"100 Millionen Views" will Filmemacher Itamar Rose mit einem Video bei YouTube abgreifen – und scheitert mit seinem Selbstversuch. Dafür blickt er hinter das System eines Machtmonopols.

"Über meine Videos wurde in den nationalen Medien gesprochen. Sie wurden in berühmten Museen auf der ganzen Welt gezeigt", stellt sich Itamar Rose sich gleich zu Beginn vor. Doch der israelische Videokünstler muss zugleich zugeben: "Bei YouTube bin ich ein Flop!" Das will Rose ändern – mit einem viralen Hit. Er will auf der Video-Plattform "100 Millionen Views", so auch der Titel seines Films, der nun bei ARTE zu sehen ist, erreichen. Gespräche mit YouTube-Stars in den USA sollen ihm dabei helfen.

Mit seinem unbeholfenen selbstironischen Charme entlockt Rose den Klick-Sensationen wie dem "Double Rainbow Guy" oder dem Tierpräparator Chuck Testa auch einige Geheimnisse. Die haben irgendwie mit einer Beziehung zu Gott zu tun oder einem Bärenfell, unter dem Rose den skurrilen Testa sogleich "erschießt". Der Fehler des Israeli: Er wollte ausgerechnet auf YouTube eine Botschaft transportieren.

Katzenvideos, Schminktipps oder Baby-Videos waren da hingegen schon viel erfolgreicher. Rose hat passenderweise einen kleinen Sohn. Und er zeigt ihn. Als "Baby Hitler!!!, So Cute!!!", wie er seinen Clip nennt und den er online stellt. Die Reaktionen darauf sind eher unschön. "Fucking nazi! I will kill you!!!", heißt es mitunter.

Roses Film über das Geheimnis eines viralen Hits bleibt so lange amüsant-ironisch bis sarkastisch, bis er mehr und mehr über die Videoplattform erfährt. Mit seiner Gründung 2005 ermöglichte YouTube einst die globale Content-Demokratie. Die Plattform schuf Klick-Helden aber auch traurige Bettler um Abonnements. Ein nicht zu durchblickender Algorithmus, der wie ein Kommissar alles nach der genehmen Meinung bewacht, und veränderte Nutzungsbestimmungen zerstörten allerdings auch Existenzen. Die Plattform sei zu einer Geldmaschine verkommen, heißt es im Film. Und sie herrsche über ein Machtmonopol, das "Wachstum" der einzelnen Kanäle nur zulasse, wenn die Inhalte nur aus Sicht des Unternehmens korrekt seien.

Ein "Opfer" angeblich "gefilterter" Inhalte wurde Nasim Aghdam. Die YouTuberin, zunächst durchaus erfolgreich, sah sich durch die nach ihrer Sicht ungerechtfertigte Zensur einiger ihrer Videos "unterdrückt" und "entmutigt". Im vergangenen Jahr stürmte sie auf das YouTube-Gelände in San Bruno bei San Francisco und eröffnete das Feuer ...


Quelle: teleschau – der Mediendienst