Zwei frustrierte Polizisten nehmen es im Kampf gegen einen Araberclan irgendwann nicht mehr so genau. Die Krimikomödie "Das Gesetz sind wir" nimmt sich selbst nicht zu ernst und ist gerade deshalb eine erfrischende Abwechslung.

"Ich habe die Schnauze so voll von der ganzen Scheiße. Eigentlich ist es doch egal, ob wir Streife laufen oder nicht. Am Ende sind wir doch immer die Gearschten", klagt der Polizist Klaus (Aljoscha Stadelmann) sein Leid. Gemeinsam mit seiner Kollegin Maja (Julia Koschitz) streift er mal wieder durch das nächtliche Bremen, vorbei an Feierwütigen, Immigranten, Obdachlosen und Kleinkriminellen. Vom Job, in dem sie ständig mit Enttäuschungen und Erniedrigungen zu kämpfen haben, sind die beiden nach vielen Jahren Dienst frustriert, Als eine Gruppe Jugendlicher dem Duo erneut auf der Nase herumtanzt, reicht es Klaus, und er schlägt zu. Zu diesem Zeitpunkt ahnt er in der ZDF-Krimikomödie "Das Gesetz sind wir" noch nicht, dass er gerade Ahmed Issa ("4 Blocks"-Star Rauand Taleb), dem Sohn eines mächtigen Clanchefs, die Nase gebrochen hat.

Der Nachwuchsgangster will das natürlich nicht auf sich sitzen lassen und veranlasst mithilfe seines schmierigen Anwalts Stefan Misovic (Marc Hosemann) ein Verfahren gegen den schlagkräftigen Beamten. Dabei schrecken Issa und seine Gefährten nicht vor Falschaussagen zurück. Die stets gesetzestreuen Polizisten Klaus und Maja sind schockiert. Doch als sie einen Koksdeal der Issas hopsnehmen und plötzlich auf zwei Kilo Drogen und einem Sack Geld sitzen, beginnen die braven Beamten selbst das Recht zu ihren Gunsten zu beugen. Nachdem jedoch sowohl Klaus' demenzkranker Vater Horst (Heiner Stadelmann) als auch Majas geliebte Hündin ins Fadenkreuz der Gangster geraten, muss das eingespielte Duo feststellen, dass mit dem Issa-Clan nicht zu scherzen ist.

Zwei auf den ersten Blick harmlose Polizisten und ein mächtiger Araberclan auf der anderen Seite: Die Ausgangssituation des launigen ZDF-Krimis wirkt alles andere als ausgeglichen. Doch der Grimmepreis-gekrönte Regisseur Markus Imboden nimmt weder sich noch seinen Film zu ernst. Resultat sind einige sehr amüsante Szenen, etwa wenn Julia Koschitz in bester Bonnie-und-Clyde-Manier im kurzen Schwarzen auf der Couch des Clanchefs Platz nimmt. Auch das bleihaltige Finale, in dem Aljoscha Stadelmann seinem inneren 007 freien Lauf lässt, sorgt für prächtige Unterhaltung.

"So haben wir Polizei noch nicht oft im deutschen Film gesehen"

Das Drehbuch von Holger Karsten Schmidt vergönnt den Polizisten – ob sie gute Freunde sind oder mehr, bleibt offen – nur recht knappe Dialoge, die er an der ein oder anderen Stelle mit fein dosiertem Wortwitz würzt. Insgesamt hätte dem Buch jedoch noch etwas mehr Schärfe gut zu Gesicht gestanden. Dass mit dem aalglatten Justiziar der Issas und dem impulsiven kleinen Gangsterzögling recht stereotype Figuren geschaffen wurden, ist leichter zu verschmerzen. Schließlich ist "Das Gesetz sind wir" kein bierernster "Tatort", sondern versteht sich selbst als Krimisatire.

"Ich mag den schrägen Humor, die Zuspitzung und die Radikalität der Figuren", beschreibt Regisseur Markus Imboden. Als Gegenpol zu Kunstkrimis, Provinzpossen und knallharten Thrillern à la Til Schweiger verdient sich "Das Gesetz sind wir" definitiv seinen Platz im dichten Krimidschungel der deutschen TV-Landschaft. Das sah offenbar auch die Jury des Deutschen FernsehKrimi-Preises so, die den Film in der Hauptkategorie auszeichnete. Als Begründung führte das Gremium auf: "Mal mit feinem, mal mit nicht so leisem Humor – wie Witt und Burck es schaffen, den Kopf immer wieder aus der Schlinge zu ziehen, nur um sie anderen um den Hals zu legen. So haben wir Polizei noch nicht oft im deutschen Film gesehen." Zudem gewann Heiner Stadelmann den Preis als bester Darsteller, der seiner "Figur eine ganz besondere Würde" verleihe, wie die Jury lobte.

Übrigens: Die Kombination eines Drehbuches von Holger Karsten Schmidt und den Darstellern Julia Koschitz und Aljoscha Stadelmann gab es schon einmal, nämlich in der "Harter Brocken"-Filmreihe im Ersten. In der dritten Folge "Der Bankraub" wurde ein lakonischer Provinz-Sheriff (Stadelmann) von einer kriminellen Psychopathin (Koschitz) zur Komplizenschaft bei einem Überfall gezwungen – ein fabelhaftes Sehvergnügen.

Das Gesetz sind wir – Mi. 25.03. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH