"Wann hat man schon die Chance, sich in diese Richtung auszuprobieren?", fragt sich Eugen Bauder. Vielleicht hat er gerade deswegen die Rolle eines Strippers in der SAT.1-Komödie "Unsere Jungs" (Dienstag, 23. Oktober, 20.15 Uhr) angenommen.

Der 32-Jährige hat für die Rolle hart an seinem Körper gearbeitet, viermal in der Woche Tanztraining genommen und Choreografien einstudiert. Sich vor der Kamera auszuziehen, damit hat er allerdings kein Problem, wie er bereits im Kinofilm "Einsamkeit, Sex und Mitleid" bewies. Unterstützung bei seinen Projekten bekommt er von seiner Freundin Luise Befort, die ebenfalls Schauspielerin ist und durch den VOX-Serienhit "Club der roten Bänder" bekannt wurde. Im Interview verrät Eugen Bauder, warum auch Absagen einen weiterbringen und warum Netflix und Co. ein guter Gegenpol zum deutschen Fernsehen sind.

prisma: Mit wem werden Sie "Unsere Jungs" anschauen?

Eugen Bauder: Das Team schaut sich den Film gemeinsam an, und auch meine Freunde und Familie werden dabei sein. Jetzt bin ich noch nicht aufgeregt, aber das wird sich kurz vorher noch ändern. Gerade, wenn die engsten Vertrauten dabei sind, die einem immer ehrlich sagen, was sie von einem Film halten.

prisma: Haben Sie denn Angst vor dem Urteil, weil Sie einen Stripper spielen?

Bauder: Meine Mutter hat bereits "Einsamkeit, Sex und Mitleid" gesehen, wo ich komplett nackt zu sehen bin und einige harte Sex-Szenen spiele. Sie ist dabei zwar im Stuhl versunken, aber am Ende war es halb so wild. Deshalb habe ich keine Angst, dass meine Rolle als Stripper ein Problem ist. (lacht)

prisma: Das Ausziehen war für Sie gar kein Thema?

Bauder: Nein. Aber es hat auch Sinn gemacht. Man muss immer genau abwägen, ob es zu einer Rolle und in eine Szene passt, dass man sich entblößt. Wenn man sofort alles offenlegt und keine Reize zurückhält, wird man schnell langweilig. Ich finde es oft sogar spannender, wenn Menschen angezogen sind. Ausziehen kann sich jeder, angezogen interessant sein, das kann nicht jeder.

prisma: Ihre Rolle bestand aber nicht nur aus dem Strippen?

Bauder: Stimmt. Jonas zeigt sehr viele Facetten. Ich habe die Rolle so angelegt, dass er ein großes Verlangen nach Nähe und Familie hat. Jonas ist komplett verloren und weiß nicht, wo er hingehört. Der Charakter birgt auch eine Verletzlichkeit, aber er überspielt das natürlich mit seinem Auftreten. Letztendlich findet er seine Berufung in seinem Sohn. Ich finde es sehr gelungen, dass die Oberflächlichkeit des Tanzens in Kontrast zu den tiefen Gefühlen und der komplexen Figur steht.

prisma: War die Rolle körperlich eine Herausforderung?

Bauder: Ich habe viel an meinem Körper gearbeitet und hatte viermal die Woche Tanztraining. Wir stellen uns nicht einfach hin und ziehen uns aus, sondern wir haben komplizierte Choreografien einstudiert. Es hat großen Spaß gemacht, und ich freue mich, dass ich das lernen durfte. Wann hat man schon die Chance, sich in diese Richtung auszuprobieren?

prisma: Könnten Sie sich vorstellen, in echt zu strippen?

Bauder: Nein, auf keinen Fall. Wenn ich mit meinen Kumpels feiern gehe, sagt schon mal einer: "Zeig mal, was du drauf hast!" Aber ich würde im Boden versinken. Vor der Kamera kann ich jemand anders sein. Abseits des Sets überlasse ich das Strippen lieber den Profis.

prisma: Hat der Job als Stripper zu Unrecht einen fragwürdigen Ruf?

Bauder: Die meisten Leute haben von einem Stripper nur im Kopf, dass er sich auszieht. Was er wirklich macht, davon hat der Großteil keine Ahnung. So ging es mir vor dem Dreh auch, und dann habe ich mal eine Show von den Sixx Paxx besucht. Ich wollte sehen, wer sich das anschaut, was die Jungs auf der Bühne genau machen, wie sie ihr Publikum unterhalten, und wie sie sich bewegen. Das ist ein kräftezehrender und anstrengender Job!

prisma: Die Filmbranche hat oft den Ruf, oberflächlich zu sein. Wurden Sie schon mal nur wegen Ihres Aussehens engagiert?

