Im Krimidrama "Hartwig Seeler – Gefährliche Erinnerung" nimmt Matthias Koeberlin seine Arbeit als Privatdetektiv Hartwig Seeler auf: Der 44-Jährige verkörpert einen introvertierten Ex-Polizisten, der für seine Auftraggeber spurlos verschwundene Personen aufspürt. Der Vermisstenfall einer jungen Frau führt ihn auf eine kroatische Insel zu einer mysteriösen Vereinigung, die Menschen mit Hypnose bei seelischen Traumata behandelt. Wie gefährlich "falsche" Erinnerungen sein können, die sich wie "echt" anfühlen, erlebt der Ermittler schnell an sich selbst. Im prisma-Interview spricht Koeberlin über die Dreharbeiten, die Zusammenarbeit mit Regisseur Johannes Fabrick und warum er eigentlich Journalist werden wollte.

Warum muss man "Hartwig Seeler" gesehen haben?

Es ist eine spannende Geschichte mit vielen Facetten, die ohne Waffen und Leichen auskommt. Mehr Drama als Krimi.

Was hat Sie gereizt, die Figur des Hartwig Seeler zu spielen?

Ich mag seine Ambivalenz, seine Zerrissenheit. Und ich mag Figuren, die sich beruflich wie privat suchen. Beruflich ist er auf der Suche nach vermissten Personen, privat sucht er Antworten auf die Fragen, die den Tod seiner Frau betreffen. Seeler ist eine ungemein komplexe Persönlichkeit. Die Reise, auf die er sich begibt, ist für ihn auch eine Reise zu sich selbst. Seine Entwicklung, seine Zweifel und seine Ängste machen ihn für mich zu einer spannenden Figur.

Es ist ein Donnerstagskrimi, der ohne Gewalt, ohne Schusswaffe auskommt, am Ende auch niemanden anklagt …

Das haben wir bewusst so entschieden. Die Grenzen verschwimmen – es gibt keine Handschellen.

Wie haben Sie sich Ihrer Rolle des Hartwig Seeler genähert?

Ich habe mich der Figur in Rückkopplung mit Johannes Fabrick, dem Regisseur und Drehbuchautoren, mit all ihren Farben und Facetten angenähert. Johannes hat alle Kollegen vor Drehbeginn für eine Woche zusammengerufen, damit wir gemeinsam proben konnten. Das war toll und außergewöhnlich.

Wie nah ist Ihnen dieser Hartwig Seeler, hätten Sie gerne was von ihm?

Das denkt man ja bei Figuren, die man spielt, häufig: Von dem könntest Du dir glatt eine Scheibe abschneiden. Ich hätte gerne mehr von seiner Ausgeglichenheit und seiner Ruhe, das Stoische eben.

Sie spielen häufiger Rollen, in denen sie in irgendeiner Weise ermittelnd tätig sind. Ist das ein Faible?

Überhaupt nicht. Das hat sich einfach so ergeben. Das Ermitteln steht für mich auch generell nicht im Vordergrund. Ich mag die Figuren, die dahinter stehen, die für mich spannend zum Spielen sind.

Seeler ermittelt in einer spirituellen Gemeinschaft. Er stellt Erklärungsmodelle, die man aus dem ziehen kann, was man in einem Trancezustand erlebt, in Frage. Trügen uns unsere Erinnerungen?

Die Erinnerungen und die Frage, ob diese wahrhaftig oder gefälscht sind, finde ich sehr faszinierend. Inwieweit stimmen oder trügen uns unsere Erinnerungen? Wie weit kann das Unterbewusstsein wahre Erinnerungen von denen unterscheiden, die es nur scheinbar gegeben hat? Ich hatte mit Hypnose vorher keine Berührung. Aber Johannes Fabrick hat das gelernt und kann das. Es war interessant, sich darauf einzulassen – auch wenn ich nicht ganz weg war.

Inwiefern waren die Dreharbeiten eine Herausforderung?

Eine große Herausforderung! Die Auseinandersetzung mit Hypnose und gefälschten Erinnerungen war intensiv wie lehrreich. Ich hatte viel zu tun, Seeler ist ja praktisch in jeder Szene drin. Die zwei Drehtage mit Schwimmen und Tauchen auf dem offenen Meer waren zudem körperlich anstrengend.

Apropos Meer, die kroatische Adria-Küste ist sehr malerisch – was für ein Kontrast zur Handlung des Films …

Ich habe den Kontrast zwischen der traumhaft schönen Landschaft, das war ja fast so romantisch-verkitscht wie bei Pilcher, und der Geschichte, die wir erzählen, als sehr inspirierend empfunden. Schließlich hat die Natur enormen Einfluss auf die Seele und den Blick auf die Dinge.

Wie war die Zusammenarbeit mit Regisseur Johannes Fabrick?

"Hartwig Seeler" war bereits unsere dritte Zusammenarbeit. Ich freue mich immer über seinen Anruf. Johannes ist ein wahnsinnig spannender Regisseur und humorvoller Mensch, der sehr akribisch arbeitet. Er pusht mich über Grenzen hinweg. Man kann es sich bei ihm nicht gemütlich machen.

War die Schauspielerei Liebe auf den ersten Blick?

Überhaupt nicht. Es eher eine Notlösung. Ich bin über Umwege in Babelsberg gelandet. Eigentlich wollte ich mit 16, 17 Jahren Journalist werden, eben große Reportagen schreiben, immer irgendwelchen investigativen Quellen auf der Spur. Was für eine verklärte Vorstellung …

Was ist Ihre DNA als Schauspieler?

Mir liegt das kleine, reduzierte Spiel vor der Kamera, nicht so sehr das Theatralische. Ich fühle mich auf der Bühne nicht so wohl. Aber sie ist dennoch ein Sehnsuchtsort für mich - und vielleicht finden wir ja irgendwann noch zusammen.

Wie bewältigen Sie den Spagat zwischen dem Rampenlicht und dem Recht aufs Private?

Ich habe da eine klare Linie gezogen. Die Berlinale ist für mich ein "Muss", aber ansonsten halte ich mich von roten Teppichen fern. Das gilt auch für die sozialen Netzwerke wie Facebook, Instagram & Co.

Wenn Sie heute noch mal ganz neu anfangen müssten, dann wären Sie …

… trotz zwei linker Hände und zehn Daumen vermutlich im Handwerk gelandet – Schreiner oder Gärtner vielleicht. Das würde mir sicher Spaß machen. Aber zum Glück bin ich ja Schauspieler geworden. Ein Beruf, der mich erfüllt und sehr glücklich macht.