Joachim Król in Bestform: In "Endlich Witwer" spielt der 61-Jährige den Witwer Georg Weiser, der sich im Unglück seines Lebens eingerichtet hat. Bis der plötzliche Tod seiner Ehefrau alles verändert.

Georg Weiser (Joachim Król) hat sein ganzes Leben gelernt, Gefühle zu unterdrücken, die Meinungen und Rechte anderer zu ignorieren und seinem Groll freien Lauf zu lassen. Als er seine Frau verliert, scheint es, als sei er nicht besonders betroffen. Von nun an wollen sich seine Kinder ununterbrochen um ihn kümmern. Aber Weiser verweigert sich jeder Neuausrichtung. Bis das Leben dazwischenkommt – in Gestalt von Gisela Rückert (Anneke Kim Sarnau), die auf eine Anzeige seiner Tochter hin ins Haus platzt, um seinen Haushalt auf Vordermann zu bringen.

Der schauspielerische Hochseilakt zwischen Komik und Tragik wird durch Król und das bis in die Nebenrollen stimmig wie hochkarätig besetzte Ensemble zu einer Sternstunde im TV. Mit dabei sind neben Król und Sarnau die erwachsenen "Filmkinder" Friederike Kempter und Tristan Seith, der ehemalige "Tatort"-Kommissar Andreas Hoppe und ein sehenswerter, musikalischer Gastauftritt von Dieter Hallervorden als Klassenlehrer. Warum man "Endlich Witwer" auf keinen Fall verpassen sollte, bringt Król auf den Punkt: "Gute Geschichte, tolle Regie, schöne Bilder, ein feines Ensemble – und das Stück 'Sweet child in time' von Deep Purple."

Auf dem Weg zu seinem sechzigsten Geburtstag hatte sich Król viele Gedanken über "diesen denkwürdigen Termin" gemacht. So entstand zusammen mit Produzentin Doris Zander, Autor Martin Rauhaus und der Fernsehspielredaktion des ZDF die Idee, eine Geschichte zu erfinden, in der jemandem, der in der gleichen Situation ist, etwas Existentielles passiert. Erinnerungen an "Ekel Alfred", der in der Kult-Serie "Ein Herz und eine Seele" von 1973 bis 1976 von Heinz Schubert gespielt wurde, werden wach. Darauf Król: "Heinz Schubert als 'Ekel' Alfred Tetzlaff ist ein Vorbild für jeden Komödianten. Aber ein Neunzigminüter wie 'Endlich Witwer' verlangt natürlich andere Entwicklungen als eine Serie wie 'Ein Herz und eine Seele'."

So inspiriert schrieb Martin Rauhaus mit dem Witwer Georg Weiser einen auf Król zugeschnittenen Charakter. Król: "Auf den Leib geschrieben klingt immer so, als müsse der Schauspieler gar nicht mehr viel machen. Ist aber nicht so. Aber vielleicht entsteht dieser Eindruck ja, weil dem Schauspieler etwas besonders gut gelungen ist." Fakt ist, der klassische Topos, die Verwandlung eines mürrisch-egoistischen Griesgrams zu einem freundlich-sympathischen Menschen, erinnert dank Króls differenzierter Rollengestaltung an die Filme von Jack Nicholson. Eine Hommage an das Leben

"Endlich Witwer" ist ein hinreißend komisches Familiendrama. Tragisch zwar, aber immer voll subtilem Witz, letztendlich eine (versteckte) Hommage an das Leben. Wie viel von Król steckt denn in diesem Misanthropen Georg Weiser? "Weiser ist zu Beginn der Geschichte ja ein durch und durch unglücklicher Mensch, der glaubt, einen Schlussstrich ziehen zu müssen. Da bin ich meilenweit von entfernt. Im Prinzip bin ich mit meinem Leben, so wie es gerade läuft, sehr glücklich. Also, die Bitterkeit von Weiser wie auch seine spätere Läuterung sind schauspielerisch hart erarbeitet." Am Ende des Films besteigt Weiser einen uralten Bus, um die nach dem Abitur aus welchen Gründen auch immer nicht angetretene Reise 40 Jahre später nachzuholen. Das Ende ist dabei so offen, dass sich eine Fortsetzung aufdrängt.