Mit den "Fack ju Göhte"-Filmen wurde er bekannt, jetzt freut sich Schauspieler Max von der Groeben auf potenziell mehr als 140 Millionen Zuschauer weltweit. Eine Netflix-Hauptrolle macht's möglich ...

Schon als Kind stand Max von der Groeben, Sohn der Nachrichtensprecherin Ulrike von der Groeben und des Sportjournalisten Alexander von der Groeben, vor der Kamera. Inzwischen ist der Kölner 27 Jahre alt – und ein alter Schauspielhase. Mit den "Bibi & Tina"-Filmen sowie als Danger in der "Fack ju Göhte"-Reihe wurde er bekannt, nun spielt er zur Abwechslung die Hauptrolle in einem knallharten Thriller. Wir trafen ihn anlässlich der Premiere der Netflix-Produktion "Kidnapping Stella" (hier unsere Kritik), in der er an der Seite von Jella Haase und Clemens Schick zu sehen ist, beim Filmfest München zum Interview.

prisma: Max, Ihr neuer Film "Kidnapping Stella" sollte ursprünglich regulär ins Kino kommen, stattdessen ist er nun ab 12. Juli direkt bei Netflix zu sehen. Wie gefällt Ihnen das?

Max von der Groeben: Ich freue mich total für den Film. Dem hätte gar nichts Besseres passieren können, als jetzt weltweit auf Netflix verfügbar zu sein. Theoretisch können ihn jetzt schließlich mehr als 140 Millionen Menschen sehen. Grundsätzlich werde ich aber auch weiterhin meine Projekte nach dem Stoff und der Rolle auswählen. Ob eine Geschichte dann im Kino, bei den Öffentlich-Rechtlichen oder auf Netflix läuft, ist für mich als Schauspieler zweitrangig.

prisma: Der Film handelt von zwei Entführern und ihrer Geisel, doch viel über deren Biografien oder Innenleben verrät das Drehbuch nicht. Wie nähert man sich einer solchen Filmfigur?

von der Groeben: Jeder Schauspieler hat natürlich andere Herangehensweisen an seine Rollen, aber ich mag es ein bisschen psychologisch und möchte wenigstens für mich selbst wissen, woher meine Figur kommt und in welcher Beziehung sie zu den anderen steht. In diesem Fall war auch der Regisseur Thomas Sieben sehr da hinterher, was mich gefreut hat. Er wollte, dass wir uns richtig präzise Geschichten überlegen, zum Beispiel wie genau die Connection zwischen den beiden Männern entstanden ist. Dass ich selber all diese Hintergründe also wusste, aber eigentlich fast nichts darüber erzählt wird, fand ich super. Und wenn man "Kidnapping Stella" nun sieht, wurde der Mut zum Weglassen einiger Dialoge auch wirklich belohnt, wie ich finde.

prisma: Die einzigen beiden anderen Darsteller neben Ihnen sind Jella Haase und Clemens Schick. Wie sehr muss die Chemie stimmen, damit so ein Kammerspiel-Trio auch überzeugend funktioniert?

von der Groeben: Es war einfach eine Traumkonstellation. Jella und ich kannten uns dank "Fack ju Göhte". Wir verstehen uns super, sowohl vor als auch jenseits der Kamera. Clemens und ich dagegen kannten uns gar nicht. Doch die Chemie zwischen uns stimmte schon beim Casting, und das war tatsächlich für diesen Film besonders wichtig, gerade weil es auch physisch so brutal zur Sache geht. Wir wussten, dass wir einander sehr vertrauen können und wie der jeweils andere arbeitet. Man musste also nicht zu vorsichtig sein, was in einigen Szenen schwierig gewesen wäre. Vielmehr war die Arbeit dadurch sehr angenehm und hat Spaß gemacht, obwohl es so zur Sache ging.

prisma: Vermutlich kommt es aber auch mal vor, dass man mit Kollegen so gar keine Wellenlänge hat. Wie geht man damit um?

von der Groeben: Ich habe es zum Glück noch nicht wirklich erlebt, dass ich mit jemandem so gar nicht konnte. Aber wenn man sich tatsächlich einmal privat so gar nicht versteht, ist es sicherlich wichtig, zumindest das gleiche Ziel zu haben, was den Film angeht. Damit man sich wenigstens vor der Kamera nicht behindert. Und wenn es doch dazu kommt, muss man wohl versuchen, das irgendwie zu benutzen.

