Skandale des Showmasters

Thomas Gottschalk polarisiert: Ein Überblick über seine größten Fauxpas

02.01.2026, 11.36 Uhr
Thomas Gottschalk polarisiert mit einem Modestil, der selbst Karl Lagerfeld zum Spott animiert. Von Skandalen bei Preisverleihungen bis hin zu Sexismus-Vorwürfen: Gottschalk bleibt ein Meister der Kontroversen.
Thomas Gottschalk und Heidi Klum
Wo immer Thomas Gottschalk (75) auftritt, polarisiert der Showmaster. Ein Blick auf seine früheren Auftritte zeigt: Besonders Frauen verleiteten ihn immer wieder zu dem einen oder anderen Fehltritt. So küsste der Entertainer in der Sendung „Wetten, dass..?“ im Jahr 2005 in Berlin beispielsweise Topmodel Heidi Klum (52).  Fotoquelle: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild/Pool | Soeren Stache

Ein Teil des Erfolgs von Thomas Gottschalk ist auch in der Tatsache begründet, dass er polarisiert. In seiner jahrzehntelangen Karriere leistete sich der 75-Jährige zahlreiche Fauxpas. Wir blicken auf einige davon.

Stilbruch mit Ansage: Thomas Gottschalks modische Provokationen

Für manche gilt bereits Gottschalks Kleidungsstil als Affront. Das begann schon bei „Na sowas!“, als „Thommy“ mit Schlappen, Jeans, Shorts und Micky-Maus-Shirt auftrat. Bei „Wetten, dass..?“ setzte er diesen Stilbruch fort: grellbunte Sakkos – gern aus Samt und mit Borte –, dazu Ausflüge in den Grufti-Look, Kitsch-Trachten, ja sogar in den Schottenrock.

Einer, der sich über diesen Modestil besonders spöttisch geäußert haben soll, war Karl Lagerfeld. Umso weniger überraschend war es, dass sich Thomas Gottschalk nach dem Tod des Modezaren im Jahr 2019 nicht gerade schmeichelhaft über ihn äußerte. Dabei ging er allerdings einen Schritt zu weit: „Er war natürlich ein Lästermaul“, sagte Gottschalk. Auch wenn er sich im weiteren Verlauf des Interviews versöhnlicher zeigte, blieb der Satz ein klassischer verbaler Fehltritt – ganz im Stil Gottschalks.

Thomas Gottschalk sorgt beim Bambi für Irritationen

Eigentlich soll Thomas Gottschalk am 13. November 2025 nur Cher den Legenden-„Bambi“ verleihen und dabei ein paar Worte sagen. Da er die Pop-Ikone schon mehrmals als Gast in seinen Sendungen begrüßen durfte, wirkte das wie eine gute Entscheidung. Doch der 75-Jährige scheint nicht ganz auf der Höhe zu sein. So vergreift er sich – mal wieder – im Ton, als er über die Preisträgerin redet: „Die einzige Frau, die ich je in meinem Leben ernst genommen habe.“



Nicht nur Gottschalks Frau Karina soll daraufhin sauer gewesen sein. Er erntet auch direkt Buh-Rufe aus dem Saal. Der einst so schlagfertige Moderator versucht vergeblich, sich kalauernd zu retten: „Cher, Cher. Nichts ist so schwer wie Cher!“ Der Auftritt, für den sich Gottschalk später entschuldigt, ist so verstörend, dass einige vermuten, der 75-Jährige leide unter Demenz. Das TV-Urgestein dementiert und erklärt, er habe nur einen Blackout gehabt.

Thomas Gottschalks Auftritt bei der "Diamant-Romy" sorgt für Stirnrunzeln

Ein Blackout kommt offenbar selten allein. Nur zwei Wochen später steht Thomas Gottschalk bei der Verleihung der österreichischen TV-Auszeichnung „Diamant-Romy“ selbst als Preisträger auf der Bühne. Zu Beginn nimmt er seine jüngsten Fehltritte noch mit demonstrativer Selbstironie: „Ich werde mich morgen wieder entschuldigen müssen“, sagt er – scheinbar souverän.

Doch wenig später gerät der Auftritt ins Stolpern. Gottschalk versucht mehrfach, „Romy“ und „Thommy“ aufeinander zu reimen, verhaspelt sich ungewohnt oft und startet schließlich einen irritierenden 30-Sekunden-Countdown. Erst als Hans Sigl („Der Bergdoktor“) ihm zur Seite springt, entspannt sich die Situation spürbar.

Gegen Ende setzt Gottschalk noch einen Satz, der erneut für Stirnrunzeln sorgt: Mit Blick auf den verstorbenen Superstar Michael Jackson sagt er wenig pietätvoll: „Michael ist weggebrochen, sozusagen als Konkurrenz.“ Ein weiterer Moment, der zeigt, wie schmal der Grat zwischen Selbstironie und Taktlosigkeit bei Gottschalk inzwischen geworden ist.

