Wie wichtig Insekten für unsere Umwelt sind und welche dramatischen Folgen bei einem andauernden Massensterben drohen, zeigt die ARTE-Doku "Das große Insektensterben".

Für viele ist die Natur ein Rückzugsort, an dem sie die Probleme des Alltages für eine Weile vergessen kann. Einfach einmal durchatmen – am besten in der frischen Luft von Wäldern, begleitet vom Vogelgezwitscher und einer grünen Pflanzenvielfalt. Jeder schätzt wohl so ein Idyll, doch die Wenigsten wissen um den Wert von Insekten im Kreislauf des Lebens. Denn die kleinen Wesen sind viel mehr als lästige Quälgeister. Sie haben umfängliche und essenzielle Aufgaben in unserem Ökosystem. Umso alarmierender sind die jüngsten Forschungsergebnisse zur Artenvielfalt von Insekten, die die ARTE-Doku "Das große Insektensterben" nun schonungslos präsentiert. Der Beitrag offenbart ein rapide voranschreitendes Massensterben und eine Bedrohung für die Welt, wie wir sie kennen. Die Macher appellieren an die Gesellschaft und die Politik. Ohne ein rasches Umdenken droht ein unwiederbringlicher Schaden an der Natur, der uns Menschen mehr betrifft, als wir ahnen.

Aufbauend auf einer Langzeitbeobachtung des Entomologischen Vereins Krefeld im Oktober 2017, macht die knapp einstündige Dokumentation Halt bei diversen Forschungsprojekten, die allesamt eines gemeinsam haben: Sie bestätigen die frappierenden Erkenntnisse, die die Krefelder herausgefunden haben. Demnach sind in den letzten Jahren etwa 75 Prozent des weltweiten Insektenbestandes zugrunde gegangen, manche Arten sind sogar ausgestorben. "Die Situation ist extrem schlimm. Wir sprechen vom sechsten großen Artensterben", bestätigt der französische Biodiversitätsforscher Gael J. Kersoat in der Doku.

Kollaps des Ökosystems droht

Dabei sind es längst nicht nur die Insekten selbst, die von der Situation betroffen sind. Denn für viele Tiere, wie Frösche oder Vögel, sind die Insekten Nahrungsgrundlage. Ob als Bestäuber, Verwerter oder Jäger – Insekten halten den Lebenskreislauf von Ökosystemen am Laufen. Auch für den Menschen sind sie nützlicher Helfer. Wie der Agrarökologe Teja Tscharntke vorrechnet, liefern Bestäuber jährlich Nahrungsmittel, etwa Früchte, im Wert von 150 Milliarden Euro.

Was die Dokumentation aber vor allem vermittelt, ist die Tatsache, dass der Mensch diese Wichtigkeit von Insekten nicht zu schätzen weiß. Vielmehr noch, er ist Hauptverursacher des gigantischen Artensterbens. Pflanzenpestizide etwa schwächen Wildbienen und stören ihre sensiblen Orientierungssysteme. So finden viele von ihnen nicht zu ihrem Volk zurück und sterben. Andere Untersuchungen, denen der ARTE-Beitrag ein Forum bietet, benennen Flächenfraß oder die Versiegelung von Böden durch Agrarwüsten als Ursachen des Insektensterbens.

Eines macht der Film von Torsten Mehltretter klar: Es ist höchste Zeit, gegen diese menschengemachte Problematik vorzugehen. Dabei nimmt die Doku besonders die Politik und die Wirtschaft in die Pflicht, an einer zukunftsgerichteten Strategie zu arbeiten. Sonst droht der Kollaps ganzer Ökosysteme, so der überaus eindringliche Tenor. An Alternativen glaubt der amerikanische Evolutionsforscher Duane McKenna indes nicht: "Insekten haben sich im Laufe der Evolution dermaßen schnell entwickelt, dass es kaum möglich sein wird, sie zu ersetzen".


Quelle: teleschau – der Mediendienst