Free-TV-Premiere in der ARD

"Back for Good": Verloren in den Fesseln der Medien

von Claudia Nitsche

Ein TV-Sternchen quartiert sich bei seiner Mutter ein, bis es endlich ins "Dschungelcamp" ziehen darf. Gleich zwei tolle Frauen kann man in dieser überraschenden Free-TV-Premiere entdecken, die sensibel über die Medien und das Leben erzählt.

ARD
Back for Good
Komödie • 23.09.2020 • 00:40 Uhr

Einen Titel wie "Back for Good" für einen Film zu wählen, wirkt schon beinahe fahrlässig. Dem Gros der Fernseh-Zuschauer wird sofort Take That einfallen, denn die britische Boyband hatte mit diesen drei Worten einen ihrer großen Hits – und trotz des Lobes blieb der gleichnamige Film für viele unter dem Radar. Doch selbst wenn einem die Melodie der Schmachtballade zunächst noch im Kopf umherschwebt, steht dieser Film für sich – mit einer überragenden Regisseurin und Hauptdarstellerin sowie einem immer noch akutellen Thema. Nun ist die Tragikomödie als Free-TV-Premiere im Ersten zu sehen.

Und es stimmt alles, auch wenn das zu Anfang alles andere als absehbar ist in diesem sensationell unkonventionellen Film von Mia Spengler. Die Regisseurin fand für ihr damaliges Kino-Debüt mit Kim Riedle die perfekte Hauptdarstellerin, eine, die trotz künstlicher Fingernägel beherzt mit anpackt, um den Film zu schultern. Leicht hat es ihre Angie nicht. Denn nach dem inszenierten Drogenentzug muss das blondierte TV-Sternchen zurück zur gestrengen Mutter (Juliane Köhler), weil sich niemand findet, der ihr kurzfristig eine Couch anbietet, bis sie ins Dschungelcamp darf.

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Zu diesem Zeitpunkt wähnt die im Stile einer Katzenberger ausgestattete Wasserstoffblondine ihre Karriere noch am Gedeihen. Im Grunde trifft es sich ganz gut, mal wieder zu Hause bei der kleinen Schwester (Leonie Wesselow) zu sein, für die es wichtig gewesen wäre, dass Angie ihre Freundschaftsanfrage auf Facebook nicht abgelehnt hätte. Doch das war der Manager, derselbe, der gerade seine Frau geschwängert hat, statt sie für Angie zu verlassen.

Zu Hause auf dem Dorf ist die Welt ohnehin nicht glamourös, das merkt man spätestens, wenn man Angie in der Badewanne stehend zum Fenster hinausrauchen sieht. Um ihre Schwester Kiki kümmert sie sich rührend ungeschickt. Sie möchte dem Teenager beistehen, sich gegen die Gluckenmama zu wehren, auch wenn Kiki leichte Epilepsieschübe hat und daher etwas aufpassen muss. Doch der Schutzhelm hilft ihr weniger, als dass er sie als Außenseiterin brandmarkt.

Immer wieder wechselt Angie Schauplatz und Rolle: Da die Familie, dort ein Laufsteg und ein verzweifeltes Telefonat, um sich anzubiedern. D-Promi Angie ist ein Oberflächengemälde, doch Kim Riedle erweckt diese Frau zum Leben, indem jedes Gefühl in ihrem Gesicht zu lesen ist. Ein Gesicht, das nie zur Fratze einer Dramaqueen wird, sondern so beeindruckend minimalistisch mimt, dass es eine wahre Freude ist.

Spenglers Thema sind die Medien, die sowohl bei der älteren als auch bei der jüngeren Schwester über Wohl und Wehe, über Erfolg und Scheitern bestimmen. Wie verloren sich ein Mensch in diesen Fesseln fühlt, zeigt dieser Film, ohne je den Boden der Realität unter den Füßen zu verlieren. Dafür werden viele kleine Momente gebastelt, die man selbst entdecken darf und damit das Gefühl bekommt, Angie und ihre Mutter besser kennenzulernen. Vielleicht sogar besser als gewollt.

"Back for Good" lief als Eröffnungsfilm der Perspektive Deutsches Kino bei der Berlinale 2017 und schaut unter die Oberfläche, ohne plakativ zu sein. Kim Riedle hatte an dieser Stelle bereits ihr Meisterwerk geschaffen, zuletzt war sie an der Seite von Heino Ferch im Fernsehfilm "Liebe verjährt nicht" zu sehen.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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