Heino macht Schluss! Pünktlich zu seinem 80. Geburtstag am 13. Dezember verkündete der Schlagerbarde und Volksmusiker kürzlich den Rückzug von der Bühne. Sein neues Album "... und Tschüss" (erhältlich ab 23. November) soll demnach sein letztes sein. Mit einer Tournee im kommenden Frühjahr will sich der Mann mit dem rollenden "R" nach über 50 Jahren im Showbusiness dann endgültig von seinem Publikum verabschieden.

Beim Interview in Hamburg wirkt der als Heinz Georg Kramm in Düsseldorf geborene Musiker aber so gar nicht wie ein Rentner. Mit schwarzer Lederjacke und Sonnenbrille dekoriert nimmt Heino Platz in der Hotelsuite und lässt noch mal munter und charmant die besonderen Momente seines Lebens Revue passieren.

prisma: Heino, Sie werden am 13. Dezember 80 Jahre alt. Wie fühlt sich das an?

Heino: Bis jetzt fühlt sich das noch ganz gut an, aber ich bin noch nicht ganz 80 – ich muss es erst einmal werden.

prisma: Sehen Sie Ihrem Ehrentag auch mit Melancholie entgegen?

Heino: Nein, im Grunde genommen habe ich nämlich gar nicht das Gefühl, dass ich 80 werde. Es fühlt sich eher an wie 50. Für mich ist 80 ohnehin nur eine Zahl, die mich aber auch in Erstaunen versetzt. Ich habe mit 20 Jahren angefangen zu singen, und ich bin sehr erstaunt, dass ich das jetzt 60 Jahre lang gut durchgehalten habe.

prisma: Schwingt da auch ein bisschen Stolz mit?

Heino: Ja, natürlich, und das trotz aller Anfeindungen! Schon in der Anfangszeit bin ich gehänselt worden. Dann galt ich als Auslaufmodell. "Erfolgssänger? Das ist doch alles längst vorbei", hieß es. Oder: "Der Heino singt nur für ältere Leute." Klar, denen hatte ich ja auch lange Zeit meinen Erfolg zu verdanken.

prisma: Aber dann haben Sie sich vor ein paar Jahren neu erfunden.

Heino: Es kamen immer junge Leute zu mir, die sagten: "Mensch, Heino, du hast so eine tolle Stimme, sing doch mal was für uns." Und so kam es dann, dass wir in den letzten fünf Jahren für jüngere Leute Alben aufgenommen haben. Wenn ich jetzt zurückblicke, bin ich der Meinung, ich habe alles richtig gemacht.

prisma: Wie werden Sie Ihren Geburtstag verbringen?

Heino: Ich weiß es noch nicht. Die Hannelore (Heinos Ehefrau Hannelore Kramm, Anm. d. Red.) wird etwas vorbereiten, und sie wird mich damit überraschen.

prisma: Eine Ansage, wie Sie es gerne hätten, haben Sie nicht gemacht?

Heino: Nein, ich habe doch eh alles: eine nette Frau, ein nettes Zuhause. Mehr brauche ich nicht, um mich wohl zu fühlen.

prisma: Erwarten Sie Kollegen?

Heino: Eher nicht. Ich habe in den 60 Jahren, in denen ich auf der Bühne stehe, sehr wenig Kontakt zu Kollegen gehabt. Freundschaften unter Kollegen zu pflegen ist schwierig, denn einer hat immer was zu tun. Ich ging auch selten zu Partys, wenn mich jemand eingeladen hat. Ich habe dann immer sehr freundlich abgesagt. Ein Grund dafür war eben auch, dass ich von Anfang an von vielen Kollegen gemieden wurde.

prisma: Sie waren immer jemand, der stark polarisiert hat. Hat Ihnen das gefallen?

Heino: Ja, natürlich. Reizfigur zu sein, ist Teil meines Erfolges. Ich hatte immer viele Fans, aber auch viele Neider, weil ich provoziert habe. Aber wenn man keine Ecken und Kanten hat, dann wird man auch nicht alt in diesem Beruf.

prisma: Es wurde immer mal wieder behauptet, dass Sie mit der Interpretation von Volksliedern, die sich auch die Nazis zu eigen gemacht haben, rechtes Gedankengut bedienen. Wie gingen Sie damit um?

Heino: Das stimmt ja alles gar nicht. Volksmusik hat natürlich einen altmodischen Klang, aber das sind Lieder von uns. Wenn ich jetzt "Am Brunnen vor dem Tore" oder "Sah ein Knab ein Röslein stehn" singe, sehe ich überhaupt gar keinen rechten Gedanken. Wer bös' denkt, ist bös'. Das habe ich damals schon immer als Blödsinn abgetan. Ich habe diese Lieder von Herzen gerne gesungen, und ich würde den gleichen Weg nochmal gehen. Weil dieser Weg für mich richtig war.

prisma: War es in den Anfängen Ihrer Karriere denn eine bewusste Entscheidung, Volkslieder zu singen?

