Wolfgang Petry im Interview

"Früher war ich meist der Loser in meinen Songs"

05.10.2021, 14.47 Uhr
von Marcus Italiani
Auf dem Boden geblieben: Wolfgang Petry.
Auf dem Boden geblieben: Wolfgang Petry.   Fotoquelle: Manfred Esser

Wahnsinn! Wolfgang Petry denkt auch mit 70 Jahren nicht an die Rente, sondern beschert seinen Fans mit "Auf das Leben" ein neues Album, das nicht nur musikalisch unglaublich vielseitig daherkommt, sondern auch die berühmte optimistische Botschaft transportiert. prisma sprach mit dem Sänger über Veränderungen und Konstanten.

Herr Petry, ist die 70 eine große Zahl für Sie?

Petry: Nein, eher ein Durchlaufpunkt für weitere Taten. Wie kam es seinerzeit eigentlich zum Rücktritt vom Rücktritt?

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Petry: Das geschah 2014 bei einer Album Produktion für meinen Sohn, plötzlich liebte ich die Töne wieder. Aber richtig zurückgekommen bin ich ja nie, denn ich mache nach wie vor keinerlei Auftritte.

In "Rattenscharf" geben Sie Ihren Fans eine zusammengefasste Erklärung für das Weitermachen, oder?

Petry: "Rattenscharf" beschreibt mein damaliges Tourleben und die ganz besonderen Momente mit meinen Leuten.

"Auf das Leben" ist ein optimistischer Titel. Was macht das Leben für Sie besonders lebenswert?

Petry: Da wir alle nur einmal leben, sollten wir jeden Tag zu etwas Besonderem machen.

"Von Vorne" hat einen echten Rio-Reiser-Touch. Was steckt dahinter?

Petry: Der Titel handelt von den Reizen, die die Welt für uns bereithält, den Gefahren denen wir täglich ausgesetzt sind und was daraus resultieren kann.

Wofür steht der deutsche Schlager für Sie in der heutigen Zeit, wenn Sie das Genre mit den 70er/80ern vergleichen?

Petry: Früher waren Texte und Musik viel biederer. Heute kann's gar nicht frech genug sein.

Ihre Texte sind im Grunde immer Mutmacher. Woher kommt der grenzenlose Optimismus?

Petry: Früher war ich meistens der Loser in den Songs. In den letzten Jahren kam ‘ne Menge Lebenserfahrung hinzu, und so wurden die Texte immer positiver.

Waren Sie nie in einer Situation, in der Sie einfach mal aufgeben zu wollen?

Petry: Ja die gab es. 1990 hatte meine damalige Plattenfirma den Vertrag mit mir aufgekündigt und ich dachte mein Weg ist hier beendet. Dann kam aber "Verlieben, verloren, vergessen, verzeih'n" dazwischen, und ich durfte noch mal ran.

Sie engagieren sich gesellschaftlich gegen Diskriminierung. Wie steht es aktuell um die Aktion "Mut zur Menschlichkeit"?

Petry: Mittlerweile gibt es "Mut zur Menschlichkeit" nicht mehr. Zum Schluss stand ich ganz allein da, aber wir hatten bis dahin einigen Leuten helfen können. Somit hatte die Sache Ihren Sinn gehabt. Heute mache ich ganz spontan irgendwelche Dinge, wenn ich spüre, ich werde gebraucht.

Der Rechtsruck in vielen Teilen der Gesellschaft wird durch die Pandemie noch befeuert. Ist man als Künstler, der seit Jahrzehnten dagegen Zeichen setzt, nicht einfach mal bedient, bei so viel Unbelehrbarkeit?

Petry: Ich glaube, rechtes Gedankengut sucht sich meistens einen Weg durch die verschiedensten Begebenheiten und Katastrophen, und so bekommen sie immer wieder neue Aufmerksamkeit. Darum bin ich froh, dass ich einem Interview danach befragt werde und ich Stellung beziehen kann. Es gab vor etlichen Jahren mal ein Lied von mir „Scheiße ist braun“ – und das trifft es ganz genau.

Sie waren ja auch an der Entstehung des Musicals "Wahnsinn" beteiligt. Wie beurteilen Sie die Produktion heute?

Petry: Das Ganze war sehr erfolgreich, und im Moment arbeitet man an einem etwas anderen Konzept. Das darf ich, glaube ich, jetzt schon sagen.

Deckt sich das Musical-Publikum mit den Fans in Ihren Konzerten oder gibt es da Unterschiede?

Petry: Da ich nur einmal zu Gast war kann ich das nicht objektiv beantworten. Ich denke aber, dass das Publikum schon irgendwie eine Beziehung zu mir hat.

Wenn Sie die Wahl hätten, eine riesige Produktion mit allem, was Sie sich wünschen, auf die Bretter zu bringen – wie würde die aussehen?

Petry: Wer mich kennt der weiß, bei mir war immer alles schlicht und einfach. Ich habe mich immer aufs Wesentliche beschränkt, und dass Große an so einer Produktion war die Gemeinsamkeit. Heute würde ich alles noch mal genauso machen.

Würden Sie eine solche Show lieber als Wolle Petry oder als Pete Wolf spielen?

Petry: Mir hat mal einer geschrieben: "Wolle komm bitte wieder auf die Bühne, den Pete Wolf kannst du meinetwegen auch mitbringen."

Werden wir Sie zum neuen Album wieder auf der Bühne erleben?

Petry: Selbst wenn ich wollte, würde das im Moment bei der Pandemie für mich keinen Sinn machen. Bei meinen Auftritten hat es nämlich nie Abstände gegeben!

  • Neues Album "Auf das Leben" ist ab sofort im Handel erhältlich.

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