Bauder: Das ist ganz unterschiedlich. Meistens wird bei einem Casting einfach ein bestimmter Typ gesucht. Da kann es auch Türen schließen, wenn man gut aussieht. (lacht) Jeder Regisseur hat eine Idee von einer Rolle, und zu der musst du einfach passen. Da ist gutes oder schlechtes Aussehen eher relativ.

prisma: Wie ermüdend sind Castings und Absagen?

Bauder: Manchmal ist man enttäuscht, wenn man die Rolle unbedingt spielen wollte, sie aber nicht kriegt. Aber aus den Dingen, die einen zu Fall bringen, lernt man am meisten. Das zu verstehen, ist essenziell für einen Schauspieler, denn Absagen gehören zum Beruf dazu. Das Durchhaltevermögen wird extrem strapaziert. Erst wenn man nach einem Fall aufsteht, versucht daraus zu lernen und sich weiterzuentwickeln, dann wird man besser. Wer es verurteilt, dass man mal scheitert, der ist falsch in der Branche.

prisma: Gibt es bei Ihrer Komödie einen tieferen Sinn?

Bauder: Es ist ein Unterhaltungsfilm, aber die Komödie birgt auch eine Message: Familie und Freunde sind das wichtigste im Leben. "Unsere Jungs" soll unterhalten und die Leute zum Lachen bringen, aber es war mir wichtig, dass wir eben auch eine Botschaft vermitteln. Der Kern ist tief, und den darf man nicht unterschätzen.

prisma: Sollten die privaten Sender noch mehr Filme selbst produzieren?

Bauder: Ja. Das wäre großartig, nicht nur, weil es dann mehr Rollen gäbe. Sie müssen ja irgendwie mithalten mit Netflix, Amazon und Co. Aber wie man so schön sagt: Konkurrenz belebt das Geschäft. Es ist nur wünschenswert, dass sich die Sender mehr Mühe geben und noch mehr Filme produzieren.

prisma: Ihre Freundin, Luise Befort, ist ebenfalls Schauspielerin. Geben Sie sich gegenseitig Tipps?

Bauder: Ja. Wir sprechen viel über Rollen und Techniken. Wir helfen uns auch bei Vorbereitungen auf den Dreh oder ein Casting. Bei uns herrscht ein reger Austausch, und das schätze ich sehr. Wenn man die Branche kennt, dann hat man automatisch viel Verständnis für den Partner, die Arbeitszeiten betreffend oder in schwierigen Phasen.

prisma: Als Model durften sie bereits in LA arbeiten. Wäre Hollywood als Schauspieler ebenfalls Ihr Traum?

Bauder: Für mich ist es nicht wichtig, wie groß oder klein eine Produktion ist. Ich mag es, zu spielen und ein gutes Endprodukt abzuliefern. Ich mache mir keinen Druck, was die Zukunft angeht. Wenn die große Chance kommt, dann sage ich sicher nicht nein, aber ich zerbreche mir jetzt auch nicht den Kopf, wie ich nach Hollywood gelangen könnte. Verbissenheit hilft nicht weiter.

prisma: Vom Modeln sind Sie es gewohnt, sich auf Plakaten zu sehen. Ist das überhaupt noch etwas Besonderes für Sie?

Bauder: Ich model ja schon seit Jahren nicht mehr und konzentriere mich auf die Schauspielerei. Aber es fühlt sich nicht mehr komisch an, wenn ich mich auf einem Plakat oder in einer Zeitschrift entdecke. Früher war das befremdlich, inzwischen ist es Normalität. Aber ich freue mich nach wie vor. Weniger, dass da jetzt mein Gesicht hängt, sondern, dass für den Film geworben wird. Das passiert viel zu wenig bei deutschen Produktionen.

prisma: Können Sie schon etwas über Ihr nächstes Projekt verraten?

Bauder: Ich drehe gerade zwei Webserien gleichzeitig, und bei "Beck is back!" bin ich in der nächsten Staffel auch zu sehen. Alles andere ist noch nicht spruchreif.


Quelle: teleschau – der Mediendienst