Heino: Das war eine Frustreaktion von mir. Denn das Einzige, was deutschsprachig war, wenn ich in den 60er-Jahren das Radio angemacht habe, waren die Nachrichten. Ich hörte dort nur englische Musik. Das hat mich gestört. Auch wenn so etwas wie Billie Holiday oder Elvis schon ganz okay war.

prisma: Sie arbeiteten vor Ihrer Musikkarriere als Bäckerei- und Konditorei-Lehrling. Können Sie noch backen?

Heino: Nein, ich war auch immer ein schlechter Bäcker. Es hat mich einfach nicht interessiert. Ich hatte meiner Mutter zuliebe drei Jahre Bäcker gelernt, und dann noch mal zwei Jahre Konditor hinterher. Aber in dem Jahr, in dem ich meine Prüfung macht, schwenkte ich um und fing dann an mit der Musik.

prisma: Erinnern Sie sich noch daran, wie Sie entdeckt wurden?

Heino: Ich hatte in den 60er-Jahren ein Trio gegründet, und wir waren für eine Modenschau engagiert. Der große Star des Abends war der Schlagersänger und Produzent Ralf Bendix. Der hat mich singen gehört und mich nach der Veranstaltung gefragt, ob ich Lust hätte, Schallplatten zu machen. Er nahm mich zur Plattenfirma mit, und wir nahmen die erste Platte "Jenseits des Tales" auf, die sofort auf Platz eins ging. Er hat mich 25 Jahre lang sehr erfolgreich mit seinem Team betreut.

prisma: Auf Hilfe sind Sie schon lange nicht mehr angewiesen, Sie gelten seit Jahren als Kult-Star. Denken Sie, dass Ihre Lieder "überleben" werden?

Heino: Ich glaube, dass vor allem die Volkslieder überleben werden: "Jenseits des Tales", "Ännchen von Tharau", "Am Brunnen vor dem Tore" ... Das sind Lieder, die werden immer bleiben. "Blau blüht der Enzian" wird auch eines Tages ein Volkslied sein, das ist jetzt schon über 50 Jahre alt. Ich habe das Lied bereits dreimal eingesungen: in der volkstümlichen Version, in der Rap-Version und in der Rockversion. Das Lied ist unverwüstlich.

prisma: Im kommenden Jahr steht noch eine Abschiedstour an. Werden Sie danach ganz von der Bildfläche verschwinden?

Heino: Nein, ich habe ja meinen Enkel Sebastian (Kramm, d. Red.), den ich dann unterstützen kann. Er singt auf meiner neuen Platte das Lied "Der Junge mit der Gitarre" – womit er mich meint. Das hat er wunderschön gesungen. Sebastian studiert Musik, nimmt Gesangs- und Gitarrenunterricht. Jetzt muss man mal gucken, wie es weitergeht. Wenn er die Laufbahn einschlagen will, so wie ich es gemacht habe, dann bin ich der beste Berater für ihn.

prisma: Macht es Sie glücklich, dass Sie den Stab auf diese Art weiterreichen können?

Heino: Ja, das ist auch eine Zeile in dem Lied: "Ich gebe den Staffelstab weiter ...". Mich freut das wirklich ungemein.

prisma: Auch Ihre Gattin Hannelore singt Ihnen am Schluss der neuen Platte ein Ständchen.

Heino: Die Hannelore hat schon vor mir gesungen. Ich fing erst 1965 an, da hatte sie bereits unter ihrem Mädchennamen Hannelore Auer einige Titel gesungen und einige sehr erfolgreiche Filme gemacht. Wenn sie jetzt für mich "Für dich soll's rote Rosen regnen" singt, hört man, dass sie es kann.

prisma: Hannelore war im Lauf Ihrer Karriere immer an Ihrer Seite. Wie wichtig war das für Sie?

Heino: Enorm wichtig. Wir hatten uns 1972 in Kitzbühel bei der "Miss Austria"-Wahl das erste Mal gesehen. Dann verloren wir uns fünf Jahre aus den Augen, bis wir uns in der Fernsehsendung "Ein Abend in blau" erneut über den Weg gelaufen sind. Sie stand vor einer Staffelei und malte, und ich habe immer zu den Farben meine Lieder gesungen: "Schwarze Barbara", "Hoch auf dem gelben Wagen", "Blau blüht der Enzian". Sie war noch verheiratet, ich war noch verheiratet. Wir haben uns dann beide scheiden lassen und 1979 geheiratet. Man hat uns damals zwei Jahre gegeben, und im nächsten Jahr werden es 40 – 40 schöne, glückliche Jahre!

Heino auf Abschiedstour:

01.03. Nürnberg, Hirsch

02.03. München, Backstage Werk

03.03. Mannheim, MS Connexion Complex

09.03. Hamburg, Große Freiheit

15.03. Stuttgart, LKA-Longhorn

29.03. Oberhausen, Turbinenhalle

30.03 Köln, Live Music Hall


Quelle: teleschau – der Mediendienst