Im Marvel-Abenteuer "Doctor Strange" (2016) muss ein Chirurg magische Fähigkeiten erlernen, um die Welt zu retten. Benedict Cumberbatch spielt den arroganten Arzt überwältigend gut.

Mystisch, magisch, merkwürdig: Im Jahr 2016 hielt endlich auch "Doctor Strange" Einzug in Marvels Filmcomicuniversum. Wer das ist? Die Frage muss erlaubt sein. Erstens, weil Doctor Strange bisher vor allem hartgesottenen Comic-Fans bekannt war. Und zweitens, weil man bei den ganzen Marvel-Superhelden, die seit ein paar Jahren in Filmen die Welt retten, ja mal den Überblick verlieren kann. Iron Man, Hulk, Captain America, Black Widow, der Typ mit Pfeil und Bogen, der andere Typ mit den mechanischen Flügeln. – Nun also: Doctor Stephen Strange, ein arroganter Neurochirurg, der aus seinem New Yorker Penthouse auf die Avengers-Zentrale schauen kann, aber mit der schnellen Eingreiftruppe (noch) nicht viel zu tun hat. Zunächst aber gehört "Doctor Strange" ganz allein seinem umwerfenden Darsteller Benedict Cumberbatch. ProSieben hat die Fantasy-Action nun als TV-Premiere im Programm.

Bevor Strange in das Geschäftsfeld seiner Quasi-Nachbarn einsteigt, bekommt er nach einem Autounfall das große Zittern – nicht nur in seinen Händen. Auch sein Ego wankt. Am schlimmsten betroffen ist aber das faktenbasierte Weltbild des Wissenschaftlers.

Der arrogante Ausnahmemediziner (Benedict Cumberbatch ist mit seiner britischen Borniertheit die perfekte Besetzung) muss sich wohl oder übel damit anfreunden, dass die Welt nicht nur aus einer einzigen Realität besteht. Dabei wollte Strange im mysteriösen Tempel Kamar-Taj in Nepal eigentlich nur seine lädierten Nervenbahnen reparieren lassen.

Wunderheiler gibt es dort freilich nicht, dafür aber einen geheimen Magier-Orden: Angeführt von der Ältesten (Tilda Swinton) kämpfen die Zauberer mit mystischen Kräften gegen Ungeheuerlichkeiten aus anderen Dimensionen. Doctor Strange erweist sich als potenter Neuzugang: Er könnte zum mächtigsten Zauberer aller Zeiten werden und die Welt retten.

Man muss sich als Zuschauer darauf einlassen, dass die Gesetze der herkömmlichen Physik in der Realität von "Doctor Strange" noch weniger gelten als in den Träumen von Christopher Nolans "Inception". Der Marvel-Streifen ist eine ziemlich mystische Angelegenheit: Die esoterische Schiene, dieser Ausflug ins Fantastische ist gewöhnungsbedürftig und hat den Nachteil, dass die Story so ziemlich jede Volte schlagen kann, die sie mag. Wenn schon mal alles möglich ist ... dann auch eine 08/15-Handlung.

"Doctor Strange" macht Eindruck, und Regisseur Scott Derrickson erledigt seinen knapp zweistündigen Job gewissenhaft. Sein Film ist kurzweilig, unterhaltsam und bereitete den Boden für kommende Abenteuer der Marvel-Helden vor. In "Avengers: Infinity War" (2018) fanden sich der zum Zauberer gereifte Arzt und die Superhelden-Eingreiftruppe erstmals zusammen, um dem Oberschurken Thanos das Handwerk zu legen. Weil das zunächst misslang, müssen die Helden ab dem 25. April wieder ran: Dann startet "Avengers: Endgame" in den Kinos.


Quelle: teleschau – der Mediendienst