Eine starke Frau, eine gute Idee und der Wille, in einer Zeit, in der Emanzipation noch ein Fremdwort war, unbeirrt den eigenen Weg zu gehen: Der zweiteilige ARD-Mittwochsabendspielfilm "Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau" zeichnet den Aufstieg und den Kampf um Selbstbehauptung einer der beeindruckendsten Verlegerpersönlichkeiten der noch jungen Republik nach.

Mit ihrer "Burda Moden"-Frauenzeitschrift und den später auch in fernen Ländern wie Russland stark nachgefragten Schnittmusterbögen zum Nachschneidern toller Kleider legte die Burda, im Film gespielt von Katharina Wackernagel, den Grundstein für den späteren Welterfolg des Burda-Medienkonzerns. "Aenne Burda – Die Wirtschaftswunderfrau" (Teil zwei am Mittwoch, 12. Dezember, 20.15 Uhr) folgt ihrem steinigen Weg – mit Charme und Modernität, wenn auch oft ein wenig nah am süßlichen Kitsch.

Es muss ein traumatisches Erlebnis für die "reichste Frau von Offenburg", die Verlegergattin Anne Burda, gewesen sein: Als sie 1949 im wirtschaftlich langsam wieder florierenden Südwesten Nachkriegsdeutschlands ihrem geschäftlich wie privat umtriebigen Gatten, dem Druckereiunternehmer Franz Burda (Fritz Karl), mit ihrem eleganten Käfer-Cabrio spontan hinterherfuhr, um ihm seine in der gutbürgerlichen Familienvilla vergessene Brieftasche hinterherzufahren, deckt sie ein Geheimnis auf. Sie sieht ihn unerwartet am Fenster eines Neubaus – in den Armen einer blonden jungen Frau. Und aus dem Hintergrund begrüßt ihn freudig ein Kind mit "Papa"-Rufen.

Was in der Kleinstadt angeblich schon (fast) alle wussten, wird für Aenne zur schockierenden Gewissheit: Ihr Ehemann, dem sie drei Söhne gebar – darunter den heutigen Burda-Verlagspatriarchen Hubert Burda – führt ein Doppelleben. Und er hat sie gleich in mehrfacher Hinsicht betrogen.

Evelyn Holler (Cornelia Gröschel), Franz Burdas frühere Sekretärin, ist für Anne gleich in zweifacher Hinsicht eine Rivalin: Sie hat mit ihrem Gatten nicht nur heimlich das Bett geteilt, sie durfte mit seiner Erlaubnis auch ein Herzensprojekt verfolgen, von dem die rechtmäßige Ehefrau lange vergeblich geträumt hatte. Holler führt heimlich einen eigenen Klein-Verlag und bringt dort – mit sehr überschaubarem Anklang – eine Modezeitschrift heraus. Dabei hat sie allem Anschein nach fast eins zu eins die Ideen kopiert, die Anne Burda ihrem Mann eigentlich immer nahegelegt hatte. "Mir fehlen daheim die schönen Dinge des Lebens", klagt die Verlegergattin, wenn sie auf Offenburger Frauen blickt, die sich wenige Jahre nach dem Krieg immer noch in graue, unförmige Militärmäntel aus Wehrmachtsbeständen kleiden müssen. Sie selbst zieht es immer wieder ins mondäne Paris – und in die Welt der feinen Haute Couture.

Kurzerhand ringt sich Anne, die ihren Lebenswandel auch selbstbewusst durch den ihren selbstgewählten neuen Vornamen "Aenne" sichtbar machen möchte, zu einer perfiden Bestrafungsaktion – und der Erfüllung ihrer Wünsche – durch: "Ich ändere, was ich ändern kann – mich", sagt sie. Und dann übernimmt sie selbst das Regiment bei dem Modemagazin und möchte es mit neuem Konzept, Esprit und auch für einfache Hausfrauen leicht nachzuschneidernden Mode-Empfehlungen erfolgreich machen. Doch der Weg zur eigenständigen Verlagsunternehmerin – und das damit einhergehende Vernachlässigen ihrer Familienpflichten – ist ein schwerer. Und bis zuletzt legt ihr der Ehemann Franz Steine in den Weg. "Ich muss selbstständig werden", sagt sich Aenne trotzig. "Ich will keine Almosen." Ihren Willen zieht sie durch.

Katharina Wackernagel, bekannt aus den erfolgreichen ZDF-"Stralsund"-Krimis, hat das Wagnis auf sich genommen, in die Schuhe und eleganten Kostüme einer realen Unternehmerpersönlichkeit zu schlüpfen. Und dafür hat sie sich sogar den "Segen" von Aenne Burdas jüngstem Sohn, dem erfolgreichen Burda-Verleger Hubert, geholt. Das zweiteilige Bio-Pic folgt der Dramaturgie des realen Geschehens und erinnert von fern an die Kostümfilm-Aufsteigerinnengeschichte von Margarete Steiff, der Erfinderin des weltberühmten Teddybärs, der ebenfalls einst vom SWR produziert wurde.

Regisseurin Franziska Meletzky setzt dabei in seinen erzählerischen und filmtechnischen Mitteln sehr konventionell ein Drehbuch von Regine Bielefeldt um. Beeindruckend aus heutiger Sicht ist der Kampf um Selbstbehauptung in einer bedrückend Männer-dominierten Nachkriegsgesellschaft. Nicht immer überzeugend ist dagegen die latent süßlich-betuliche Erzählhaltung, die doch gelegentlich sehr distanzlos am Idealbild einer "starken Frau" klebt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst