Ein urkomisches Grüppchen tut sich zusammen, um während eines Rennens ins Geldtunnelsystem einer NASCAR-Rennstrecke einzubrechen. Sehenswerte Heist-Komödie von Steven Soderbergh.

Als er vor einigen Jahren für "Liberace" keine Verleihfirma fand, weil die Hollywood-Studios das Künstler-Biopic für "zu schwul" befanden, hatte Steven Soderbergh dem Kino eigentlich lauthals abgeschworen. Für immer. Dann jedoch kam er auf die Idee, seine nächste Produktion, den Gaunerfilm "Logan Lucky", mit dem Vorverkauf der Verleih- und Home-Entertainment-Rechte zu finanzieren. Damit schlug der eigenwillige Regisseur den Hollywood-Bossen ein schönes Schnippchen – ganz so wie die vom "Ocean's Eleven"-Macher bevorzugten Helden. Seiner fantastischen Schauspielerriege merkt man die Unabhängigkeit und Begeisterung während der Dreharbeiten an, allen voran Bond-Darsteller Daniel Craig, den Soderbergh zum Brüllen komisch gegen den Strich als blondierten Tresorknacker mit Familiensinn besetzt. ProSieben verhilft dem unterhaltsamen Heist-Movie nun zur Free-TV-Premiere.

Jimmy Logan ("Magic Mike" Channing Tatum), die Arbeiterversion von Gentleman-Gauner Danny Ocean, schlägt sich in West Virginia als Bauarbeiter durch, da er aufgrund einer Knieverletzung seinen Traum von einer Football-Karriere begraben musste. Der getrennt lebende Vater verliert jedoch zu Beginn gerade wieder einmal seinen Job, weil er im Amerika der Trump-Ära als Humpelnder für seine Bosse ein zu großes Sicherheitsrisiko darstellt. Zu allem Überfluss eröffnet ihm seine Ex-Frau (Katie Holmes) auch noch, dass sie mit ihrer gemeinsamen Tochter und ihrem neuen Ehemann nach Tennessee umziehen will.

Jimmys smarter Bruder Clyde (Adam Driver), der im Irak-Krieg einen Arm verloren hat, schmiedet jedoch einen Plan, wie sich das Blatt endlich wenden könnte: Bei einem Job am unterirdischen Geldtunnelsystem der NASCAR-Rennstrecke sind ihm vorübergehende Sicherheitslücken aufgefallen. Nun gedenkt er gemeinsam mit seinem Bruder Clyde und seiner Schwester Mellie (Elvis Presleys Enkeltochter Riley Keough) dort während eines Rennens einzubrechen. Es gibt nur noch ein Problem aus dem Weg zu räumen: Der Tresorknacker Joe Bang (Craig), den sie dafür benötigen, sitzt zurzeit leider noch im Gefängnis.

Urkomisch, welche trockenen Oneliner dem Sträfling nicht nur bei der ersten Begegnung mit Jimmy und Clyde in den Mund gelegt werden. Auch Joes Hillbilly-Brüder, die der Safeknacker unbedingt dabeihaben will, sorgen für garantierte Lacher im Publikum. Ebenso wie die Logan-Brüder könnten diese sympathischen Loser auch einem Film der Coens entsprungen sein. Doch Soderbergh schaut mitnichten auf die von der Gesellschaft abgehängten Hinterwäldler herab. Geschickt streut er berührende Hintergrundinformationen über die Südstaatler ein, bei denen John Denver's Hymne "Take Me Home, Country Roads" eine berührend-tragende Rolle spielt. Selbst die weiblichen Nebenfiguren, die wie so häufig bei Soderbergh nicht besonders viel Spielzeit bekommen, sind recht vielschichtig gezeichnet.

Die Karriere des Hauptdarstellers Adam Driver nahm nach "Logan Lucky" in den vergangenen Jahren gehörig Fahrt auf. Es folgten Hauptrollen in "Star Wars: Die letzten Jedi" (2017) und "The Man Who Killed Don Quixote" (2018). Für seinen Part in "BlackKklansman" heimste der 35-Jährige bei der letztjährigen Oscarverleihung gar eine Nominierung als bester Hauptdarsteller ein. Derzeit ist Driver im unterhaltsamen Zombiefilm "The Dead Don't Die" an der Seite von Bill Murray und Chloë Sevigny im Kino zu sehen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst