Weihnachten ohne Ebenezer Scrooge ist wie Disney ohne Tricktechnik: Die Neuverfilmung von Charles Dickens' Klassiker "Eine Weihnachtsgeschichte" läuft nun erneut bei SAT.1.

Irgendwann muss ihn der Weihnachtsmann ignoriert haben. Oder es lag das falsche Geschenk unter dem Baum. Vielleicht war es auch einfach zu viel Glühwein. Irgendwie muss sich schließlich erklären lassen, warum Jim Carrey Weihnachten hasst. Einen anderen Schluss lässt seine Rollenwahl kaum zu: Nachdem er bereits 2000 als "Grinch" versuchte, das Weihnachtsfest zu stehlen, schlüpfte der Amerikaner 2009 in die Rolle des Feiertagsmuffels schlechthin: Ebenezer Scrooge. Mit der zauberhaften Trickfilm-Fabel "Disney's Eine Weihnachtsgeschichte", die SAT.1 nun erneut zeigt, hauchte Regisseur Robert Zemeckis dem Griesgram von Charles Dickens neues Leben ein.

In vielen Menschen steckt ein wenig Ebenezer Scrooge: in Bill Murray, beispielsweise. Oder in Albert Finney. Oder Patrick Stewart. Rund 50-mal wurde die weihnachtliche Läuterung des geizigen Menschenfeindes bereits verfilmt. Für Disney ist Dickens' Klassiker ebenfalls alles andere als Neuland. Auf "Mickys Weihnachtserzählung" (1983) folgte 1992 die großartige "Muppets Weihnachtsgeschichte", in der sowohl Michael Caine als auch Kermit der Frosch glänzten.

Detailreich-animierte Welt

Und auch beim dritten Anlauf greift Disney in die Trickkiste: Wenn Gary Oldman als Geist von Jacob Marley seinem ehemaligen Geschäftspartner Scrooge erscheint, schleift er nicht nur Ketten hinter sich her, sondern auch jede Menge Animationsexperten. Nach "Der Polarexpress" und "Die Legende von Beowulf" setzte der Oscargewinner Robert Zemeckis einmal mehr auf Motion-Capture-Technologie, die die Bewegungen seiner hochkarätigen Darsteller in eine detailreich-animierte Welt überträgt.

Problemlos kann Carrey so in sieben verschiedene Rollen schlüpfen, ohne den Großteil der Drehzeit in der Maske verbringen zu müssen. Nicht immer ist das Gummigesicht sofort hinter den Figuren identifizierbar – manchmal sind es lediglich die Augen, die den Schauspieler hinter Bits und Bytes erkennen lassen. Colin Firth, Bob Hoskins und Robin Wright sind hingegen leichter auszumachen.

Man mag Zemeckis' Faszination für Technik als Marotte ansehen. Fest steht jedoch, dass er und seine Animatoren immer besser werden: Während die Bewegungen der Figuren in einem Moment steif und wie einem Computerspiel entnommen wirken, ist man im nächsten Augenblick verblüfft, wie weit sich der Realität angenähert wird. Die Möglichkeiten, die ihm dadurch eröffnet werden, weiß der Oscarpreisträger gekonnt auszuschöpfen. Eng an der klassischen Vorlage orientiert, inszeniert er Scrooges Läuterung durch die drei Geister der vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Weihnacht als wilde Jagd durch das viktorianische London, die keine Längen kennt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst