Der Deutsch-Syrer Nidal Kouba reist als privater Ermittler durch Deutschland und Europa, um mutmaßliche Terroristen unter den syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen zu lokalisieren. 3400 Namen stehen auf seiner Liste, die ihn sein Leben kosten könnte.

"Der Krieg in Syrien ist näher, als viele glauben!" Das sagt der Deutsch-Syrer Nidal Kouba. Und er kennt sich aus. Der in Baden-Württemberg aufgewachsene Kouba kämpfte im Syrien-Krieg – als Brigadeoffizier bei der Freien Syrischen Armee (FSA). Von den vermeintlich Guten in einem verworrenen Bürgerkrieg sind einige zu islamistischen Brigaden oder der Terrormiliz Islamischer Staat übergelaufen. Ob sie dort Gräueltaten begangen haben, weiß Nidal nicht mit Sicherheit. Doch als privater Ermittler will er genau das herausfinden.

Er hat eine Liste mit Namen von 3400 FSA-Kämpfern. Viele von ihnen sind im Zuge der Flüchtlingswelle inzwischen in Europa und insbesondere in Deutschland angekommen. Auch wenn die Politik das Problem immer klein reden wollte: Unter den vielen Menschen, die gekommen sind, sind auch einige wenige Mörder, Kriegsverbrecher und mögliche Terroristen, die bereits morgen zuschlagen könnten. Das zeigt schonungslos der spannende, mithin erschreckende Dokumentarfilm "Gotteskrieger in Europa" von Ahmet Senyurt und Ulrich Hagemann.

Nummer 877 auf "Nidals Liste"

Nidal Koubas private Ermittlungen führen den Mittvierziger unter anderem nach Konstanz. Dort, am schönen Bodensee, lebt der 25-Jährige Tarek in einer Asylbewerberunterkunft. Er ist Nummer 877 auf "Nidals Liste". Er hat für die FSA gekämpft, soll dann aber zu radikalen Islamisten übergelaufen sein. Auch die Polizei hat bereits gegen ihn ermittelt. Es besteht der Verdacht der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland. Tarek jedoch bestreitet das.

Kouba sagt über den Syrer, der 2015 über die Balkanroute eingereist ist, dass Tarek gefährlich sein könne. Sicher ist er sich jedoch nicht. Wie auch die deutschen Behörden bei einigen vermeintlichen Flüchtlingen oftmals im Dunkeln tappen. Hans-Georg Maaßen, Präsident des Verfassungsschutzes erklärt durchaus ernüchternd: "Uns machen natürlich auch Personen Sorgen, die für den IS gekämpft hatten oder für andere dschihadistische Gruppierungen. Das sind oftmals Kriegsverbrecher, das sind Personen mit einer Terror-Vergangenheit. Wir wissen nicht, was hinter ihrer Stirn vorgeht. Ob sie sich nicht vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt doch entschließen, einen Anschlag hier zu begehen." Es ist kompliziert – im Grundsätzlichen, aber auch in den allermeisten Einzelfällen.

So paradox wie gefährlich

Obwohl Kouba und seine Mitstreiter – ehemalige FSA-Kämpfer, Journalisten und Exilpolitiker – ihre Rechercheergebnisse den Sicherheitsbehörden übergeben, reagieren diese nur zögerlich. Für ein Verfahren fehlen oftmals eindeutige Beweise. Der private Ermittler versucht zu liefern. Während der siebenmonatigen Dreharbeiten begibt Kouba sich ausgerüstet mit einer versteckten Kamera selbst in Gefahr. Unter anderem in Athen trifft er auf Syrer, die in der griechischen Hauptstadt gestrandet sind. Ihre Lage dort ist besorgniserregend. Ohne die Perspektive auf das erhoffte bessere Leben wenden sich die Geflüchteten selbst extremistischen Gedanken zu, und einige radikalisieren sich. So gewinnt ausgerechnet der IS, einer der Fluchtgründe aus Syrien, unter den Flüchtlingen an Popularität. Und das auf europäischem Boden. Das ist so paradox wie gefährlich, wie dieser Film deutlich macht.


Quelle: teleschau – der Mediendienst