In Fantasy-Filmen tauchen sie wie selbstverständlich auf. Doch woher kommen unsere Vorstellungen von Fabelwesen wie Einhörnern oder Drachen? Eine neue TV-Doku versucht sich allen Ernstes an einer Spurensuche.

Bereits vor 5.000 Jahren wurde er im prähistorischen Mesopotamien erstmals abgebildet: der Drache. Seither stiftet das mächtige Wesen Faszination, schürt Angst und lehrt Ehrfurcht. Während hierzulande das Bild von Drachen vor allen Dingen durch den Drachentöter Siegfried geprägt ist, entgegnen ihm Menschen in Asien in einem Verhältnis des Respekts und der Wertschätzung. Woher kommen diese unterschiedlichen Konzeptionen? Warum hat der Drache Flügel und spuckt Feuer? Und an welche anderen mythischen Wesen glaubt der Mensch? Die durchaus ernst gemeinte ZDF-Dokumentation "Terra X: Monster und Mythen" (Sonntag, 18. November, 19.30 Uhr) versucht mit Vorurteilen aufzuräumen und natürliche Erklärungen für den Glauben an Fabelwesen zu finden.

Für die Suche nach den Spuren der Drachen reisten "Terra X"-Autorin Ruth Ornphalius und Regisseur Carsten Gutschmidt in entlegene Winkel dieser Welt. Unter anderem begaben sie sich in den Schlund des tiefsten Lava-Schachts der Erde in Island. 120 Meter tief im Untergrund erwarten die beiden nicht nur beeindruckende Bilder, sondern auch Eindrücke, die das kulturell bedingte Bild von Drachen teilweise erklären. Denn die geflügelten Wesen wurden im Mittelalter als Symbol für das personalisierte Böse gesehen, dazu galten Vulkane als Hort der Hölle. Dass Drachen Feuer speien können, komplettiert das Bild.

Während beim Drachen relativ viel überliefert wurde, ist der Ursprung eines weiteren Fabelwesens, das der Film vorstellt, weitaus verborgener. Einhörner gelten gemeinhin als reines, wunderschönes Geschöpf. Wie die Doku offenbart, gehen die Darstellungen der Vergangenheit aber so weit auseinander, dass auch heute nur Spekulationen über die Herkunft von Einhörnern existieren. Selbst Paläontologen, die das Filmteam begleitet, kommen trotz vermeintlicher Knochenfunde zu keinen neuen Ergebnissen.

Die Wurzeln von Mythenbildungen müssen aber nicht zwingend in weiter Vergangenheit liegen. Beweis dafür ist der Chupacabra, ein Fabelwesen der Moderne aus Lateinamerika, das im "Terra X"-Beitrag in den Fokus rückt. Angefangen in Puerto Rico verbreitete sich die von Angst behaftete Vorstellung einer tödlichen Bestie mit langen Fangzähnen und spitzen Krallen bis in die USA und Südamerika. Gerade das Internet als "Brutstätte von Schauergeschichten" trage seinen Teil dazu bei, wie die Dokumentation erläutert. Letztlich stoßen die Filmemacher aber auf eine überzeugende biologische Erklärung hinter dem Mythos Chupacabra.

Angereichert durch Expertenmeinungen von Germanisten, Biologen, Historikern und Anthropologen, gelingt es der dreiviertelstündigen Doku, so manchen Mythos zu erklären und auf kulturelle oder naturwissenschaftliche Phänomene zurückzuführen. Trotzdem vermag es der Film natürlich nicht, die Geheimnisse hinter den meist schaurigen Geschichten zu lüften. Dank aufwendigen Animationen werden aber manche Kreaturen vorübergehend zum Leben erweckt. Ein beeindruckendes TV-Vergnügen ist das Ganze also allemal.


Quelle: teleschau – der Mediendienst