Ein schielender Löwe gehörte zu den ersten Tieren, die im Fernsehen zu Weltstars wurden. Clarence war sein Name, majestätisch seine Mähne, unstet sein Blick. 50 Jahre ist es her, dass die deutschen Zuschauer ihn und damit die Kultserie "Daktari" kennenlernten. Das wilde Jahr 68 war gerade zu Ende gegangen, die Mondlandung noch sechs Monate entfernt, da flimmerte die Dschungel-Krankenhaus-Serie am 4. Januar 1969 im ZDF erstmals über die hierzulande noch rar gesäten TV-Geräte.

Neben Clarence, dem Löwen, verhalf das zwischen 1966 und 1969 vom US-Tierfilmer Ivan Tors produzierte Kultformat auch dem menschlichen Hauptdarsteller Marshall Thompson zu Ruhm. Als Tierarzt Dr. Marsh Tracy – besser bekannt als der "Daktari", so das Suaheli-Wort für Doktor – kümmerte er sich in einem Wildreservat irgendwo in Afrika um verletzte Tiere und kämpfte mit Engagement gegen grausame Großwildjäger. Seine Tochter Paula (Cheryl Miller), der amerikanische Assistent Jack (Yale Summers) und der Einheimische Mike (Hari Rhodes) unterstützen ihn dabei.

Und dann war da ja noch Affenlady Judy, die gleich in der ersten Episode für Turbulenzen sorgte. Nachdem sie ein verwaistes Schimpansenbaby gefunden hatte, brachte es die beliebte behaarte Dame zur Pflege mit nach Hause. "Die Tiere in der 'Daktari-Sendung' tragen ausgesprochen menschliche Züge. Es ist falsch anzunehmen, dass man daraus etwas über das Verhalten von Tieren lernen kann. Hoffentlich nimmt niemand ernst, was da gezeigt wird", hatte bereits der berühmte Tierexperte Professor Bernhard Grzimek bei der deutschen Erstausstrahlung gewarnt.

Dennoch avancierte die Serie zum Straßenfeger – und sie stahl nicht wenigen die Freude an der samstags parallel laufenden "Sportschau". Die Wiederholungen sind ungezählt, zuletzt lief "Daktari" 2016 bei SAT.1 Gold. Stolze 450 Tiere standen für insgesamt 89 Folgen in vier Staffeln vor der Kamera, und das nicht etwa im afrikanischen Busch, sondern 45 Kilometer von Hollywood entfernt auf der Wildtierfarm "Africa/USA". Die "Starallüren" der tierischen Stars machten dabei immer wieder heitere Schlagzeilen. "Man weiß nie, wo er gerade hinschaut", klagte man am Set beispielsweise über Clarence, den für drei Millionen Dollar versicherten Löwen mit dem Silberblick.

Judy, die kapriziöse Schimpansendiva, trauerte nach dessen Tod so sehr, dass sie jeden neuen Partner biss, der nicht schielte – so die Legende. "Sie hat wohl ein falsches Löwenbild", mutmaßte "Daktari"-Produzent Ian Tors: "Sie drehte bisher nur mit dem schielenden Löwen und glaubt deshalb, jeder Löwe müsse schielen." Der Urwald-Doktor Marshall Thompson war nach seinem Serien-Erfolg noch in "Mord ist ihr Hobby" und einem "Dallas"-Fernsehfilm zu sehen. Von Hollywood wurde er nicht mehr vor die Kamera geholt. Er starb 1992 und spendete sein Erbe der "World Wildlife Foundation".


Quelle: teleschau – der Mediendienst