Ein Entertainer auf der Suche nach Maß

Einige lieben die Sprüche von Thomas Gottschalk. Andere unterstellen dem 75-Jährigen hingegen einen Hang zu Sexismus und Altherrenwitzen. Zwar scheint diese geschmacklose Unterart des Humors inzwischen so gut wie ausgestorben. Der Entertainer lieferte in den letzten Jahrzehnten jedoch so manches Beispiel, das an die schlechte alte Zeit erinnert.

Das war etwa der Fall, als er seine „Wetten, dass..?“-Co-Gastgeberin Michelle Hunziker mit den Worten „Fräulein, Sie können abräumen“ förmlich degradierte. Fans entschuldigen dieses Verhalten gewöhnlich mit dem Hinweis, das wären eben andere Zeiten gewesen.

Aber auch noch 2024 erklärte „Thommy“ in einer Podcastfolge bezüglich eines bevorstehenden Auftritts: „Wahrscheinlich muss ich Maite Kelly zur Seite schubsen, damit man mich sieht.“ Was für Gottschalk ein „harmloser Gag“ war, empfanden viele als peinliches Bodyshaming. Die Sängerin selbst reagierte souverän: „Ich war schon als Kind klug genug zu wissen, dass Menschen, die auf solche Plattitüden zurückgreifen, nur mein Mitleid verdienen.“

In der im Oktober 2024 ausgestrahlten Sendung des „Kölner Treff“ gelobte Gottschalk zwar irgendwie Besserung, aber auf merkwürdige Weise: „Heute ist es so, dass ich erst mal nachdenke, bevor ich etwas sage.“ Was für die meisten Menschen längst eine Selbstverständlichkeit darstellt, dauert bei anderen offensichtlich etwas länger.

Thomas Gottschalks demonstrative Nähe zu weiblichen Gästen

Als Thomas Gottschalk „Wetten, dass..?“ moderierte, waren attraktive weibliche Gäste ein fester Bestandteil der Samstagabendshow. Immer wieder fiel dabei seine demonstrative Nähe zu den Frauen auf – inklusive Berührungen, die aus heutiger Sicht zumindest erklärungsbedürftig wirken. Darauf angesprochen, relativierte Gottschalk 2024 in einem Interview mit dem Spiegel: „Ich habe Frauen im TV rein dienstlich angefasst.“ Seiner Erinnerung nach habe er lediglich „zweimal jemandem ans Knie gefasst“.

Ein Blick in ältere Sendungen lässt diese Darstellung jedoch zumindest unvollständig erscheinen. Im Netz kursieren zahlreiche Szenen, in denen Gottschalk deutlich körperlicher wird – unter anderem mit Sarah Connor, Jennifer Garner, Heidi Klum, Catherine Zeta-Jones sowie den Spice Girls. Für zusätzliche Irritation sorgte ein als scherzhaft gemeinter Kommentar des Moderators: „Außerdem haben die doch gesungen: ‚If you wanna be my lover‘.“

Kritik an Gottschalks Verhalten gab es bereits vor vielen Jahren. So hieß es 2007 in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, man müsse ihm „endlich mal gewaltig auf die Finger klopfen“, da es nicht angehen könne, „dass man sich nur als Freak verkleiden muss, um das Betatschen schöner Frauen vor zwölf Millionen Zuschauern als gesellschaftsfähiges Verhalten zu etablieren.“

Ohrfeigen als Erziehungsmittel oder strafbare Körperverletzung?

Oft empfindet Thomas Gottschalk die Kritik an seiner Person als ungerechtfertigt. Eine besonders heikle Grenzüberschreitung räumt er jedoch selbst ein. In seinem Buch Herbstblond schreibt der selbsternannte „konservative Knochen“, dass er seine Kinder geschlagen habe. Dabei betont er einen Aspekt ausdrücklich: „Ich habe die Ohrfeigen immer aus Frust verteilt und nicht aus Überzeugung, wie es meine Mutter getan hat.“ Ob diese Differenzierung die Tat relativiert, bleibt fraglich – immerhin gibt Gottschalk an, die Ohrfeigen zu bedauern.

Ganz abgeschlossen ist das Thema damit allerdings nicht. Denn typisch für Gottschalk ist, dass er Zugeständnisse oft mit einem nachgeschobenen Kommentar wieder abschwächt. So greift er zu einem bekannten Argument: „Mir haben die Ohrfeigen, die ich bekommen habe, nicht geschadet.“ Ob das tatsächlich zutrifft, darf bezweifelt werden. Eine sehr klare Haltung dazu hat jedenfalls Jörg Kachelmann, der kommentierte: „Wenn er damals angezeigt worden wäre, wäre er heute verurteilter Straftäter. Aber es kam anders – und er ist heute zu einem Idol für dumme, alte und weiße Kartoffeln geworden.“

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