Die Ludolfs verlassen freiwillig das RTL-"Sommerhaus der Stars". Helena Fürst und Ernesto Monte dürfen deshalb bleiben – gegen den Wunsch der anderen Kandidaten. Die Stimmung wird aggressiver. Der Zuschauer darf sich auf eine Eskalation einstellen.

Jedes Theater ist nichts. Wer mies drauf ist, sollte das RTL- "Sommerhaus der Stars" schauen. Dümmer geht es nicht. Der Konsum der Sendung verschiebt sämtliche Maßstäbe. 

Immerhin, RTL schafft es, alle hässlichen Eigenschaften in einer Show zu bündeln: Habgier, Narzissmus, Primitivität. Das birgt Stoff, durchaus. Aber diese Sendung ist keine Unterhaltung, sie ist eine Strafe. Trash-TV ist eine Kunst. Entweder man beherrscht sie oder man produziert das Sommerhaus der Stars. Das Beste an der Sendung sind die Werbeblöcke zwischen den Sequenzen. Abgesehen von dem Moment, in dem alle Männer in Ganzkörper-Tierkostümen gegen Strohballen laufen, und Dino, Eule und Frosch auf den Boden plumpsen, weil ihre Frauen sie mit "Isch-hab-rechts-links-Schwäche, Schatz, das weißt du dooch"-in den Sumpf navigieren.

Diese Sendung ist so kolossal schlecht, dass man sich mit Kleinigkeiten aufheitern muss. Mit Sätzen wie "Ich lieb' meine kleine Frau. Und du weißt, ich halt' en Leben lang zu dir". Sätze, die nur TV-Schrottstar Manfred "Manni" Ludolf raspeln kann, der seine pummelige Jana auch mit ihren Kilos schön findet. "Wir wurden so geschaffen", sagt Manni, "von der Natur, wie wir sind, und das macht uns markant."

Manni Ludolf macht es kurz

Geholfen hat das den Ludolfs leider nichts. Jana Ludolf stürzt aufs Knie. Ihre Wunde heilt nicht, entzündet sich. Mann Manni macht's kurz: Leute, wir sind raus. Jana Ludolf macht es sich schwerer. Sie möchte niemanden enttäuschen. Die neuen Freunde, die lieben Mitbewohner, die netten Kollegen. Doch für die Ludolfs ist Schluss. Mit ihnen geht das Coolste, was die Sendung zu bieten hatte: Jana Ludolfs Motörhead-Shirt.

Für sie mag der vorzeitige Abbruch der Sendung trotzdem eine gute Sache gewesen sein. Bei jeder Gelegenheit kamen ihr die Tränen, alles wurde ihr zu viel. Der wirren Helena Fürst war sie erst recht nicht gewachsen. Als diese sie zurechtweist, ihre Wäsche nicht nach ihren Vorstellungen gewaschen zu haben, muss Jana Ludolf wieder mal getröstet werden.

Die Fürstin und ihr Hexenbesen

Aber das ist nicht das einzige Mal, dass die Fürstin für Gewitter sorgt. Nur noch ein Besen fehle ihr zur Hexe, ätzt Matthias Mangiapane. Bei Ex-"Bachelor"-Kandidatin Saskia Atzerodt weckt Helena Fürst sogar den Wunsch, ihren Aggressionen nachzugeben: "Isch glaub', ich hau sie um", sagt die Freundin von Model Nico Schwanz. Jedenfalls war sie das zum Zeitpunkt der Aufzeichnungen noch.

"Sie ist ein schwieriger Mensch", findet auch Schlagersänger Ennesto Monte, der als Partner von Helena Fürst in die Sendung gekommen ist. Zumindest war er das zum Zeitpunkt der Aufzeichnungen noch. Dass sie das inzwischen nicht mehr sind, wundert nicht. "Schreib dir das hinter deine Ohren", tadelt Helena Fürst ihren Ernesto und erhebt den Zeigefinger wie das Fräulein Rottenmeier. Der Schlagersänger droht ihr, sie solle die Zeit mit ihm genießen, die sie noch mit ihm habe.

Darum hätten die anderen Kandidaten das unliebsame Paar auch gerne aus dem Haus gewählt. Da aber mit den Ludolfs schon ein Paar das Haus unfreiwillig verlassen musste, durften Helena Fürst und Ernesto Monte bleiben.

Sind die Kandidaten wirklich so?

Das freut die Schaulustigen auf dem Sofa, die sich in der nächsten Folge auf mehr Eskalation einstellen können. Aber das Sommerhaus ist und bleibt eine Zumutung. Die Sendung besteht aus einer Ansammlung an plumpen, uninteressanten mutmaßlichen Prominenten, die kein Mensch kennt und die so interessant sind wie Kopfsteinpflaster bei Nacht. Das Programm von Bahn-TV ist unterhaltsamer. Überzogene Dramatik, alberne Spiele, eine hässliche Sprache: Das kann nicht gesund sein.

Nun gut, auch im Sommerhaus stellt man sich die essentiellen Fragen: Es geht um Authentizität. Wer in dem Haus wohl sein wahres Gesicht zeige, erörtern die Stars. Und wer nur "Schauspieler" sei. Eine gute Frage, die offen blieb. Dabei wäre es für den Zuschauer doch sehr beruhigend zu wissen, dass alle Kandidaten in Wahrheit dem RTL-Regime treue Schauspieler sind, die einem Drehbuch Folge leisten. Eine andere Wahrheit wäre unerträglich.

In Kooperation mit RP ONLINE.