Percy Adlon

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Regisseur aus gutem Hause: Percy Adlon
Fotoquelle: Kinowelt
Percy Adlon
Geboren: 01.06.1935 in München, Deutschland

Im Hotel Adlon in Berlin verkehren berühmte Gäste. Josephine Baker, Thomas Mann, Charles Chaplin, die Dietrich und die Garbo. Lorenz Adlon eröffnet 1907 das Grand Hotel am Pariser Platz. Das ist der Urgroßvater des Filmemachers Percy Adlon, der 1996/97 eine Mischung aus Dokumentar- und Spielfilm für die ARD über die Geschichte jenes Hotels dreht.

Percy Adlon ist das Gegenteil von Vertragsregisseuren beim Fernsehen oder auch im Kino: Er dreht, was ihn interessiert. Das führt auch dazu, dass jeder seiner Filme mit sehr viel Liebe und Umsicht gedreht ist. Man spürt gleich, wenn man ihn am Set besucht, wieviel Ruhe, Energie und Übersicht er ausstrahlt. Er bevorzugt vertraute Figuren und liebt die Ruhe und Gelassenheit. Das sind keine hektischen Geschichten: "Auf die Zuschauer wird im Kino genug eingedroschen." Er ist ein Mann, der Tugenden erkennt und hochhält. Altmodisch? "Wenn's sein muss, auch das." Adlon hält etwas von Tugenden, von Tradition. "Doch ich verstehe sehr gut, dass viele solchen Begriffen gegenüber skeptisch sind. Viele haben ja damit sehr schlechte Erfahrungen gemacht."

Adlon, der in Ammerland am Starnberger See aufgewachsen ist, spielt während des Studiums der Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte am Studententheater. Später ist er auch an anderen Bühnen etwa als Goethes Orest und als Orlowski in der "Fledermaus" zu sehen. Beim Bayerischen Rundfunk bearbeitet und kommentiert er literarische Sendereihen und fertigt Originalton-Hörspiele, später folgen auch Tätigkeiten beim Bayerischen Fernsehen. 1979 erhält Percy Adlon den Grimme-Preis für einen Film über Robert Walser, "Der Vormund und sein Dichter". Sein erster Kinofilm ist "Céleste" (1981), über jene Frau, die neun Jahre lang Haushälterin und Vertraute des besessenen Schriftstellers Marcel Proust bis zu seinem Tode war.

Der 1983 entstandene Film über Sophie Scholl "Fünf letzte Tage" zeigt die Begegnung der Widerstandskämpferin mit einer älteren Frau im Münchner Gestapo-Gefängnis, also das Porträt einer Frau, weitgehend reflektiert durch eine andere Person. Adlon gelingt es, diese beiden Frauen von ihrer privaten, psychischen Seite zu charakterisieren. Eine Familiengeschichte aus der Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts versucht Adlon seinen Zuschauern 1983 mit der Verfilmung von Annette Kolbs autobiografisch gefärbtem Film "Die Schaukel" nahezubringen, doch das Kinopublikum nimmt die Geschichte nicht an. Richtig erfolgreich wird Adlon erst seit der Zusammenarbeit mit Marianne Sägebrecht: Sie besetzt er in seinem Fernsehspiel "Herr Kischott", und sie ist 1985 sein "Zuckerbaby", jene graue dicke Maus, die schön wird, als sie sich in einen U-Bahnfahrer verliebt.

Zwei Jahre später dreht Adlon in den USA den nächsten Film mit Marianne Sägebracht: "Out of Rosenheim", der sie in einer Liebesgeschichte mit Jack Palance zeigt. Der Film ist ein deutsches Road-Movie in Amerika. Die amerikanischen Highroads sind ein beliebtes und oft prätentiöses Tummelfeld für deutsche Filmer; hier nun hat einer von Bayern über den großen Teich ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten gefunden und einen heiteren, locker leichten Film gedreht, die Geschichte von der drallen Jasmin und der schwarzen Brenda, deren Sohn und dem Maler Cox, sowie all den anderen Typen hier fern der Zivilisation in der Wüste bei Las Vegas.

In "Rosalie goes shopping" (1988) arbeitet Adlon wieder mit Marianne Sägebrecht zusammen, diesmal mit weit weniger Erfolg. Beim Bayerischen Fernsehen inszeniert er Dokumentarfilme wie "Tomi Ungerers Landleben", "Mann und Frau im Gehäuse - über Gisela und Alfred Andersch", "Porträt deutscher Auswanderer", "Der Tänzer Heinz Bost", "Der Bilek", "Der echte Liliom - Porträt eines Schaukelburschen", "Witwen - Bemerkungen zu einem verdrängten Problem" und "Unterhaltung am Koffer - Karajans Orchesterdiener". "Salmonberries" (1991) ist eine Geschichte aus dem hohen Norden, dem Nordosten Alaskas. Eine Zwanzigjährige arbeitet in in einem Bleibergwerk. Sie begegnet einer älteren ostdeutschen Frau, deren Mann zwanzig Jahre zuvor bei einem Fluchtversuch aus der DDR erschossen wurde. Eine lesbische Liebe bahnt sich an. Auch mit diesem Film, der zu gestelzt und maniriert auf Bedeutungsschwere pocht, konnte Adlon an den "Out of Rosenheim"-Erfolg nicht anknüpfen.

Inzwischen dreht auch sein Sohn Felix Filme. Mit der Komödie "Abgeschmeckt" (1998) ist er allerdings noch weit davon entfernt, die Fußstapfen seines Vaters auszufüllen. Weitere Filme von Percy Adlon: "Younger and Younger" (1992), "In der glanzvollen Welt des Hotel Adlon" (1996), "Zirkus um Zauberflöte" (1998), "Hawaiian Gardens" (2000), "Dog$hit" (2001), "Mahler auf der Couch" (2010).

 


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