Vor zehn Jahren, am 15. September 2008, meldete der amerikanische Investment-Gigant Lehman Brothers Insolvenz an. Es folgte "die schwerste Finanzkrise seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs", sagt rückblickend Jean-Claude Trichet, damals Chef der Europäischen Zentralbank. Im Dokudrama "Lehman. Gier frisst Herz" zeichnet der hochdekorierte Genrespezialist Raymond Ley ("Eine mörderische Entscheidung") die entscheidenden Tage vor der Mega-Pleite nach.

Mit Joachim Król als Bankberater oder Mala Emde ("Meine Tochter Anne Frank") als junge Online-Bankerin sind die Spielszenen prominent besetzt. Als Gesprächspartner des dokumentarischen Teils gaben viele Geschädigte, aber auch der ehemalige Finanzminister Peer Steinbrück, Karl Dannenbaum, Ex-Geschäftsführer von Lehman Deutschland und andere Schlüsselfiguren der Krise Auskunft.

Raymond Leys Rückschau, die aus der Sicht einer Frankfurter Sparkasse, ihrer Berater und Kunden erzählt wird, leidet darunter, dass kaum ein anderes globales Ereignis des letzten Jahrzehnts filmisch so intensiv aufbereitet wurde wie die Finanzkrise. Neben großen amerikanischen Produktionen wie "Der große Crash - Margin Call" (2011) oder "The Big Short" (2015) sah man auch überzeugende Produktionen, die das Geschehen aus deutscher Sicht schildern: den Dokumentarfilm "Master of the Universe" (2013), das ZDF-Fernsehspiel "Der Bankraub" (2016, ebenfalls mit Joachim Król) und zuletzt – sehr eindrucksvoll, wenn auch nach der Bankenkrise spielend, die Miniserie "Bad Banks" (ARTE/ZDF).

Mit Fug und Recht darf man behaupten: Das Thema wurde aus unterschiedlichsten Blickwinkeln aufgearbeitet. Auch die Überzeugung, dass sich seitdem wenig geändert hat, gehört fast schon zum Allgemeingut. Grimme-Preisträger Ley, dessen letztes Dokudrama "Tod einer Kadettin" 2017 im Ersten lief, war um seine Aufgabe nicht zu beneiden. Tatsächlich fördern die von ihm inszenierten Spielszene und geführten Interviews diesmal erstaunlich wenig Neues zutage.

Ja, es war die menschliche Gier, die sowohl Banker als auch Kunden in abenteuerliche Geschäfte investieren ließ. Ja, es war absolut unverantwortlich, dies zu tun. Und ja, es kann jederzeit wieder passieren. Nur – ob man all das, was man schon wiederholt und besser gesehen hat, sich noch ein weiteres Mal antun will?

Raymond Ley, einer der besten deutschen Dokumentarfilmer, hat es diesmal verpasst, sein Untersuchungsobjekt mit einem wirklich spannenden, neuen Ansatz in gewohnter Brillanz auszuleuchten.


Quelle: teleschau – der Mediendienst