Wenn sich die Ermittler im konspirativen Dunkel ihres Polizei-Einsatzwagens raunend gegenseitig fragen: "Auf welcher Seite stehst du?", dann sollten erfahrene Krimi-Seher stutzig werden. Nicht wirklich ist dann mit geordneter Verbrecherjagd streng nach Dienstvorschrift zu rechnen. So auch im neuen ZDF-Montagsfall "Die Toten vom Bodensee – Der Wiederkehrer" (2018), dem mittlerweile sechsten Film der im Jahr 2014 als Gemeinschaftsproduktion gestarteten ZDF-ORF-Reihe rund um Kommissare aus der Landeshauptstadt Bregenz. Diesmal führt Krimi-Routinier und Erfolgsregisseur Hannu Salonen, bekannt aus vielen "Tatort"-, "Der Kriminalist"- und "Polizeiruf 110"-Beiträgen, die Zuschauer in ein sumpfiges Kuddelmuddel und steuert seine immer noch markanten Hauptdarsteller Matthias Koeberlin und Nora Waldstätten durch eine verwirrende Verschwörungshandlung.

Schon in der obligatorischen blutigen Eingangsszene, wenn ein Toter auf der sogenannten "Galgeninsel", einem historischen Hinrichtungsplatz am Rande des österreichischen Teils des Bodensees, aufgefunden wird, ist irgendwie der Wurm drin: Ein Mann namens Johannes Leitner wurde durch einen Kopfschuss getötet. Der Schuss kam allerdings aus der Dienstwaffe von Hannah Zeiler (Nora von Waldstätten), die bewusstlos neben dem Opfer liegt und erst im Krankenhaus langsam ihre Erinnerungen zu sortieren beginnt. Schon vor Ort wirkt es so, als ob eine Bluttat vertuscht werden soll. Auf einen möglichen Suizid scheinen sich die Beamten vor Ort recht rasch einigen zu wollen. Plausibel hört sich das nicht recht an.

Ozean-artig brausender Bodensee

Zurück auf dem Revier, nach einer erstaunlich kurzen Erholungszeit, kommen der sonst so taffen Ermittlerin Hannah schnell Zweifel. Allerdings wird sie von ihrem Vorgesetzten Ernst Geschwendner (August Schmölzer) rüde ausgebremst: Er zieht sie von den weiteren Untersuchungen ab – wegen Befangenheit. Wie das Zuschauer aus unzähligen weiteren Fällen kennen, kann so eine Anweisung die junge Kriminalerin natürlich nicht aufhalten. Heimlich arbeitet sie weiter – unterstützt und gedeckt von ihrem aus Deutschland stammenden Kollegen Micha Oberländer (Matthias Koeberlin), der wie so oft in privaten Schwierigkeiten neben der Dienstpflicht steckt.

Hannah Zeiler befindet sich schon seit Jahren auf der Suche nach ihrem einst bei einem schrecklichen Bootsunfall auf dem offenbar gelegentlich wirklich Ozean-artig brausenden Bodensee umgekommenen Vater. Lange hielt sie an der vagen Hoffnung fest, dass ihr Erzeuger – anders als die ertrunkene Mutter – den Schreckenstag doch überlebt haben könnte. Und nun verdichten sich die Anzeichen, dass Zeiler Senior vielleicht tatsächlich lebt. Kleiner Tipp: Immerhin heißt der Episoden-Untertitel der Reihe ja "Der Wiederkehrer".

Wie ein regungsloser Roboter

Trotz der prachtvollen Berg-See-Szenerie, die merkwürdigerweise immer wieder zwischen lichtdurchfluteter Frühsommerlichkeit und tief verschneiten Feldern wechselt, und der interkulturellen Spannungen zwischen deutscher und österreichischer Berufsauffassung verheddert sich der neue "Bodensee"-Fall rasch in einem Durcheinander an kühn übereinander gefügten Mord- und Schurkerei-Motiven, die zunehmend verwirrender und vor allem unplausibel wirken (Buch: Timo Berndt). Dass die sonst so überzeugende Charakterdarstellerin Nora Waldstätten diesmal wie ein regungsloser Roboter durch die Handlung stapft, macht es den Zuschauern zusätzlich schwer, emotionalen Zugang zum Geschehen zu finden.


Quelle: teleschau – der Mediendienst