Eine europaweite Finanzkrise, eine geplatzte Hochzeit und eine missglückte Geschäftsübernahme: In "Eine Hochzeit platzt selten allein" steht alles Kopf.

Die Liebe und das liebe Geld: Wenn bei einer Beziehung existenzielle Finanzfragen eine große Rolle spielen, sind Probleme vorprogrammiert. Regisseur Lancelot von Naso hat daraus nun eine lebensnahe, moderne Komödie gebastelt: Der Film "Eine Hochzeit platzt selten allein", der nun erstmals im Ersten ausgestrahlt wird, ist ein derart turbulentes Fernsehvergnügen, dass man gut aufpassen muss, um nicht den Überblick zu verlieren.

Schon der Anfang hat es in sich: Als der Staatssekretär Oliver Wackernagel (Herbert Knaup) einer "vierzehn-dreiviertel"-jährigen Teenagerin in einer Eisdiele gegenübersitzt, glaubt er zunächst nicht, was er hört. Eigentlich will er nur herausfinden, was mit der Finanzwelt um ihn herum geschehen ist. Und das Girlie weiß Bescheid. "Wie alles anfing? – Ich glaube damit, dass meine Mutter endlich mal wieder Sex hatte", eröffnet ihm die kecke Lea (Ella Lee). Und so nimmt die wilde Fahrt durch verschiedene Zeitebenen und Handlungsstränge ihren Lauf.

In Rückblicken erzählt Lea die verrückte Geschichte zweier Pärchen, die einfach kein Happy End auf die Reihe bringen. Zwischen der alleinerziehenden Wirtin Julia (Inka Friedrich) und dem neuen Filialleiter Andreas (Oliver K. Wnuk) steht die Bank ihres Vaters, die schwere finanzielle Probleme hat – wegen Andreas. Und Julias ehemaliges Babysitterkind Marie (Teresa Klamert) will sich urplötzlich kurz vor der Hochzeit von einem Turm stürzen – weil ihr Verlobter Daniel (Moritz von Zeddelmann) Schluss gemacht hat.

Die auf den ersten Blick voneinander unabhängigen Beziehungsdramen liegen allerdings nah beeinander. Maries Vater Schwegler (Ludger Pistor), der Filialleiter der Volkskasse, gerät in seiner Bank in einen handfesten Streit mit Daniels Vater. Was beide allerdings nicht ahnen: Lea filmte die Auseinandersetzung und stellte es für ihre elf – falsch, zwölf – Follower online. Im Nullkommanichts verbreitet es sich und stellt nicht nur die Finanzwelt in dem beschaulichen schwäbischen Städtchen Hopfingen auf den Kopf, sondern auf der ganzen Welt. Bargeld ist plötzlich nichts mehr wert, auf dem Wochenmarkt wird Obst und Gemüse gegen Gießkannen und T-Shirts getauscht. Die beiden Väter sind mit schweren Konsequenzen konfrontiert, und auch Julia, Andreas, Marie und Daniel kämpfen auf unterschiedlichste Weise mit den Auswirkungen ganzen Desasters.

Interessant ist vor allem die rasante Verbreitung des Videos auf Leas Videoblog, die einen regelrechten "digitalen Tsunami" auslöste, Bargeld nur noch zu "buntem Papier" und ein kleines Dörfchen weltweit berühmt machte. Und Lea selbst ist sich keiner Schuld bewusst: Sie wollte doch eigentlich nur einen Jungen beeindrucken. Befördert wird diese irre Story, geschrieben von Jürgen Werner und Christoph Sonntag, von witzigen Dialogen und raffinierten Schnitten.

Immer wieder hüpft die Geschichte zwischen den Handlungssträngen hin und her und lässt dabei keine Langeweile aufkommen. Untermalt mit italienischer Musik und vor der Kulisse eines eigentlich ruhigen Dörfchens kurz vor dem Tohuwabohu fesselt der Film mit seinen witzigen Storylines, die alle geschickt miteinander verwoben wurden, obwohl sie am Anfang wirken, als hätten sie nichts miteinander zu tun. Am Ende hat die Chaos-Komödie eines gelehrt: Jede Handlung hat ihre Konsequenzen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst