Die sechsteilige Serie "Dschermeni" behandelt Themen wie Flucht, Integration und Abschiebung – und wird ab dem 27. November 2017 im Kinderkanal gezeigt.

"Über Yassir wusste ich heute Morgen noch gar nichts, nur, dass er in diesem Flüchtlingsheim wohnt", erklärt Moritz' (Michael Sommerer) Stimme aus dem Off. Warum auch, schließlich ist es für den Schüler viel wichtiger, sich zu überlegen, wie er den ekelhaften grünen Bio-Smoothie von seiner Mutter runterkriegen soll. An Leute wie Yassir (Julius Göze) verliert er keinen Gedanken. Sollte er aber, meint der KiKA und strahlt ab Montag, 27. November 2017, 20.10 Uhr, die sechsteilige Serie "Dschermeni" aus. Das Format ist ein ambitionierter Versuch, das Thema Flüchtlinge kindgerecht fiktional aufzuarbeiten – und es schadet auch den Erwachsenen nicht, die Perspektive zu wechseln und durch die Augen des jungen Publikums auf die Problematik zu schauen.

Vier Kinder, vier Schicksale, vier Kulturen: Das klingt plakativ, erfüllt aber seinen Zweck. Das Grundgerüst der Serie bilden der Deutsche Moritz und seine Freundin Rüyet (Sura Demir), deren Familie türkische Wurzeln hat, und die in der dritten Generation in Deutschland lebt. Hinzukommen die Flüchtlingskinder Aminata (Jodyna Basombo) und Yassir. Nach und nach werden die vier Kinder Freunde. Nun könnte die Serie den Fokus auf Alltagsprobleme, Mitschüler und das Heranwachsen ins Teenageralter legen, so wie es gefühlt Tausende Produktionen schon getan haben. Auch "Dschermeni" setzt da an, und nebenbei gibt es noch spannende Abenteuer und eben auch jede Menge schlichten Alltag für die Kinder zu bestehen. Doch der Themenkomplex, um den es diesmal wirklich geht, mag befremdlich klingen: Abschiebung, Flucht, Traumata, Toleranz und die Suche nach Heimat und Identität.

"Den Deutschen zu türkisch und den Türken zu deutsch"

Einseitigkeit kann man dem Format nicht vorwerfen, denn jedes Schicksal bekommt seinen Platz. Rüyet beispielsweise sucht nach ihrer Identität. Kein Wunder, wenn der Großvater ihr vorwirft: "Keiner wird mal was von dir wissen wollen." Und anschließend fasst er in Worte, was viele Kinder, deren Eltern einen Migrationshintergrund haben, verstehen werden: "Du bist den Deutschen zu türkisch und den Türken zu deutsch!" – Ein Problem, das vielleicht auch die Kinder oder Enkel von Aminata einmal haben werden. Das Mädchen plagen allerdings momentan andere Sorgen: Sie denkt, ihre Mutter sei auf der Flucht ertrunken, nun droht auch noch die Abschiebung. Wie sollen solche Lasten auf den Schultern eines Kindes Platz finden? Wie können Gleichaltrige verstehen, was es heißt, eine Flucht hinter sich zu haben? Autor Andreas Steinhöfel erklärt, es sei das Ziel gewesen "eine berührende Freundschaftsgeschichte zu schreiben, die die komplexe Flüchtlingsthematik konsequent aus einer personalen kindlichen und damit oft entlarvenden Perspektive erzählt".

Doch sollten Eltern ihre Kinder nun mit einem solchen Thema belasten? Unbedingt! Denn Kinder und insbesondere Teenager bleiben in einem digitalen Zeitalter kaum von Schlagzeilen verschont. Flüchtlinge werden zu Mitschülern, Sportkameraden oder wohnen in der Nachbarschaft. Im Bericht der "UNHCR" (Hochkommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge) aus dem Jahr 2016 heißt es, 65 Millionen Menschen befinden sich auf der Flucht, 51 Prozent davon sind unter 18 Jahre. Das "Bundesamt für politische Bildung" gab bekannt, dass 39 Prozent der Antragsteller auf Asyl in Deutschland alleine in diesem Jahr zwischen 0 und 15 Jahren alt sind. Kinder debattieren vielleicht nicht über die Flüchtlinge, aber sie sind stärker betroffen, als die meisten Erwachsenen es sich wohl vorstellen können. Die Schüler sollen lernen, wie man Flüchtlinge integriert, welche enorme gesellschaftliche Aufgabe die Integration ist, was gelungene Integration für einen Mehrwert für die multikulturelle Gesellschaft bedeuten kann und wie man hilft, den Zuwanderern hier eine Heimat zu schaffen.

Dem Sender scheint die Serie ein Anliegen zu sein, immerhin bekommt sie den Primetime-Sendeplatz gleich drei Tage in Folge. Sicherlich ist hierfür der Gedanke ausschlaggebend, dass die Eltern neben ihren Kindern Platz nehmen. So könnten die Erwachsenen erklären und vertiefen, damit sie den Aufklärungsauftrag nicht ganz an das Fernsehen abgeben.


Quelle: teleschau – der Mediendienst