"Die Brücke": Kritik zum Antikriegsfilm mit Fritz Wepper im BR
"Im Westen nichts Neues", der andere berühmte Antikriegs-Stoff deutscher Herkunft, wurde 2023 mit internationalen Preisen überhäuft – darunter vier Oscars. Doch nicht immer braucht es eine Neuverfilmung, um die Wucht einer alten Geschichte oder auch eines alten Films beim "Rewatch" in der Gegenwart zu spüren. Bernhard Wickis Original-Meisterwerk "Die Brücke", den der BR nun als Wiederholung zeigt, ist so ein Fall. Obwohl es Versuche gab, den bestechenden Plot in Bilder der Gegenwart zu transportieren – zum Beispiel über eine ambitionierte ProSieben-Verfilmung aus dem Jahr 2008 –, das in Schwarz-Weiß gehaltene Original von 1959 wirkt immer noch beeindruckend dicht erzählt und von der Kamera eingefangen.
Erzählt wird die dramatische Geschichte von sieben 16-jährigen Jungen im April 1945. In den letzten Tagen des Krieges werden sie von der Schulbank weg eingezogen. Ein Hauptmann hat Mitleid mit den Teenagern und positioniert sie weitab der Gefahr – so glaubt er. Ihr Auftrag: Sie sollen die Brücke vor den Toren einer kleinen deutschen Stadt verteidigen. Doch durch einen idiotischen Zufall kommt der einzig erfahrene Anführer der Möchtegern-Soldaten (Günter Pfitzmann) ums Leben.
"Die Brücke" im BR: Sieben Schüler im letzten Kriegsaufgebot
Auf sich allein gestellt, beschließen die Jungen, eisern durchzuhalten. Bis zum Schluss. Koste es, was es wolle. Und es kostet viel: Bei einem Tieffliegerangriff kommt der kleine Sigi (Günther Hoffmann) ums Leben, als er sich unbedingt als harter Kerl beweisen will. Getrieben von einer Mischung aus nationaler Begeisterung und Rachegefühlen stellen sich daraufhin die blutjungen Soldaten den vorrückenden amerikanischen Panzern entgegen – und steuern geradewegs in die Tragödie. Die bittere Absurdität ihres Einsatzes zeigt sich gegen Ende des Films: Die letzten überlebenden Jugendlichen müssen miterleben, wie ein deutsches Kommando anrückt, um die Brücke zu sprengen – schließlich sei die "strategisch völlig unwichtig".
Exemplarisch führt Wicki in "Die Brücke" am Unsinn eines einzelnen Auftrags den Wahnsinn des gesamten Krieges vor Augen. Ein zeitloses Meisterwerk, das kompromisslos Anklage erhebt und unzweifelhaft das Prädikat Antikriegsfilm verdient.
Bernhard Wickis "Die Brücke": Auszeichnungen und Besetzung
Für die Darsteller, darunter auch Fritz Wepper, Volker Lechtenbrink, Michael Hinz und Volker Bohnet, wurde dieser Film zum prägenden Erlebnis – und für einige auch zum Steigbügel für die Karriere. Der Österreicher Bernhard Wicki starb im Alter von 80 Jahren im Januar 2000 in München. Für "Die Brücke" gewann er 1960 unter anderem fünf Deutsche Filmpreise, einen Golden Globe Award als bester ausländischer Film und eine Nominierung für den Oscar als bester fremdsprachiger Film.
Die Brücke – Fr. 10.07. – BR: 22.50 Uhr
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Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH