Fred Schepisi

Fred Schepisi
Geboren: 26.12.1939 in Melbourne, Australien

Fred Schepisi, Sohn eines Gemüsehändlers aus Melbourne, setzt im Alter von 13 Jahren seinen Kopf durch, aktiv in der katholischen Kirche zu wirken. Er besucht ein Priesterseminar, merkt aber bald, dass das doch nicht das richtige ist. So entschließt er sich, in die Werbung zu gehen. Er wird Bote, kommt auf vielen Umwegen ins Fernsehstudio, wo er mit 17 bereits eine Abteilung leitet.

Als 25-Jähriger kauft er gemeinsam mit den Freunden Alex Stitt und Bruce Weastherhead die Firma Cine Sound Melbourne, 1966 nennt er das Unternehmen um in "Film House". Und das wird eine der bekanntesten Filmgesellschaften Australiens.

Am Beginn von Schepisis Filmkarriere steht aber - wie es für australische und neuseeländische Filmemacher schon fast obligatorisch ist - eine Karriere als Werbefilmer. Das bringt ihm schließlich zweierlei: einen guten Namen hinsichtlich gestalterischer Ideenvielfalt sowie eine vielseitige Praxiserfahrung. 1969 entsteht der kurze Experimentallfilm "The Party", dann folgt der halbstündige Film "The Priest", und schließlich dreht er seinen ersten abendfüllenden Spielfilm unter dem Titel "Spielplatz des Teufels" (1976).

Kennt man die Lebensgeschichte Schepisis, so wird sofort deutlich, dass die in einer katholischen Klosterschule spielende Geschichte auf eigenen Erfahrungen beruht. Die Probleme zwischen den strengen Ordensregeln und der beginnenden Pubertät werden ebenso kritisch wie unpolemisch behandelt.

Mit dem gleichen kritischen Ernst beschäftigt sich Schepisi zwei Jahre später in "Die Ballade von Jimmie Blacksmith" mit der Ausrottung der Aboriginals, die eine starke Parallele zur Ausrottung der Indianer in den Vereinigten Staaten aufweist. Elitärer Rassismus und Klassendenken, sowie die Arroganz der Kolonialisten sind die Basis. Der Mischling Jimmy Blacksmith, Protagonist des Films, erkennt diese Gründe und handelt. Mit beispielloser Brutalität tötet er weiße Einwanderer. Doch der Film, bei der Kritik hochgelobt, brachte Schepisi in kommerzielle Schwierigkeiten. Verärgert über die Situation verlässt er Australien und unterschreibt einen Vertrag bei der Centfox.

"Die Legende vom Banditen Barbarossa" entsteht 1981 in den USA. Dieser Neowestern erinnert in seinem mystifizierenden Stil eher an die Samurai-Sagas der Japaner als an amerikanische oder italienische Vorbilder. Ein Alter und ein Junger sind beide in mörderische Blutrache verstrickt, die sie belastet. Der weise Alte kümmert sich um den Jungen, lehrt ihn, zu überleben. Sterbend bittet der Alte den Jungen, seinen Tod vor den anderen geheim zu halten. Der Junge, nun weise, hält die Legende am Leben.

Kein Ruhmesblatt war der 1984 entstandene Sciencefiction-Film "Iceman - Der Mann, der aus dem Eis kam". Ein tiefgefrorener Neandertaler wird aufgetaut, doch er zerbricht am Kulturschock. SF-Experte Norbert Stresau urteilte: "Langatmiger SF-Film, der sich fürchterlich ernsthaft gibt und in Wahrheit doch mit den ältesten Klischees der Filmgeschichte handelt."

Auf diesen engagierten, aber schwachen Film folgen zwei gut gemachte kommerzielle Arbeiten: "Roxanne" (1987, eine Variation des Cyrano de Bergerac mit Steve Martin und Daryl Hannah und der Meryl-Streep-Film "Eine demanzipierte Frau" (1987)

Mit "Das Russland-Haus" entsteht 1990 ein hochinteressanter Spionagefilm. Mit dem Agentenarsenal aus den finstren Tagen des Kalten Krieges soll Verleger Barley Blair alias Sean Connery für den britischen Geheimdienst nach kurzer, eindringlicher Instruktion in Moskau schnüffeln. Denn bei der ehrenwerten Organisation ihrer Majesty ist man trotz Glasnost und Perestroika den althergebrachten Methoden treu geblieben. Wäre die neue US- Produktion nach dem Roman von John Le Carré so naiv wie sich die knappe Story anhört, so hätten weder Stars wie Sean Connery oder Klaus Maria Brandauer, noch ein Drehbuchautor wie Tom Stoppard das aufwerten können. Doch die Geschichte ist - genau betrachtet - viel differenzierter.

