Wiederbelebter Geheimagent auf Abwegen: Matt Damon kehrt unter der Regie von Thrillermeister Paul Greengrass als "Jason Bourne" zeitgemäß zurück.

Es ist ein bisschen schade, dass schon der erste Satz den ganzen Film vorwegnimmt: "Ich erinnere mich an alles", sagt Jason Bourne. Matt Damon hatte als Ex-CIA-Agent in den ersten drei "Bourne"-Filmen zwischen 2002 und 2007 noch verzweifelt nach seiner Vergangenheit gesucht. Nach neun Jahren Kinopause, unterbrochen von einem Nebenfilm der Reihe ("Das Bourne Vermächtnis" 2012 mit Jeremy Renner in der Hauptrolle), bekam er sie 2016 beinahe auf dem Silbertablett serviert. Ganz schlicht "Jason Bourne" (nun als Free-TV-Premiere im ZDF zu sehen) heißt dann auch der Film, zu dem sich Damon sowie Regisseur und Drehbuchautor Paul Greengrass lange haben bitten lassen. Zu Recht: Der Actionthriller wärmt vor aktualisierter Kulisse lediglich Bekanntes auf.

Dabei ist "Jason Bourne" ein sehr passabler Agententhriller: spannend, dreckig, realistisch, zeitgemäß – und ausgestattet mit der spektakulärsten Verfolgungsjagd, die Las Vegas je erlebt hat. Aber der Film ist auch überflüssig. Kaum etwas wird über Jason Bourne erzählt, was man nicht schon aus der fantastischen Trilogie wusste.

Immerhin durfte der Protagonist altern. Bourne ist merklich von der Zeit und seiner Sisyphos-Aufgabe gezeichnet. Er weiß zunächst immer noch nicht, wer er wirklich ist. Nach den Ereignissen in "Das Bourne Ultimatum" tauchte er unter – damals hatte der Mann ohne Erinnerungen das illegale CIA-Spezialprogramm "Treadstone" öffentlich gemacht, mit dem er einst zur Killermaschine geformt wurde. Mittlerweile hält sich Bourne in Flüchtlingslagern an der griechisch-mazedonischen Grenze mit illegalen Boxkämpfen über Wasser und steckt dabei mehr Schläge ein, als er eigentlich müsste.

Seine alte Weggefährtin Nicky Parsons (Julia Stiles) verschafft Bourne dann ziemlich schnell eine neue Chance, seine Erinnerungen wiederzufinden. Sie hackt sich in die CIA-Zentrale ein, um geheime Daten zu stehlen: über "Treadstone" und über ein Nachfolgeprogramm, das noch viel schlimmer ist. Mit den Daten will Parsons nicht nur Bourne retten, sondern die Welt wachrütteln.

Mit frischem Personal, darunter Tommy Lee Jones als Direktor, Vincent Cassel als Profikiller und Alicia Vikander als undurchsichtige IT-Spezialistin, macht die CIA Jagd auf Parsons und Bourne. Klar, dass Letzterer keine leichte Beute ist. Als reizvoll an dieser bewährten Konstellation erweist sich, dass Paul Greengrass "Jason Bourne" an das aktuelle Zeitgeschehen angepasst hat.

Die Flüchtlingskrise in Europa, die totale Überwachung in der digitalen Welt und eine Ehrenbezeugung an Whistleblower wie Edward Snowden: "Jason Bourne" ist in der Realität fest verankert. Musste man den ersten Filmen noch glauben, dass die Geheimdienste außer Kontrolle sind, hat man mittlerweile Gewissheit, dass für die "Verteidigung der Freiheit" eben jene Freiheit nach Gutdünken beschnitten wird – begünstigt durch einen sorglosen Umgang mit persönlichen Daten.


Quelle: teleschau – der Mediendienst