Seit Weihnachten 2011 schrubbt er im NDR-Fernsehen: Der "Tatortreiniger" mit Bjarne Ingmar Mädel in der Titelrolle. 27 halbstündige Episoden des Außenstehenden schwer zu erklärenden Formats zwischen schwarzer Comedy und ironischem Alltags-Philosophiekurs sind seitdem zusammengekommen. Am Dienstag, 18.12., und Mittwoch , 19.12., jeweils 22 Uhr, bekommt Reinigungsfachkraft Schotty (Mädel) wieder zu tun.

In vier neuen Folgen lernt der bodenständige Norddeutsche alles über den Wert von Kunst ("Currywurst"), Filzgleiter ("Rebellen") und den Umgang mit Patienten im Wachkoma ("Der Kopf"). Dazu schlittert Schotty in eine Krise, weil ihn plötzlich niemand mehr erkennt (Einunddreißig"). Doch was ist das Geheimnis des kleinen, vielfach preisgekrönten "Tatortreinigers"?

Nein, nicht jede Folge des "Tatortreinigers" ist ein Juwel. So geriet Stammautorin Mizzi Meyer und Dauer-Regisseur Arne Feldhusen ("Stromberg") die an sich kreative Idee, dass Schotty in "Der Kopf" plötzlich im überdimensionalen Gehirn eines Wachkoma-Patienten (Thomas Niehaus) lebt – und dort sogar ein Elfmeter-Tor gegen den Tod verwandelt – ein wenig zu übersinnlich. Dafür gelangen dann wieder Folgen wie "Currywurst", in der es ein tragisches Blutbad inmitten der edlen Kunstgalerie Ravenbach zu beseitigen gilt. Im Dialog mit der Inhaberin (Pia Hierzegger) lernt nicht nur Schotty alles über das Geschäft mit zeitgenössischer Kunst, sondern es wird auch – auf höchstem (Unterhaltungs)niveau – über Sinn und Zweck von Kunst überhaupt diskutiert. Eine brillante Folge!

In jeder Staffel – Jahr für Jahr gab es bislang zwischen drei und sechs neue Episoden um Weihnachten herum – schafft "Der Tatortreiniger" ein paar jener besonderen Momente, die man dem deutschen Fernsehen immer noch nicht so recht zutraut. Dann trifft ein hochintelligentes und dabei sprühend witziges Drehbuch auf erstklassige Darsteller, die ihr Mitwirken beim "Tatortreiniger" mittlerweile blindlings zusagen.

Den 50-jährigen Hamburger Bjarne Mädel ("25 km/h"), der noch viel mehr als Komödie kann, machte das Regionalformat neben seiner Rolle als dröger Dorfpolizist in "Mord mit Aussicht" zum Star. Neben einem Dutzend anderer Auszeichnungen (unter anderem drei "Deutsche Comedypreise") schaffte es der "Tatortreiniger", in zwei aufeinander folgenden Jahren, 2012 und 2013, den renommierten Grimme-Preis abzuräumen. Im ersten Jahr für die Serie an sich, im zweiten für die Folge "Schottys Kampf", in der der Titelheld bei den Nazis putzen muss.

Welche Folgen "Der Tatortreiniger" man am besten findet, ist Geschmackssache. Im Internet kann man allerhand Kommentare und Listen zu dieser Frage finden, so wie bei jeder populären Serie. Erst recht zu jenen, die kunstvoll in abgeschlossenen Episoden erzählt werden. Mittlerweile ist "Der Tatortreiniger" für den NDR ein echtes Prestigeobjekt geworden. Man verkaufte die kleinen TV-Kunstwerke mit Bjarne Mädel an zahlreiche Streamingdienste, Pay-TV-Stationen und als DVD. Sogar das Ausland biss an. In den USA lief "Der Tatortreiniger" beim Pay TV-Sender MhZ Networks als Original mit englischen Untertiteln. Der Sender erwarb gar die amerikanischen DVD-Rechte.

Bei derlei Erfolgen mutet es kurios an, dass der NDR 2011 die ersten Episoden der Serie ohne jegliche Vorab-Ankündigung im Nachtprogramm versteckte. Was jedoch durchaus Rückschlüsse darüber zulässt, wie laut der Amtsschimmel beim Öffentlich-Rechtlichen damals noch wieherte, wenn es um modernes Fernsehen und "Qualitätsserien" ging – von denen man wohl schon mal gehört hatte.


Quelle: teleschau – der Mediendienst