Komödie mit Dagmar Manzel und Axel Prahl

"Gloria, die schönste Kuh meiner Schwester": bester ARD-Freitagsfilm seit Langem

von Hans Czerny

Eine Kuh mit Star-Allüren, eine ehrgeizige Bäuerin und ihr Bruder, der plötzlich Ansprüche auf den Bauernhof erhebt: Das sind die Zutaten einer sehenswerten Brandenburger Landkomödie. Dabei kommt am Ende eine ganz andere Geschichte heraus.

ARD
Gloria, die schönste Kuh meiner Schwester
Komödie • 27.09.2019 • 20:15 Uhr

Eine glotzende Kuh, wenn sie so stoisch wiederkäut, kann ja an sich schon lustig sein. Gloria, die ihre Herrin Jutta (Dagmar Manzel) stets nur "Glörchen" nennt, gewinnt allerdings durch mancherlei Marotten noch hinzu. Frisst sie doch immer, wenn sie bei Wettbewerben Lampenfieber hat. Auch macht sie mittags regelmäßig in den Eimer, den ihr Jutta zur Schonung ihres gestriegelten Fells unter den After hält. Bei der Siegerehrung, samt Hammondorgel, ist schwer zu sagen, wessen Gesicht das Glücklichere ist: das der Herrin, oder doch das ihrer Kuh. "Gloria, die schönste Kuh meiner Schwester" lautet der fraglos originelle Titel dieser grandios besetzten Brandeburger Landkomödie.

Dagmar Manzel spielt Jutta in ihren Latzhosen, als hätte sie nie etwas anderes gemacht als auf einem Bauernhof die Kühe versorgt. Sie lebt nach der Scheidung von ihrem Mann, einem Trinker, allein, hat aber mit dem Futtermittelvertreter Gerd Klotzberg (Max Hopp) ein Techtelmechtel. Zweimal im Jahr, zur Kuhshow-Zeit, "kuschelt" man miteinander. Hopp und Manzel können Gesichter machen, die von alleine Komödie zu spielen scheinen.

Bis dann eines Tages Juttas Bruder Thomas (Axel Prahl) vor der Türe steht. Leider habe er zur Beerdigung des Vaters nicht kommen können, als pflichtbewusster Linienpilot musste er gerade in Dubai sein. Die Frage: "Hat Papa eigentlich ein Testament gemacht?" kommt dann wie aus der Hüfte geschossen. Ihm gehöre ja wohl zur Hälfte der Bauernhof – wenn der nicht teilbar sei, müsse man ihn halt verkaufen. Für Jutta eine Horrorvision – auch den anderen Bauern in der Nachbarschaft geht es schon schlecht. In Brandenburg grassiert ein Bauernsterben, ein Großinvestor lockt mit Kauf-Angeboten.

Dass just dieser Makler ausgerechnet Juttas Gelegenheitsliebe ist, wissen weder sie selbst noch ihr Bruder. Natürlich wird Juttas Hof nicht verkauft, Thomas zieht sein heimlich inseriertes Angebot zurück, als er von Juttas Liaison mit dem makelnden Futterhändler erfährt. Und dann steht da auch noch Thomas' langjähriger Freund vor der Tür. Er wird von Matthias Freihof gespielt, der vor 30 Jahren in Heiner Carows Defa-Film "Coming Out" ein schwuler Junglehrer war.

Es wird also Juttas Kuh-Glück mit dem späten Coming Out ihres Bruders zusammengezwungen. Kaum vorstellbar, wie das ohne Dagmar Manzels und Axel Prahls komische Potenz hätte gehen sollen. Doch die beiden machen aus dem Drama, das mit Besetzung und Inhalt auf einen alten Film verweist, ein starkes Stück, einen explosiv komischen Zusammenprall. Sicher die schönste Freitagsgeschichte im Ersten seit Langem.


Quelle: teleschau – der Mediendienst
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