Kein Sondereinsatzkommando, kein Schuss, kein Waffeneinsatz, keine Handschellen – noch nicht einmal ein Blaulicht: Dieser "Tatort" fällt aus der Reihe. Nur in einer Sache nicht: Gründlichkeit.

Schließen die beiden Stuttgarter Kommissare Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) den ersten Todesfall schnell ab, weil alles auf einen natürlichen Tod von Paul Fuchs hindeutet, so ermitteln sie nach dem Tod von Christian Hinderer umso intensiver. Denn zwei tote Pflegepatienten innerhalb von zwei Wochen, und in beiden Fällen jeweils nur Minuten, nachdem Altenpflegerin Anne Werner (Katharina Marie Schubert) bei ihnen war – das macht Lannert und Bootz dann doch stutzig.

Sie durchleuchten alles und jeden, und ganz besonders Anne Werner, die schnell unter Verdacht gerät, Fuchs und Hinderer umgebracht zu haben. Zumindest Hinderers Witwe Gundula ist sich da sicher. So wird der ganze Tatort 90 Minuten lang zu einem einzigen Verhör. Lannert und Bootz spulen eindrucksvoll und beharrlich das volle Programm akribischer Ermittlungsarbeit ab – und machen schließlich selbst eine Pflegetour mit.

Dabei lassen Wolfgang Stauch (er schrieb das Buch für diesen richtig guten "Tatort") und Jens Wischnewski (er führte die Regie) die beiden Kommissare tief eintauchen in den Alltag der mobilen Pflegedienste: "Manchmal kreuzen wir die große Körperwäsche an, auch wenn wir nur eine kleine geschafft haben." Sie zeichnen aber gleichzeitig ein Bild von Fürsorge und Sorgfalt. Und schaffen es, die Zuschauer mitzuziehen in einen Zwiespalt von Mitleid und Akribie. Doch ob die Kommissare am Ende wirklich das bekommen, was sie sich erhofft haben?