Müssen sich "DSDS", "The Voice of Germany" und Co. ab jetzt fürchten? Der Streaming-Anbieter Netflix stellt in "Westside" junge Musiktalente vor – auf besondere Art.

Mit Serien wie "Stranger Things" oder "House of Cards" hat Netflix dem klassischen Fernsehen längst viele Zuschauer abspenstig gemacht und hofiert nebenbei seit langem fleißig Regisseure und Dokumentarfilmer. Des Weiteren gehören mehrere Backshows schon zum Portfolio des Streaming-Dienstes, außerdem eine Talkshow mit Late-Night-Legende David Letterman und die launige Lebensberatung "Queer Eye". Und nun schickt sich das Portal an, eine weitere Bastion des linearen Fernsehens mit einer Eigenproduktion für sich einzunehmen: die Reality-Serie. Ab 9. November hat Netflix mit "Westside" ein Reality-Musical über junge Musiker in Los Angeles im Programm.

Sie sind alle jung, hübsch anzusehen und definitiv talentiert. Eigentlich beste Voraussetzungen, um als Sänger und Sängerinnen durchzustarten. Doch der große Erfolg wollte sich für die neun Protagonisten von "Westside" bislang nicht einstellen. Gelingt nun vielleicht in der Gruppe, was dem Einzelnen verwehrt blieb?

Es ist jedoch keine klassische Band, die Sean Patrick Murray in dem Reality-Format zusammenstellen will. Dem Produzenten schwebt eine Bühnenshow für Nachtclubs vor, die unterschiedlichste Musiker gemeinsam bestreiten. Miteinander, nicht gegeneinander, sollen die Talente also arbeiten, die er zur Umsetzung seiner Vision zusammengetrommelt hat. Da wäre etwa der mürrische Folkrocker James, der nebenbei auf dem Bau arbeitet, die einstige "American Idol"-Teilnehmerin Pia, die sich trotz früherer Berühmtheit als Underdog sieht, oder der Ausreißer Austin, der sich am wohlsten fühlt, wenn er High Heels an und eine Funkband um sich hat.

Obwohl sich die Musiker theoretisch nicht in Konkurrenz zueinander befinden, sind Reibereien zwischen so verschiedenen Charakteren natürlich vorprogrammiert. Und wenn es einmal nicht ausreicht, mehrere kreative Alphatiere aufeinanderloszulassen, können Emotionen, Reaktionen und Konflikte ja immer noch durch "Workshops" provoziert werden.

Mit Trash-TV hat das dennoch wenig zu tun, die Bilder haben durchaus Kino-Qualität. Oder besser gesagt: Musikvideo-Qualität. Regelmäßig werden im Verlauf der einzelnen Episoden fertig produzierte Clips der "Westside"-Sänger eingebunden, mal in Gruppe, mal solo. Dass die Songs inhaltlich gern die Ereignisse oder Stimmungen aufgreifen, die in den Minuten zuvor thematisiert wurden, verleiht dem Format nicht unbedingt Authentizität, aber es erhöht den Unterhaltungswert. Viel glaubwürdiger sind die meisten Casting-Shows schließlich auch nicht.


Quelle: teleschau – der Mediendienst