Der zweifache Emmy-Preisträger Michael Epstein begleitet in seinem Dokumentarfilm mit faszinierend intimen Bildern die Entstehung des Albums "Imagine" (1971) und das Zusammenleben von John Lennon und Yoko Ono. Die Doku eröffnet den "Summer of Freedom" auf ARTE.

Yoko Ono war kein Liebling der Presse. Jene fremdländisch aussehende und merkwürdige Frau, eine Konzeptkünstlerin, die man hinter ihrem Haarteppich kaum sehen konnte, sie soll die Beatles auseinandergebracht haben. Dies war die gängige Meinung vor allem der englischen Volkswut-Seele, welche die Band wie die Queen als nationales Eigentum betrachtete.

"Ja, sie hat unseren Beatle gestohlen", kolportiert ein Zeitzeuge im faszinierenden Dokumentarfilm "John und Yoko" die damalige öffentliche Meinung. Lennon-Spezialist Michael Epstein, der schon den New Yorker Jahren des Musikers einen Filn widmete ("LennoNYC", 2010), begleitet in diesem 90-Minüter die Entstehung von Lennons berühmten Album "Imagine". Der Beatles-Querdenker hatte sich mit seiner Liebe Yoko Ono auf ein Landgut zurückgezogen und werkelte dort mit berühmten Mitstreitern wie George Harrison und Phil Spector an seinem zweiten Solowerk.

Vor allem das erste Drittel des Film zeigt – unfassbar intim – das gemeinsame "Abhängen" und Arbeiten Lennons und seiner Crew an den Songs. Diese Passage ist so stark und authentisch, als hätte man sie mit versteckter Kamera gefilmt. Offenbar gehörte die Dauerpräsenz von Fotografen und Filmemachern auf Lennons Landgut "Tittenhurst Park" in Berkshire zur täglichen Routine.

Im weiteren Verlauf des Films kommen immer mehr Interviews ins Spiel. Zeitzeugen wie Sohn Julian Lennon, Musiker wie Klaus Voormann oder Jim Keltner sprechen über Leben und Beziehung des berühmten Paares in deren letzten "britischen Jahren" 1969 bis 1971. Auffällig daran ist, wie warmherzig die Interviewten Yoko Ono beschreiben. Ein Eindruck, den auch die Bilder belegen.

"John & Yoko: Above Us Only Sky", wie die deutsche Erstaufführung des vor seltenem Filmmaterial strotzenden Werks im Original heißt, eröffnet den "Summer of Freedom" bei ARTE. Immer freitags und sonntags konzentriert sich der Kultursender in seinem sommerlichen Popschwerpunkt bis zum 25. August auf Dokus, Filme und Konzerte, die den Freiheitsbegriff diskutieren und ihn zum Klingen bringen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst