren auftauchen, um Heiligabend zu feiern. Mutter Wanda (Lena Stolze) und Vater Birger (Hans-Uwe Bauer) zeigen sich ihrer Ältesten gegenüber als liebevoll, aber auch leicht übergriffige Eltern. Paulines ebenfalls kinderloser Juristen-Bruder Benjamin (Patrick Güldenberg) ist mit der zynischen Richterin Bettina (Annika Kuhl) verheiratet, während Öko-Schwester Caro (Jasmin Schwiers) zwei Kinder von zwei unterschiedlichen, längst abgelegten Vätern hat und nun mit dem sympathischen Isländer Jon (Helgi Schmid) zusammenlebt.

Jeder aus diesem klug gebauten Ensemble hat seine Wünsche und Ängste zum gemeinsamen Weihnachtsabend mitgebracht. Und es ist ein großes Wunder, dass diese so vorhersehbar wirkende Geschichte alles ist – nur eben nicht vorhersehbar.

Die ARD-Degeto-Komödie unter der Regie von Marc Rensing ("Parkour") zeigt einmal mehr: Ein gutes Drehbuch ist der Schlüssel zum Erfolg. Wie dieser Familienfilm ganz unspektakulär von einem abgegriffenen Plot zu großer Erzählkunst gelangt, wie er binnen von nur 90 Minuten acht erwachsene Charaktere und dazu noch ein paar Kinder so gut porträtiert, dass man dem Ensemble am liebsten in Form einer Serie oder Reihe folgen würde – das ist einfach gut. Solange noch Weihnachtsfilme wie dieser entstehen, ist weder der "leichte deutsche Fernsehfilm" noch das Fest der Liebe verloren.

"Ich mag Figuren, die permanent scheitern", sagt Hauptdarstellerin Anne Schäfer – und meint damit auch ihre Rolle in "Der Wunschzettel". Lesen Sie hier das komplette Interview.


Quelle: teleschau – der Mediendienst