Für ihre Sendung zum Thema "Rechtsextremismus und Zivilcourage" wagte sich Dunja Hayali auf ein Neonazi-Festival. In der Diskussion im Anschluss kamen die Gäste zu erschreckenden Einschätzungen über die rechte Szene.

Rechtsextremismus ist ein Thema, mit dem sich Dunja Hayali seit Jahren beschäftigt. Vor wenigen Wochen aber erreicht ihre Wut darüber einen vorläufigen Höhepunkt: "Ich habe keinen Bock mehr", ließ die 45-Jährige auf ihrer Facebook-Seite wissen – insbesondere auf die rechten Tendenzen, die ihr zufolge unsere Demokratie bedrohen. Aber was können wir tun? Nach dem mutmaßlich rechtsradikal motivierten Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke thematisierte die Moderatorin nun das Thema "Rechtsextremismus und Zivilcourage" auch in ihrer ZDF-Sendung "dunja hayali".

Abermals begab sich die couragierte Journalistin dafür in die Gefahrenzone: Beim Rechtsrock-Festival im thüringischen Themar zeigte Hayali am Wochenende Präsenz, befragte neben Polizisten und Gegendemonstranten auch Teilnehmer. Etwa eine Frau, die, auf den Holocaust angesprochen, antwortete: "Waren Sie dabei, bei den Morden?". Weiter hieß es: "Das darf ich nicht bestreiten, weil das strafbar ist."

Die großen Fragen der Sendung: Was haben die Behörden überhaupt aus den NSU-Morden gelernt? Und: Inwiefern sollte jeder Einzelne helfen und einschreiten?

Diskutiert wurde ebenso deutlich wie informativ: BKA-Präsident Holger Münch erklärte Konzerte wie in Themar: "Solche Veranstaltungen dienen der Vernetzung, der Solidarisierung, der Stabilisierung der Szene." Die Polizei setze die Verbote durch, dabei würden auch kleine Ansätze wie das Alkoholverbot helfen. Doch der Behördenchef beschönigt die Situation nicht, warnt vor allem vor der größeren Akzeptanz rechter Parolen: "Was wir im Internet an Hetze erleben, muss uns Angst machen."

Deutlich wurde mit Blick auch Neonazi-Aussteiger und Anti-Gewaltcoach Philip Schlaffer: "Die Stimmung ist heute noch einen Tick intensiver als in den 1990er-Jahren, weil es inzwischen so eine breite Zustimmung gibt." Für ihn ist die AfD mitentscheidend für diese Entwicklung: "Ich glaube, der harte Kern der Neonazis erträumt sich, dass es eine immer größere Radikalisierung gibt, wenn immer mehr Menschen zu dieser Partei gezogen werden!". Für manche sei das ein "feuchter Traum".

Auch Mehmet Daimagüler, ein Anwalt von Familien der NSU-Opfer, warnte vor ansteigendem Rechtsextremismus. Regelmäßig gäbe es neben Übergriffen auch Opfer rechter Drohmails – und: "Der Staat lässt sie im Regen stehen!". Er selbst bekomme Morddrohungen und erhalte "Gewaltfantasien, in denen bis ins Detail geschildert wird, wie wir umgebracht werden sollen: 'An Klaviersaiten werden wir dich aufhängen!'". Der Fall Lübcke habe klar gemacht: "Es gibt keinen polizeilichen Schutz". Daimagüler prangerte "Überforderung und Desinteresse" bei der Polizei an und warnte: "Der NSU war kein Trio. Sie waren Teil eines größeren Netzwerks. Und diese Netzwerke existieren auch heute noch."

Zu Gast war auch Schauspielerin Esther Schweins, die zum Thema Zivilcourage sprach. Die 49-Jährige wurde selbst zur Helferin, als sie im Februar auf Mallorca einen Mann vor dem Ertrinken rettete. Gerade angesichts der aktuellen Debatten um die Seenotrettung Geflüchteter eine polarisierende Debatte. Wie bringt man den Mut auf, unter Gefahr für die eigene Unversehrtheit zu helfen? Warum blieben – im Falle Esther Schweins – alle anderen sitzen? Die Schauspielerin versuchte eine Erklärung: "Es haben Menschen geweint, nicht über den Mann, sondern über ihre eigene Ohnmachtserfahrung, dass sie dazu nicht in der Lage waren." Eines machte die Sendung klar: Alle können Opfer werden – weshalb wir auf die Hilfe Fremder angewiesen sind.


Quelle: teleschau – der Mediendienst