Als 15-Jähriger floh Samir aus Afghanistan und kam nach Deutschland. Mittlerweile hat er einen Realschulabschluss, eine Lehrstelle und spricht hervorragend Deutsch. Eigentlich eine Erfolgsgeschichte. Doch noch immer droht ihm die Abschiebung.

Es ist eine Erfolgsgeschichte. Eigentlich! Vor fünf Jahren kam der junge Samir über die risikoreiche Mittelmeeroute nach Deutschland. Anfangs verstand der Afghane in der Schule in Wiesbaden kaum ein Wort – und seine Mitschüler ihn nicht bei dem Versuch eines Referats. Diese schwierige Zeit zu Beginn ist längst vorbei. Samir hat den Realschulabschluss. Er spricht hervorragend Deutsch, sogar ein bisschen mit hessischem Einschlag. Alle verstehen ihn. Und er hat eine Lehrstelle. Kälteanlagenbauer will er werden. Er werde die Ausbildung wohl schaffen, meint sein Chef zufrieden. Wenn er darf. Denn Samir droht die Abschiebung. Noch immer – nach Jahren in Deutschland, in seiner neuen Heimat, in der er doch mitten im Leben steht.

Über Samirs erste Jahre in Deutschland und seine Schulzeit hat Autorin Ulrike Schenk bereits in einem ersten Film im Rahmen von "37°" berichtet. Mit "Dann wäre ich ein gemachter Mann" legt sie nun sozusagen den zweiten Teil nach. Dieser zeigt zunächst einen gereiften 20-Jährigen, der selbstbewusst durch eine sonnige Einkaufsstraße schreitet. Dem gelingt wohl sehr viel, denkt der Betrachter. Tatsächlich aber ist bei ihm gar nichts mehr gewiss. "Meine Zukunft steht auf so einem Stück Papier. Ich kann ja gar nichts planen, weil ich nicht weiß, wie morgen die Politik aussieht und ob ich dann noch da bin", sagt Samir.

Sein "neues" Leben in Deutschland macht deutlich, wie vertrackt die Situation für viel Geflüchtete hierzulande sein kann. Der junge Mann hat eine immer irgendwie geforderte Integrationsleistung vollumfänglich erfüllt. Einen fixen Asylstatus aber hat er nicht erhalten. Angeblich, weil Afghanistan wieder sicher sei. Nur noch seine Berufsausbildung und die Klage seines Anwalts schützen ihn vor einer möglichen Abschiebung. Entscheidend für die Zukunft eines angehenden Facharbeiters, die Deutschland doch so händeringend sucht, ist jetzt nur noch eine Gerichtsverhandlung. Auf diese wartet Samir bereits seit mehr als zwei Jahren.


Quelle: teleschau – der Mediendienst