Dass gute Genrefilme auch aus Deutschland kommen können, zeigen Regisseur Nils Loof und die Drehbuchautoren Ingo Lechner und Jens Pantring mit dem spannungsgeladenen Mystery-Thriller "Jenseits des Spiegels". In prisma verrät der 47-jährige Loof, mit welchen Stilmitteln er Angst erzeugt und warum es das Mystery-Genre hierzulande so schwer hat.

Warum muss man "Jenseits des Spiegels" gesehen haben?

Es ist ein spannender Mystery-Thriller mit einem sehr überraschenden Ende. Die Grafikerin Julia verschlägt es mit ihrem Mann Felix und Sohn Niko von München aufs platte Land im Norden Deutschlands. Ihr neues Zu hause ist ein heruntergekommener Wald- bauernhof. Den hat Julia von ihrer Schwester Jette geerbt, die sich das Leben genommen hat. Für Julia bleibt ihre Schwester allgegenwärtig. Sie hegt zunehmend Zweifel an dem vermeintlichen Selbstmord. Als sie dann die Stimme ihrer Schwester hört und sich ihr Sohn Niko immer merkwürdiger verhält, gerät sie in einen Strudel aus Vergangenheit und Gegenwart ...

…und der Zuschauer gerät in eine Achterbahnfahrt der Gefühle, die ihm den Atem stocken lässt?

Ja, das Gefühl soll direkt in den Bauch gehen, nicht erst in den Kopf. Der Film spielt mit mir als Betrachter wie bei einer Achterbahnfahrt, die ja auch voll in den Magen geht. Ton, Bild und die Figuren lassen uns die Angst hautnah spüren. Wir werden mit Julias angstvollem Weg zwischen Wahn und Wirklichkeit konfrontiert. Sie, ihr Mann und ihr Sohn erscheinen realistisch, in der geschaffenen Welt drum herum agieren zunehmend böse Dämonen und das Übersinnliche.

Wie erzeugen Sie diese Angst beim Zuschauer?

Wichtig ist, sich mit der Hauptfigur Julia, gespielt von Julia Hartmann, identifizieren zu können. Ich muss ihr vertrauen können. Und genau aus diesem Vertrauen werde ich als Zuschauer dann immer wieder herauskatapultiert, um mich zu erschrecken. Aber es kommen noch viele Stilmittel hinzu, seien es Musik und Sounddesign, das Licht oder die Schnittfolge. Und natürlich die Bilder: Da gibt es neben dem morbiden Anwesen, das seine Bewohner mit Geräuschen und Stromausfällen zu Wahn und Angst treibt, auch geheime Kammern auf dem Dachboden und Gerüchte um Geister und Exorzismen.

Die Figuren sind sehr realistisch angelegt, die Welt drum herum erscheint mysteriös.

Ja, das war ein Spagat, total schwierig. Es ist auch eine Geschmacksfrage, wie viel Realismus der Film verträgt und wie intensiv das Mystery-Genre das Geschehen prägt, ohne dabei ins Klischee abzurutschen. Wie weit darf ich bei den Effekten gehen und wann wird es eher albern? Soll das Blut also möglichst realistisch tropfen oder soll es eher dickflüssig und rotschwarz daherkommen?

Was war für Sie der Initialfunke, die Regie bei „Jenseits des Spiegels“ zu übernehmen?

Es ist ein Geschenk, so einen Film in Deutschland machen zu dürfen. Geld für solche Stoffe gab es bislang eher selten. Der Genrefilm hat es eben nicht immer leicht bei Filmförderern. Dabei ist der Bedarf für Mystery-Stoffe ja da. Das zeigt auch der Erfolg, den Netflix mit diesem Genre hat.

Was zeichnet einen guten Film aus dem Mystery-Genre aus?

Spannung und Grusel, Fantasy und Horror. Ein guter Mystery-Film muss auf das Unglaubliche, scheinbar Unbegreifliche setzen.

Warum hat es das Genre hierzulande vergleichsweise schwer?

Im Gegensatz zur Gothic Novel in England hat sich in Deutschland keine Kunstform gebildet – trotz Nosferatu, trotz der German Angst, der speziell deutschen Neigung, zu grübeln und sich zu ängstigen. Man lässt sich, auch mit Blick auf unsere Geschichte, halt nicht gerne von einem deutschen Regisseur manipulieren.

Wie wichtig waren die Drehorte Lüneburger Heide und das Wendland?

Wir haben vier Wochen lang dort gedreht, wo sich Fuchs und Hase „gute Nacht“ sagen. Wichtiger als die Landschaft – im Winter ist es überall grau – waren unsere Vorstellungen, wie das Haus, in dem die Dreharbeiten fast ausschließlich stattfanden, aussehen musste. Es sollte am Waldrand stehen und durfte nicht allzu pittoresk wirken. Ideal waren die lauten Windräder nebenan, sie wirkten geradezu bedrohlich.

Neben Ihrer Arbeit als Autor und Regisseur unterrichten Sie auch als Professor für Filmgestaltung an der Hochschule Hannover. Lieber Lehre oder lieber Leinwand?

Für mich gehört es zusammen. Die Lehre und Forschung in der Hochschule konfrontiert mich täglich mit neuen Themen und jungen, neugierigen Menschen. Sie ist eine Art Zuhause. Das Filmemachen indes ist ein spannendes Abenteuer. Und nach vier Wochen Dreharbeiten bei minus sieben Grad mit einer Crew von 30 Leuten in einem einzigen Haus freue ich mich auch wieder auf die gut geheizte Hochschule.

Wie urteilt der Professor Loofüber den Regisseur und Filmemacher Loof, macht er alles richtig, also nach Lehrbuch?

Nee, der macht nicht alles richtig. Das müsste ich mir mal genauer anschauen. Da gibt es ganz sicher noch Luft nach oben. Er muss einfach mal in mein Seminar kommen.