Es ist ein gewagter, aber furios inszenierter Genre-Mix, mit dem die neue deutsche Amazon-Serie "BEAT" ab 9. November ihr Publikum finden will. Erzählt wird die Geschichte des Techno-Club-Promoters Robert Schlag (Jannis Niewöhner), genannt Beat, der von Beamten einer internationalen Behörde (Christian Berkel, Karoline Herfurth) engagiert wird, um ein globales Verbrechersyndikat auszuspionieren. Das handelt unter anderem mit Waffen und Organen.

Regisseur Marco Kreuzpaintner ("Krabat", "Polizeiruf 110: Und vergib uns unsere Schuld") vermischt über sieben Folgen à 60 Minuten bildgewaltig und temporeich die Genres Szeneporträt, Thriller und philosophisches Moralstück. Nicht nur die furiosen Szenen im Techno-Club sind kinoreif und mit großartigem Sounddesign versehen.

"Ein Flug über alle Grenzen, ein Leben auf einem Lichtstrahl", so beschreibt der Techno-Aktivist und Konsument multipler Drogen, Robert Schlag, sein Leben. Tatsächlich reist der Rausch im Leben des Endzwanzigers fast niemals ab. Mit seinem besten Freund Paul (Hanno Koffler) betreibt Beat einen Berghain-artigen Tanztempel in Berlin. Trotzdem – und das erkennt der Zuschauer nach und nach – ist "Beat" der Gute in dieser Show. Ein Idealist, der von der gleichberechtigten Gemeinschaft aller Party People träumt, von maximaler Freiheit, verbindlicher Freundschaft und freier Liebe. Ganz anders dagegen die "Ideale" der übrigen Parteien in diesem Thriller-Epos.

Richard Diener (Christian Berkel, lesen Sie hier ein Interview), Task Force-Leiter einer europäischen Behörde gegen das organisierte Verbrechen, und seine Agentin Emilia (Karoline Herfurth) kontaktieren Beat, weil er Philipp Vossberg auskundschaften soll, der von Paul als neuer Finanizier und Teilhaber des Techno-Clubs ins Boot geholt wurde. Vossberg steht im Verdacht, zentrale Figur eines international agierenden Verbrechersyndikats zu sein.

Und noch ein weiterer Akteur spielt in dem anfangs recht verschachtelten Thriller ein offenbar eigenes Spiel. Der horrorclownartige Jasper (Kostja Ullmann) liebt Schlager und inszeniert dazu blutige Tatorte. Wo der diabolische Jasper in diesem Dreiecksspiel zwischen verstrahlt idealistischen Technojüngern, sachlich kühlen Agenten und moralisch enthemmten Großkriminellen steht, bleibt lange Zeit im Vagen.

Dem hochtalentierten Regisseur Marco Kreuzpaintner und seinem Drehbuchautor Norbert Eberlein ("Blackout - Die Erinnerung ist tödlich") ist mit "BEAT" ein echter Hit gelungen. Eine kluge, gleichzeitig spannende, bild- und tongewaltige Serie über Idealismus versus existenzialistischem Kalkül als konkurrierende Lebensthesen. Zu Flüchtlingsszenen und Gewaltorgien wird per Off-Kommentar philosophisches Gedankengut formuliert, das den Globalisierungsthriller auch zum "Denkstück" macht. Man darf gespannt sein, wie das deutsche und internationale Publikum die wuchtige, neue Berlin-Serie aufnehmen wird.


Quelle: teleschau – der Mediendienst