prisma: Finden Sie es wichtig, in Ihrem Beruf professionell ausgebildet zu sein?

von der Groeben: Ich selbst war auf der Schauspielschule und bin sehr froh, dass ich das gemacht habe. Würde ich auch jedem, der diesen Beruf ergreifen möchte, empfehlen. Doch auch ohne Schauspielschule kann man es natürlich schaffen, in dem Beruf Fuß zu fassen. Insgesamt finde ich es aber gut und wichtig, wenn man versucht, seinen Horizont zu erweitern. Sei es durch Lehrer an der Schule, durch private Coaches oder auch einfach, indem man zur Literatur greift. Hauptsache, man arbeitet an sich.

prisma: Sie stehen seit Ihrer Jugend vor der Kamera. Wussten Sie damals schon, dass Sie das auch als Erwachsener weitermachen wollen?

von der Groeben: Schauspieler oder eher: Filmstar ist doch sicherlich einer der meistgenannten Berufe, wenn man Kinder oder Jugendliche fragt, was sie mal werden wollen. War bei mir auf jeden Fall so, als ich damals anfing, vor der Kamera zu stehen. Aber erst nach meinem Abitur habe ich tatsächlich darüber nachgedacht, ob ich das wirklich als Beruf durchziehen will. Auch mit dem Wissen, dass es mal nicht mehr so gut laufen könnte. Mein Plan war dann: Ich bewerbe mich an den Schauspielschulen – und wenn die mich nehmen, dann mache ich das auch.

prisma: Und wenn Sie nirgends angenommen worden wären?

von der Groeben: Dann hätte ich das mit der Schauspielerei vielleicht eher nebenherlaufen lassen. Aber es gab durchaus einen konkreten Plan B. Nach dem Abitur habe ich sogar ein Praktikum in der Sportredaktion einer Kölner Zeitung gemacht. Ich wäre also womöglich noch mehr dem Weg meiner Eltern gefolgt.

prisma: Darüber hätten die sich wahrscheinlich besonders gefreut, oder?

von der Groeben: Meine Eltern standen zum Glück immer in allem hinter mir, was ich machen wollte. Ihnen war nur wichtig, dass ich überhaupt etwas mache. Faul zu Hause herumsitzen und warten, dass etwas passiert, wäre keine Option gewesen. Aber wenn sie es sich hätten aussuchen können, hätten sie sicherlich gesagt: "Werde Arzt!" Einfach, weil sie die Branche ja selbst kennen und wissen, wie viele Höhen und Tiefen es da oft gibt.

prisma: Zu den Höhen gehören in Ihrem Fall unbedingt die "Fack ju Göhte"-Filme ...

von der Groeben: Ich finde es nach wie vor faszinierend, was diese drei Filme ausgelöst haben. Und es gibt auf jeden Fall noch ziemlich viele Fans, die mich deshalb auf der Straße erkennen und Fotos machen wollen. Darüber freue ich mich natürlich.

prisma: Wie hat der Erfolg denn Ihr Leben verändert?

von der Groeben: Vor allem ist einfach der Bekanntheitsgrad ein ganz anderer. Ohne diese Filmreihe hätte ich sicherlich nicht 390.000 Instagram-Follower (lacht).

prisma: Apropos Instagram: Dort präsent zu sein, gehört heutzutage für junge Schauspieler zwingend dazu, oder?

von der Groeben: So ein riesiger Instagramer bin ich eigentlich gar nicht. Und ich empfinde das auch nicht als Verpflichtung. Ich mache das immer, wie ich gerade Lust habe, und oft poste ich auch einfach mal nichts. Vor allem nutze ich Instagram, um meine Projekte anzukündigen.

prisma: Ihr "Kidnapping Stella"-Kollege Clemens Schick dreht regelmäßig auch außerhalb von Deutschland. Würde Sie eine internationale Karriere ebenfalls interessieren?

von der Groeben: Die Filmwelt wächst immer mehr zusammen. Viele amerikanische Produktionen kommen nach Europa und engagieren Schauspieler von hier. "Game of Thrones" ist das beste Beispiel. Das finde ich toll, und da tun sich viele Optionen auf. Natürlich bin ich auch neugierig darauf, wie in Hollywood gearbeitet wird. Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde: Das ist kein Thema für mich. Wenn die also anrufen – ich habe Zeit!


Quelle: teleschau – der Mediendienst