Auch wenn der Milchpreis kürzlich etwas angestiegen ist: Dass die Milchbauern ohne Subventionen nicht überleben könnten, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Im jetzt erneut zu sehenden Freitagsfilm "Die Kinder meines Bruders" (2016) ist die vertrackte Lage der Landwirte auch ein Grund, warum Christoph Steiner (Roman Knizka) keinen anderen Ausweg mehr sieht, als sein Auto frontal in einen Lastwagen zu lenken. Christoph ist tot. Zurück bleiben seine Kinder, der 16-jährige Nico (Max Hegewald) und die 11-jährige Leonie (Cosima Schroeder).

Ausgerechnet der verantwortungslose Onkel Eric (David Rott) aus Berlin soll sich um die Zukunft der Kinder und des Hofes kümmern. Doch Eric ist nicht gerade das, was man kinderfreundlich nennen würde. Als seine Freundin Verena (Anna Thalbach) ihm gesteht, schwanger zu sein, fragt er sie nur, ob sie noch problemlos abtreiben könne.

Die Geschichte des Onkels, der sich vom verantwortungslosen Lebemann zum Vorbild mausert, wurde schon oft erzählt, hat hier allerdings gesellschaftliche Brisanz. Der Hof seines Bruders steht bei Erics Ankunft kurz vor dem Bankrott. Schulden, dubiose Geschäfte und ein zu billiger Milchpreis haben Christoph in den Suizid getrieben und seine Kinder zu Vollwaisen gemacht.

"Ihr müsst ein Zeichen setzen"

2015 protestierten Landwirte in Deutschland gegen den Discounter Lidl, der nach einiger Zeit nachgab und seinen Milchpreis erhöhte. "Ihr müsst ein Zeichen setzen, dass die nicht so mit euch umspringen können, wie sie wollen", sagt Eric in "Die Kinder meines Bruders". Er wird im Laufe des Films eine Art Anführer einer Bauern-Revolution, wobei die Geschichte des Stadtjungen, der aufs Land zurückkehrt und die Verhältnisse dort verbessert, arg konstruiert und auch etwas überheblich wirkt.

Und trotzdem: Das Thema ist wichtig. Regisseur Ingo Rasper lässt dabei allerdings auch nie die menschliche Seite des Problems außer Acht. Wie soll es mit den Kindern weitergehen? Soll Eric den Hof verkaufen und so die Schulden tilgen? Was ist die Zukunft der Landwirtschaft? Vor allem Max Hegewald zeigt als Nico überzeugend, was der frühe Verlust der Eltern mit ihm als Teenager macht. Hin und wieder kommt auch noch der King of Country, Johnny Cash, mit ein paar Liedern zu Wort. Der amerikanische Country-Sound passt erstaunlich gut in die idyllische Landschaft Sachsen-Anhalts.


Quelle: teleschau – der Mediendienst