Schepisi gelang mit "Das Russland-Haus" ein erstaunlich sicher gemachter Unterhaltungsfilm. Schwer zu sagen, ob die knisternde Liebes- und Dreiecksgeschichte zwischen Brandauer, Michelle Pfeiffer und Connery oder die hintergründig-kauzige Parodie auf das klassische Agentenfilmgenre stärker wiegt.

Prisma Was hat sie bewogen, diese Russland- Geschichte heute zu realisieren?

Schepisi Ehrlich gesagt, bei mir überwog der lange gehegte Wunsch, die Atmosphäre von Moskau und Leningrad kennenzulernen. Als ich das Script las, verstärkte sich dieser Wunsch. Dann traf ich John Le Carré und Tom Stoppard; das Projekt nahm Gestalt an, und als die Besetzung des Blair mit Connery sicher war, sorgte ich für die Finanzierung. Dann fuhr ich in die Sowjetunion, und das war die Erfüllung eines Traumes.

Prisma Fred Schepisi zeichnet selbst als Produzent verantwortlich...

Schepisi Das ist wichtig für die komplizierte Realisierung. Denn Glasnost und Perestrojka hin und Superstar Connery her - ohne die glücklichen Dreh- und Produktionsbedingungen in der UdSSR, etwa mit einem getürkten tschechischen oder ungarischen "Rußland", wäre es die halbe Freude gewesen. Ohne die Möglichkeit, an Originalschauplätzen zu drehen, hätte mich das ganze nicht interessiert. Es war ein Glücksfall, daß der Regisseur und Filmminister Elem Klimow vorhatte, teilweise im Westen sein ambitioniertes Bulgakow-Projekt "Meister und Margarita" zu drehen. Wir wurden uns schnell einig: Wir boten Klimow Produktionshilfe und West-Verleih an; er unterstützte uns großzügig in Moskau und Leningrad und wird unseren Film in der Sowjetunion herausbringen. So ist beiden Seiten geholfen. Und man spürt es diesem "RußlandHaus" an, daß hier eine völlig ungezwungene Dreh-Atmosphäre herrschte.

Prisma Wie aber kam Ken Russell,das britische Regie-Enfant-Terrible als Agent in die Schauspielerriege?

Schepisi Er ist doch prima, nicht? Ja, mir war ein guter Mann ausgefallen, und ich mußte plötzlich an Russells Physiognomie denken. Ich wußte überhaupt nicht, ob der auch spielt. Aber ich fand ihn als Typ toll. Wir haben bei ihm nachgefragt, er war sehr belustigt und sagte sofort zu.

In der Tat ist Russell kein Lückenbüßer. Neben Roy Scheider, James Fox, Klaus Maria Brandauer und Michelle Pfeiffer paßt er genau in diese elegant ironisch erzählte Kinostory. Und selbst wenn Moskau und Leningrad immer wieder allzu schön und phantastisch im Bild erscheinen, so paßt das voll in diesen gelungenen Film, der zwar einen realistischen Hintergrund hat, sich diesem aber verschmitzt und spielerisch nähert: Hollywood made in Russia!

"Wilde Kreaturen" (1996) haben Robert Young und Fred Schepisi mit John Cleese, Jamie Lee Curtis, Kevin Kline und Michael Palin gemeinsam realisiert. Das Erfolgsteam aus "Ein Fisch namens Wanda" macht erneut Furore und schießt aus allen Rohren ein Slapstick-Feuerwerk auf boomende Abenteuerparks und Unternehmer-Wahn. Dabei schafft es Power-Frau Curtis spielend vom Rundfunksender zum Abenteuer-Zoo zu wechseln, denn die Firma Octopus sieht in der Freizeitindustrie eine größere Marktchance. Und schließlich - so die satirische Botschaft des Films - ist es Industrieunternehmen ja auch völlig egal, mit was sie Geld machen...

Das Gespräch mit Schepisi führte Heiko R. Blum im Februar 1991 in Berlin.

Weitere Filme von Fred Schepisi: "Ein Schrei in der Dunkelheit" (1988), "Mr. Baseball" (1992), "Das Leben - Ein Sechserpack" (1993), "I.Q. - Liebe ist relativ" (1994) und "Letzte Runde" (2001).


Zur Filmografie von Fred Schepisi
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