Vor 40 Jahren starben durch eine Bombe auf dem Oktoberfest in München 13 Menschen. Später entpuppte sich die Tat als rechter Terroranschlag. Nun wurde das Verfahren zu den Akten gelegt. Wird weiter vertuscht?

Am 26. September 1980 starben am Haupteingang des Oktoberfests in München durch die Explosion einer selbstgebauten Bombe 13 Menschen, darunter der Attentäter. 213 Personen wurden verletzt, 68 davon schwer. 40 Jahre nach der Tat, die sich später als rechter Terroranschlag entpuppte, beschreibt Investigativ-Journalist und Filmemacher Daniel Harrich, was seit den späten Aufdeckungen, zu denen er maßgeblich beitrug, aus dem Fall geworden ist.

2014 führte Harrichs Spielfilm "Der blinde Fleck" einem großen Publikum vor, wie die Ermittlungsbehörden 1980 bei der Aufklärung versagt hatten. Für seine neue Doku, der um 22.45 Uhr auf die Wiederholung des seinerzeit viel Furore machenden Fernsehfilms "Der blinde Fleck" mit Benno Fürmann, Nicolette Krebitz, Heiner Lauterbach und anderen Stars folgt, kann Harrich auch auf die Mitarbeit des Journalisten Ulrich Chaussy zählen. Es ist jene Figur, die Benno Fürmann im Spielfilm verkörperte. Chaussy war jener Journalist, der die Vertuschungen rund um den bis dahin schwersten Terroranschlag in der Geschichte der Bundesrepublik maßgeblich voranbrachte.

Gemäß eines Entscheids der Bundesanwaltschaft vom Juli 2020 stellte die Sonderkommission "26. September 1980" ihre Ermittlungen ein. Zwar kam man unter anderem zu dem Schluss, dass die Tat des mutmaßlichen Einzeltäters Gundolf Köhler rechtsextremistisch motiviert war, jedoch konnten keine weiteren Mittäter ermittelt werden. Die SoKo konnte auch nicht die Frage klären, welche Rolle der Verfassungsschutz damals gespielt hatte – ob er die Spur "nach rechts" aktiv vertuscht hatte.

In ihrer neuen BR-Dokumentation untersuchen Harrich und Chaussy auch, welche Spuren vom Münchener Oktoberfest-Anschlag zur Ermordung des Verlegers, Rabbiners und ehemaligen Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg, Shlomo Lewin, und dessen Lebensgefährtin Frida Poeschke führten. Das Verbrechen geschah wenige Wochen nach dem Münchner Anschlag. Die Verantwortung für die Tat wurde, wie in München und sehr viel später bei den NSU-Verbrechen, toten "Einzeltätern" angelastet.

Der mutmaßliche Mordschütze im Fall Lewin und Poeschke soll der engste Gefolgsmann von Wehrsportgruppen-Chef Karl-Heinz Hoffmann gewesen sein. Doch die Spur "nach rechts" wurde zunächst ignoriert und der Tathintergrund im unpolitischen privaten Umfeld der Opfer gesucht.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH